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Bei Grabungen in Altdorf kommen Schmuckstücke zum Vorschein

Es gibt neue Erkenntnisse durch die archäologischen Grabungen beim Altdorfer Gemeindehaus. Die freigelegten Bauten werfen allerdings auch Fragen auf.
Auf dem Gelände des Parkplatzes vom Gemeindehaus kam ein spätmittelalterlichen, quadratischen Kellers im Lehmboden zum Vorschein. (Bild: PD/ProSpect GmbH)

Auf dem Gelände des Parkplatzes vom Gemeindehaus kam ein spätmittelalterlichen, quadratischen Kellers im Lehmboden zum Vorschein. (Bild: PD/ProSpect GmbH)

(ml) Mit der neuen Wohnüberbauung «In den Gassen» wird zurzeit in Altdorf das Areal rund um die Villa Winterberg verdichtet. Mit den baubegleitenden archäologischen Grabungen auf dem Gemeindehausparkplatz in diesem Frühjahr, veranlasst von der Denkmalpflegefachstelle der Justizdirektion Uri, konnten erstmals Reste des frühmittelalterlichen Dorfes freigelegt und untersucht werden. Damit bestätigt sich einerseits die Vermutung, dass sich in Nähe der Kirche St. Martin und des mittelalterlichen Wohnturms Winterberg das älteste Siedlungsareal von Altdorf befunden hat. Andererseits erweitert es das Bild des Dorfes, wie es sich vor über 1200 Jahren abzeichnete, wie die Justizdirektion des Kantons Uri in einer Mitteilung schreibt.

Der für dieses Areal überlieferte Flurname Sal, althochdeutsch für «Haus, Saal» deutete schon auf seine wichtige Bedeutung und sein über 1000-jähriges Alter hin. Der Ausdruck «Sal», in Uri einzig für diesen Standort überliefert, weist auf ein zentrales Saal-Haus, wohl auch auf die Sammelstelle für Erträgnisse der Landwirtschaft hin. Die Grösse des Areals lässt eine Deutung als Herrenhof zu.

Schon 1969 legte man durch die Ausgrabungen in der Pfarrkirche St. Martin Gräber und Reste der ältesten Kirche frei, die von Siedlern des späten 7. Jahrhunderts nach Christus stammten. Die Anfang dieses Jahres ausgeführten Aushubarbeiten für die Tiefgarage stiessen nun in über einem Meter Tiefe auf einige Kleinfunde wie eine kaiserzeitliche Gewandfibel, spätrömische Münzen des 4. Jahrhunderts nach Christus und ein frühmittelalterlicher Goldanhänger des 6. oder 7. Jahrhunderts.

Grabungsmitarbeiterin Bea Koens zeigt den von ihr gefundenen, frühmittelalterlichen Goldanhänger. (Bild: PD/Bea Koens)

Grabungsmitarbeiterin Bea Koens zeigt den von ihr gefundenen, frühmittelalterlichen Goldanhänger. (Bild: PD/Bea Koens)

Handwerk und Pfostenbau

Eine Besonderheit stellen bei den Ausgrabungen Reste einer Siedlung dar, die sich aus Gruben und Gräben zu erkennen gab. Ein dazugehöriges Bodenniveau war aufgrund jüngerer Bodenabträge nicht mehr erhalten, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Gruben zeugen eventuell von handwerklichen Tätigkeiten wie der Eisenverarbeitung, was Abfälle in einer Grubenverfüllung andeuten. Speziell ist eine gerade verlaufende Grubenreihe. Sie stammt womöglich von einem Holzhaus, einem sogenannten Pfostenbau. Die Wände waren mit in regelmässigen Abständen im Boden versenkten Pfosten erstellt und dazwischen mit Lehmfachwerk oder Bohlen ausgefüllt worden.

Für eine bessere Datierung dieser Strukturen wurden die in den Grubenverfüllungen eingelagerten Funde wie Tierknochen und Holzkohlefragmente analysiert. Der in den Proben eingeschlossene Kohlenstoff C14 wurde im Labor extrahiert und über seinen Zerfallsprozess eine Halbwertszeit ermittelt. Die daraus gewonnenen Werte deuten auf eine Verfüllung der Gruben im 8. oder 9. Jahrhundert nach Christus hin. Der Pfostenbau scheint also in karolingischer Zeit aufgegeben worden zu sein. Damit datieren die Funde aus der Zeit, aus der die älteste bekannte Urkunde aus dem Jahr 857 von der Fraumünsterabtei Zürich, der damaligen Landbesitzerin des unteren Reusstals, stammt. Ob die Auflassung des Pfostenbaus im Zusammenhang mit der Einsetzung der neuen Landeigentümerin steht, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt ohne weitere Nachforschungen allerdings Spekulation.

Hinweis für zunehmenden Warenverkehr?

Jahrhunderte später entstanden auf dem Areal die ersten Steinbauten, so der Wohnturm, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit der Familie Winterberg in Zusammenhang gebracht wird. Daneben liess man kellerartig eingetiefte Bauten rund um den Wohnturm bis in die Neuzeit erbauen. Die sechs bislang aus der Grabung bekannten Keller, darunter ein als Kühlkeller eingetiefter Rundbau, scheinen auf die Lagerung von grösseren Gütermengen hinzuweisen.

Ob dies mit dem zunehmenden Handelsverkehr über den Gotthardpass in Zusammenhang stand, bleibt der künftigen Auswertung der archäologischen und historischen Quellen vorbehalten.

Brand verändert das Dorfbild

Das heutige Siedlungsbild liess die reichhaltige bauliche Vergangenheit dieses Areals vor dem Bau der neuen Wohngebäude «In den Gassen» kaum mehr erahnen. Ursache war der Dorfbrand von 1799, der das damalige Altdorfer Dorfbild erheblich verändert hatte. Mit dem Bau des alten Schulhauses, dem heutigen Gemeindehaus, sowie des Gasthauses Tell prägen neben der Villa Winterberg Bauten des frühen 19. Jahrhunderts das Bild, wie es für den Altdorfer Ortskern typisch ist.

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