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Sittlisalp-Seilbahn: Josef Arnold ist einer der vielen freiwilligen Maschinisten

Bis am 6. Januar 2019 fährt die Seilbahn Brunnital–Sittlisalp täglich und dank vieler freiwilliger Maschinisten. Josef Arnold ist einer von ihnen. Bereits als Jugendlicher war er Seilwart der offenen Seilbahn, die mit einem VW-Motor betrieben wurde.
Christof Hirtler
Maschinist Josef Arnold kontrolliert in der Seilhütte der Talstation der Luftseilbahn Brunnital–Sittlisalp die Ausfahrt der bergwärts fahrenden Kabine. (Bild: Christof Hirtler, Unterschächen, 22. Dezember 2018)

Maschinist Josef Arnold kontrolliert in der Seilhütte der Talstation der Luftseilbahn Brunnital–Sittlisalp die Ausfahrt der bergwärts fahrenden Kabine. (Bild: Christof Hirtler, Unterschächen, 22. Dezember 2018)

Es schneit in Unterschächen, zum zweiten Mal im Dezember 2018. Nach einem schönen, kalten Wintertag liegt die Temperatur bei 3 Grad Celsius. Im Brunnital setzt schwacher Schneeregen ein. Nasser, schwerer Schnee liegt auf der Strasse. In den Felswänden unterhalb der Trogenalp türmen sich auf verschiedenen Höhenstufen meterhohe, bläulich schimmernde Eiszapfen. Stalaktiten, Stalagmiten, wie in einer Tropfsteinhöhle.

Nummer 1 ist bereit für die Bergfahrt

Nach 20 Minuten erreiche ich den Parkplatz der Seilbahn Brunnital–Sittlisalp. Stille, Ruhe – das Dorf scheint weit weg. In der Seilhütte brennt Licht. Die Kabine Nummer 1 ist bereit für die Bergfahrt. Der Seilwart öffnet die Türe, grüsst und kratzt mit der Schneeschaufel eine dünne Eisschicht vom Betonboden. Er lädt mich zu einem Kaffee im Technikraum ein, rechts das Steuerpult, darüber der Monitor der Videoüberwachung mit Sicht in die Bergstation mit der Kabine Nummer 2. Nach zwei Treppenstufen die warme Stube mit Tisch, Stabellen und Eckbank, eine Spüle, ein Wasserkocher, eine Doppelkochplatte und an der Wand ein Fernseher. Ein Langlaufrennen wird übertragen. Der Seilwart stellt den Ton leiser. Ob die Seilbahn fahre? Ja, zwei wären oben, haben nach ihrer Alphütte geschaut. Die kämen bald wieder.

Beim «Karihänseler» in der Seilhütte

Inzwischen dampft heisser Kaffee in den Tassen und der Seilwart nennt seinen Namen: «Josef Arnold oder ein ‹Karihänseler›, wie sie uns im Schächental nennen.» Sein Vater habe bereits hier geseilt, allerdings noch mit der alten Seilbahn. «37 Jahre lang war er Seilwart. Von 1957 bis 1998 war die Vorgängerin in Betrieb, eine offene, zweiplätzige Nieder-berger-Seilbahn, angetrieben durch einen VW-Motor», erzählt er. «Die Bahn funktionierte tadellos und sicher. Die Auswärtigen mussten sich jedoch für eine Fahrt überwinden. Oft schauten sie beim Masten unterhalb der Bergstation in die Tiefe und sagten, sie würden lieber zu Fuss ins Brunnital zurückkehren.»

An der Wand hängt ein Kreuz, darunter drei kleine Fotos von Verstorbenen, vom Initianten der neuen Seilbahn, Hans Arnold, vom Präsidenten der Seilbahngenossenschaft Alfons Arnold und dessen Sohn Peter Arnold. Auch er war Präsident der Seilbahngenossenschaft, wie sein Vater. Er verlor sein Leben bei einem Lawinenunglück im Brunnital.

Bereits als Kleinkind erstmals auf der Alp

«Aufgewachsen bin ich in der Schiesshausmatte in Bürglen. Mein Vater, Brosi Arnold, war Älpler und Bauarbeiter», erzählt Josef Arnold. Bereits als Kleinkind sei er das erste Mal auf der Alp gewesen. Er habe aber die ersten zwei, drei Sommer noch nicht viel genützt, meint Josef Arnold. Von Unterschächen bis zur Seilbahn gab es noch keine geteerte Strasse wie heute, sondern nur einen holprigen Fahrweg. Er konnte nur mit einem Jeep befahren werden. Ein Bekannter, er besass einen Landrover mit Anhänger, half der Familie Arnold jeweils beim Zügeln. Kurz vor der Seilhütte führte eine wackelige Holzbrücke über den Bach. Auf zwei lange Trämel waren quer einige Holzbretter gelegt. «Wir mussten vor der Brücke immer aussteigen, Vater hatte Angst, dass der Landrover zu schwer wäre», erinnert sich Josef Arnold.

