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UNTERSCHÄCHEN: Blocher heftet sich selber an die Fersen der Flüchtlinge

Christoph Blocher gab sich vor seinen Urner Sympathisanten kämpferisch und erzählte von seinen Erlebnissen mit Eritreern.
Anian Heierli
Der SVP-Übervater Blocher kritisierte in ­Unterschächen die EU und das Schweizer Asylwesen. (Bild Anian Heierli)

Der SVP-Übervater Blocher kritisierte in ­Unterschächen die EU und das Schweizer Asylwesen. (Bild Anian Heierli)

Christoph Blocher (74) sprach zuerst Probleme in der Europäischen Union an, dann kritisierte er Missstände im Schweizer Asylwesen, und zum Schluss bekam erneut die EU ihr Fett ab. Leidenschaftlich referierte der alt Bundesrat am Donnerstagabend in Unterschächen im Hotel Alpina. Dabei hörten ihm gut hundert Sympathisanten der SVP Uri gebannt zu. «Ihr habt mir den Titel ‹frei bleiben› vorgeschlagen», so Blocher. «Das ist natürlich Wasser in die Reuss getragen. Als Zürcher mit einem Urner über Freiheit sprechen, ist frech.» Immerhin seien die Urner seit 1291 frei und die Zürcher erst seit 1351.

«Kolonialvertrag statt Königsweg»

Blocher kam aber nicht bloss zum Sprücheklopfen nach Unterschächen. Denn heute sieht er vor allem die Freiheit der Eidgenossen in Gefahr. Und der SVP-Übervater versteht seine Partei als Hüterin dieser Freiheit. «Eigentlich wollen die Politiker in Bern in die EU. Auch wenn das heute öffentlich jeder abstreitet», sagte er. Und dieser Wunsch werde getarnt. «Die Tarnung heisst Erneuerung des bilateralen Wegs.» Darüber sei aber vor den National- und Ständeratswahlen im Oktober von den anderen Parteien Stillschweigen vereinbart worden.

Laut Blocher wird der bilaterale Weg heute als Königsweg beschworen. Bei einer Annahme ist aber die EU König», betonte er. Ein solcher Vertrag führe zu fremden Gesetzen und fremden Richtern. Das sei ein Kolonialvertrag, der ziemlich genau das Gegenteil von den Werten enthalte, für die man 1291 gekämpft habe: «Wir haben den Vor- und Nachteil, ein kleiner Staat zu sein. Der Kleine hat aber weniger Macht», so Blocher. «Deshalb ist es schlau, sich nicht in den Streit der Grossen einzumischen.» Die anwesenden SVP-Sympathisanten dankten Blochers prägnante Aussagen immer wieder mit Zwischenapplaus.

Trotz seiner 74 Jahre und seiner Abwahl im Bundesrat gab sich Blocher kämpferisch. So erzählte der Politiker, dass er vor drei Wochen einige Stunden als Unbeteiligter auf dem Bahnhof Mailand herumgelaufen sei und sich selber ein Bild von den Asylsuchenden gemacht habe: «Das ist ein Erlebnis gewesen. Die Asylsuchenden haben auf dem Bahnhof gezeltet, und alles ist voller Schwarzer und Eritreer gewesen», berichtete Blocher. Dort habe ein Italiener die Eritreer gefragt, wo sie hinwollten, eine Liste gemacht, die Tickets gekauft, und dann habe derselbe Italiener die Tickets teurer an die Eritreer weiterverkauft. Darunter seien auch Tickets nach Chiasso und Zürich gewesen. «Das sind auch Schlepper, einfach im kleinen Stil», bemerkte Blocher.

Empfangskomitee an der Grenze

Daraufhin ist der alt Bundesrat im selben Wagen wie einige Asylsuchende mit nach Chiasso gefahren. «In Chiasso sind vier Eritreer ausgestiegen und geradewegs auf die Grenzwächter zugegangen. Die Wächter haben sie dann zur Schweizer Empfangsstelle gebracht», erzählte Blocher. «Das ist ein Empfangskomitee. Dafür braucht es doch keine ausgebildeten Grenzwächter.» Für Blocher verdeutlicht seine Erfahrung, dass das Dublin-Abkommen unter den einzelnen EU-Staaten und der Schweiz in der Realität völlig gescheitert ist. Er verkündete, dass es das Beste sei, wenn am Leben bedrohte Flüchtlinge nach Kriegsende wieder nach Hause gehen müssten und wenn Flüchtlinge in der Schweiz arbeiten würden. Die Tatsache, dass heute viele Flüchtlinge von der Sozialhilfe leben, sieht er als Fehler im System.

Obwohl Blocher am Schluss für Fragen Rede und Antwort stehen wollte, gab es keine Fragen aus dem Publikum. Unter den Ehrengästen war auch der Urner Sicherheitsdirektor Beat Arnold. Blochers Rede erfolgte nicht zuletzt im Zusammenhang mit dessen Nationalratskandidatur.

Anian Heierli

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