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«Uns fehlt es hier an nichts»

Sie mögen Fussball und sie mögen die Schweiz. Wenn die Eidgenossen aber gegen die Serben spielen, drücken Nebojsa Aleksic und Danijel Ristic die Daumen für ihr Heimatland. Heute sogar auf den Sitzplätzen des Stadions in Kaliningrad.
Philipp Zurfluh
Die Schweiz spielt gegen Serbien: Nebojsa Aleksic (links) und Danijel Ristic fiebern live mit. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 18. Juni 2018))

Die Schweiz spielt gegen Serbien: Nebojsa Aleksic (links) und Danijel Ristic fiebern live mit. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 18. Juni 2018))

Dass die Fussball-Weltmeisterschaften in Russland stattfinden, kam ihm gerade gerecht. «Es war schon immer mein Traum, das Land zu besuchen», sagt der 29-jährige Danijel Ristic aus Schattdorf. Zusammen mit Nebojsa Aleksic (27) aus Altdorf sowie einem weiteren Freund haben sie am Mittwoch die Reise ins Grossreich im Osten in Angriff genommen. Mit dem Flugzeug ging es von Zürich nach Warschau, von dort aus weiter mit einem Mietauto zirka 400 Kilometer zum Austragungsort Kaliningrad. Der Entscheid zu diesem Spontantrip fiel erst vor drei Wochen. «Wir sahen ein preiswertes Angebot und buchten die Reise sofort», erklärt Nebojsa Aleksic.

Der Vater war Saisonarbeiter in der Schweiz

Die beiden Serben leben schon seit Langem in der Schweiz. Im Gegensatz zu Nebojsa Aleksic ist Danijel Ristic jedoch nicht hier geboren. Er ist in Bosnien aufgewachsen, und hat dort die obligatorische Schule besucht.

Sein Vater kam schon 1987 in die Schweiz und war als Saisonarbeiter tätig. Eigentlich hätte er nach einigen Jahren wieder zur Familie zurückkehren wollen, doch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in der Heimat war er gezwungen, in der Schweiz zu bleiben. «Leider sind meine Geschwister und ich praktisch ohne Vater aufgewachsen», bedauert Danijel Ristic.

«Ich konnte kein Wort»

Als er 14-jährig war, liess er sich mit der Familie im Kanton Uri nieder. Der Anfang war alles andere als einfach, erinnert sich der Fussballer, der eine Lehre als Schlosser absolvierte: «Ich konnte kein einziges Wort Deutsch.» Doch er sei hier gut aufgenommen, integriert und gefördert worden. «Dafür bin ich heute sehr dankbar.»

Nebojsa Aleksic ist im Kanton Uri geboren und musste die deutsche Sprache in der Schule und in einem Sprachkurs erlernen. «Ich wurde in der Kindheit und Jugend von meinem Umfeld immer unterstützt, auch wenn ich anfangs grosse Mühe hatte mit der Sprache.» Wenn es die Zeit erlaubt, geht er zwei bis drei Mal pro Jahr in seine Heimat. Dort hat seine Familie ein Ferienhaus.

Lockerer mit Pünktlichkeit

Über Serben gibt es viel Vorurteile: Aggressiv, unanständig und machomässig würden sie sich verhalten. «Ja, das bekommen wir oft zu hören. Es ist schade, dass wir alle in die gleiche Ecke gestellt werden», meint Aleksic. Einzelfälle würden oft generalisiert und mit ihrer Nation in Verbindung gebracht. «Serbien ist ein gastfreundliches und offenes Land, wird aber nicht immer als solches wahrgenommen.» Er kennt die Eigenheiten der Schweiz und Serbien bestens: «Hier ist der Tagesablauf klar geregelt, alle Termine sind durchorganisiert. In Serbien wird mit der Pünktlichkeit etwas lockerer umgegangen», sagt Aleksic schmunzelnd. Ristic betont: «Uns fehlt es hier an nichts!». In der Schweiz hätte man die besten Voraussetzungen, um ein gutes Leben zu führen. «Ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich Ende Monat meinen Lohn erhalte.» Beide fühlen sich im Kanton Uri gut aufgehoben und wollen bald den Schweizer Pass beantragen.

Heute Abend sind die beiden Fussballspieler und -fans auf der Seite Serbiens. «Ich unterstütze eigentlich immer die Schweizer Nationalmannschaft, doch heute stehe ich auf der anderen Seite.» Er erwartet eine ausgeglichene Partie. «Serbien hat die besseren Einzelspieler, die Schweizer sind als Team besser.» Aleksic glaubt ans Weiterkommen seiner Lieblinge: «Mit etwas Glück können wir es an dieser WM weit schaffen.» Und die Schweiz? «Mein Wunsch wäre es, dass die Schweiz und Serbien weiterkommen und Brasilien ausscheidet.» Zwar sei dies kaum denkbar, aber: «Im Fussball ist bekanntlich alles möglich.»

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