«Als Bauarbeiter und Älpler besass mein Vater keine eigenen Tiere. Er nahm die Kühe von seinem Bruder und ein paar Lehnkühe ‹z’Alp›, total 14 Tiere. Die ganze Familie war ‹z’Alp›. Wir waren sieben Personen. Mutter besorgte den Haushalt und kochte, und wir Kinder mussten mithelfen. Als Ältester hatte ich am meisten Verantwortung. Wenn zum Beispiel Vater am Seilen war, habe ich mit meinem Cousin Josef gekäst.» Dass er keine Ferien hatte, bereut Josef Arnold nicht, im Gegenteil: «Die Zeit auf der Alp war eine Lebensschule. Wir arbeiteten den ganzen Tag: Kühe in die Planken treiben, Holz hacken, melken, käsen, zentrifugieren, alles von Hand. Es gab keine Motoren, keinen Strom, kein Telefon. Wir mussten uns mit den Werkzeugen behelfen, die wir auf der Alp zur Verfügung hatten. So lernten wir praktisch und überlegt zu arbeiten», betont er. «Die Alp war nicht nur Arbeit», erzählt Josef Arnold. «Wenn wir das erste Mal frischen ‹Ankä› hatten, haben wir in einer Woche 21 Kilogramm Brot gegessen. Im Laden des Restaurants Rose in Unterschächen fragten sie uns, ob wir auf der Sittlisalp eine Filiale aufgetan hätten.»

Schon mit zwölf Jahren als Seilwart tätig

Ein deutscher Tourist fotografierte Anfang der 1960er-Jahre in der Bergstation die alte Sittlisalp-Bahn; in der Kabine seine Frau und rechts sein Sohn. Links im Bild sind Seilwart Brosi Arnold und Sohn Josef Arnold, heute freiwilliger Maschinist, zu sehen. Bild: PD

Ein deutscher Tourist fotografierte Anfang der 1960er-Jahre in der Bergstation die alte Sittlisalp-Bahn; in der Kabine seine Frau und rechts sein Sohn. Links im Bild sind Seilwart Brosi Arnold und Sohn Josef Arnold, heute freiwilliger Maschinist, zu sehen. Bild: PD

Seilen lernte Josef Arnold von seinem Vater: «Bereits als Bub durfte ich die Seilbahn bedienen, Vater löste eine Spezialbewilligung beim Kanton. Ich war erst zwölf Jahre alt. Alles war mechanisch, auskuppeln, einkuppeln, Gas geben. Fuhr man zu schnell, stellte die Bahn automatisch ab. Einmal, es war an einem regnerischen Tag, sassen wir in der Hütte und jassten. Als das Seilbahntelefon läutete, musste ich das Spiel unterbrechen, rannte zur Seilbahnstation, startete die Bahn und seilte. Zu schnell. Plötzlich stellte die Bahn ab. Ich startete den Motor erneut – die Bahn fuhr weiter. Im Bähnchen sass der ‹Schwander Joder› selig, der Wildhüter mit seinem grossen, weissen Bart. ‹So bisch eppä am Jässlä gsi, begrüsste er mich. ‹Ich ha tänkt, äs pressiäri eppä-n-ä-chli›. Dass die Bahn für einen Moment still stand, machte ihm nichts aus. Die Bahn war sicher, passieren konnte nichts.»

Beim Brand von 1967 alles verloren

«Mein Vater spielte auf der Alp oft auf seiner Handorgel. Mit dem Denier Sepp, er spielte Klavier, und seinem Bruder Wisi an der Klarinette, trat er gelegentlich auf. Seine Eichhorn-Orgel war einzigartig, ein Sammler wollte sie kaufen, Vater gab sie nicht.» Die Familie Arnold wohnte in einem Holzhaus in der Schiesshausmatte in Bürglen. Heute steht dort die Sporthalle. In der Nacht vom 15. Januar 1967 stand das Haus in Flammen. Die Eltern weckten die Kinder, der Vater rannte mit dem kleinsten Kind ins Freie. Zurück konnte er nicht mehr, das Treppenhaus brannte bereits lichterloh. Darauf befahl er den Kindern, die Decken und Matratzen aus dem Fenster zu werfen und aus dem ersten Stock zu springen. Die Mutter brachte sich über eine Leiter in Sicherheit. Die Familie konnte sich retten, hatte aber nichts mehr. Alles war verbrannt, die Kleider, die Möbel, das Geld und die kostbare Handorgel.

«In Brügg konnte mein Vater ein Haus kaufen», erzählt Josef Arnold. «Ich habe ihm beim Finanzieren geholfen, mit meinem Lohn als Bauarbeiter. Darum konnte ich nach der Schule keine Lehre machen. 1979 kam ich zur Bahn und heiratete meine Frau Esther. Vier Kinder kamen zur Welt, drei Buben und ein Mädchen.» Jede freie Minute sowie die Winter- und Sommerferien verbrachte die Familie Arnold in der Hütte auf dem Vorderen Boden auf der Sittlisalp. Hier lernten die Kinder Skifahren, sie bauten Schanzen, konnten Herumrennen und ungestört spielen. Nach fünf Jahren Rangierdienst in Erstfeld und 22 Dienstjahren beim Depot wechselte Josef Arnold 2006 zum Rettungszug. Am 31. Oktober 2018 liess er sich pensionieren.

Eng mit dem Tal verbunden

Seit 26 Jahren wird die Seilbahn während der Alpzeit von Bernadette und Josef Arnold-Furrer bedient. Im Winterhalbjahr fährt die Bahn während rund 130 Tagen. Bei unsicheren Wetterverhältnissen, Wind, starkem Schneefall (Lawinengefahr) ist die Bahn ausser Betrieb. Bedient wird die Seilbahn von zwölf freiwilligen Maschinisten, die alle eng mit dem Tal verbunden sind. «Mit Festangestellten ginge das nicht», meint Josef Arnold. «Da könnte man im Herbst den Schlüssel drehen und die Bahn erst im Frühling wieder starten», sagt Arnold. Und Betriebsleiter Gustav Bissig hat im Jahresbericht 2017 festgehalten, dass die Maschinisten in der Vor- und Nachsaison 2016/2017 total 187 Maschinenstunden geleistet hätten. Neben dem Fahrdienst helfen die Freiwilligen auch beim Unterhalt der Sittlisalp-Seilbahn.

In den Bielen wird das Schild gedreht

Das Schild in den Bielen weist Gäste darauf hin, ob die Seilbahn in Betrieb ist oder nicht. (Bild: Christof Hirtler, Unterschächen, 22. Dezember 2018)

Das Schild in den Bielen weist Gäste darauf hin, ob die Seilbahn in Betrieb ist oder nicht. (Bild: Christof Hirtler, Unterschächen, 22. Dezember 2018)

Ich schaue aus dem Fenster. Verschneite Tannen, Schneeflocken. Das Seilbahntelefon läutet. Josef Arnold seilt die letzten zwei Fahrgäste. Wenig später ziehen sie heimwärts, die Kapuzen hochgeschlagen, die Schneeschuhe seitwärts am Rucksack verstaut. «So, jetzt gehen auch wir heim», sagt Josef Arnold. Er packt den Rucksack, nimmt sämtliche elektrische Geräte vom Strom, schliesst die Fensterläden und die Türe der Seilhütte. Gemeinsam gehen wir zurück nach Unterschächen. In der Nähe der Brücke vor dem Weiler Bielen befindet sich ein kleines Schild in Form einer Seilbahn. Josef Arnold zieht die grüne Schrifttafel «in Betrieb» aus dem Schild, dreht sie um und schiebt sie zurück. «Ausser Betrieb» steht auf der Rückseite. Wir verabschieden uns, er steigt ins Auto und fährt zurück nach Altdorf. Am Heiligen Abend liegt bei ihm jeweils ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum – ein kleines Dankeschön der Seilbahngenossenschaft für die freiwillige Arbeit als Maschinist.

Bis am 6. Januar 2019 fährt die Bahn täglich von 8 bis 12 sowie von 13 bis 16 Uhr alle 30 Minuten (Wetterprognosen beachten). Bis Mitte Mai fährt die Bahn danach nur an schönen und schneesicheren Wochenenden. Bei unsicheren Wetterverhältnissen (starker Wind und Lawinengefahr) ist sie ausser Betrieb. Auskunft erteilt Telefon 041 879 10 20.

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