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UNTERSCHÄCHEN: Naturschauspiel eingefangen: Wenn Hirsche die Triebe spüren

Tony Gnos arbeitet an seinem neusten Dokfilm «Die magische Kraft der Jahreszeiten». Im Brunnital hat er dafür Hirsche bei der Brunft beobachtet. Hier sein Bericht.
Tony Gnos Lötscher
Im Brunnital sind Platzhirsche mit ihren Rudeln und mächtige röhrende Hirsche zu beobachten. (Bilder: Toni Gnos (Unterschächen, 23. September 2017))

Im Brunnital sind Platzhirsche mit ihren Rudeln und mächtige röhrende Hirsche zu beobachten. (Bilder: Toni Gnos (Unterschächen, 23. September 2017))

Tony Gnos Lötscher

redaktion@urnerzeitung.ch

Mit Filmkamera, Fernglas und Fotoapparat ausgerüstet steige ich einen steilen und unwegsamen Bergweg hoch. Ein kalter und bissiger Talwind pfeift mir um die Ohren. Für den Monat September ist es schon bitterkalt. Doch bald werde ich meinen Beobachtungspunkt erreichen, um die Hirsche aus sicherer Distanz bei der Brunft beobachten zu können (siehe auch Kurzinterview unten). Die «Hochzeit» der Rothirsche steht bevor.

Der Monat September sorgt jeweils für bunte Naturschau­spiele. Während sich das Laub der Bäume langsam färbt, beginnt in den Wäldern das grosse Duell der Hirsche. Die Hirschbrunft ist eines der spektakulärsten Naturereignisse unserer Natur. Die urtümlichen Schreie durchdringen die Täler und markieren Präsenz. Bis zu fünfhundert Schreie kann ein brünftiger Hirsch pro Stunde ausstossen und damit seine Rivalen beeindrucken und die Weibchen erregen.

Platzhirsche markieren ihren Brunftplatz

Im Spätsommer kommt Bewegung in die Rudel der Stiere. Da der Hormonzyklus die älteren Tiere früher brünftig werden lässt, trennen sich diese als erste von ihrem Rudel, um sich auf die Suche nach Hirschkühen zu begeben. Die Paarungszeit dauert bei uns in der Regel von September bis Anfang Oktober. Ein starker Hirsch schart vier bis zehn Weibchen um sich und vertreibt alle anderen Männchen aus seinem Revier. Er markiert den Brunftplatz, indem er mit den Vorderhufen und dem Geweih Bodenvertiefungen schlägt. Zusätzlich werden in unmittelbarer Umgebung kleine Stämme und Büsche mit dem Geweih bearbeitet. Dabei werden die Voraugendrüsen zur Geruchsmarkierung des Brunftplatzes geleert. Hat ein Stier ein Rudel von Hirschkühen gefunden, muss er seine Position als Platzhirsch mit allen Mitteln verteidigen. Doch die Konkurrenz schläft nicht, denn auch andere Hirsche erheben Anspruch auf die Weibchen. Während der Brunft röhren die Männchen, um ihren Anspruch auf die Hirsch­kühe anzumelden. Die Brunft­rufe der Hirsche sind über viele hundert Meter zu hören. Andere männliche Hirsche werden durch das Imponiergehabe bedroht. Die Konkurrenten zeigen sich die Flanken und stolzieren laut röhrend umher. Erst wenn sich ein Herausforderer durch ein solches «Röhrduell» nicht beeindrucken lässt, kommt es zur Auseinandersetzung mit den Geweihen. Dabei kommt es manchmal zu heftigen Kämpfen, die gelegentlich zu starken Verletzungen führen. Die weiblichen Tiere sind nur wenige Tage paarungsbereit und werden in dieser Zeit mehrmals hintereinander begattet.

Keine einfache Zeit für Platzhirsche

Das Leben eines Platzhirsches ist nicht einfach. Er ist ständig damit beschäftigt, sein Rudel zu hüten und die Konkurrenten in Schach zu halten. Dies alles zehrt an den Kräften, denn auch zum Fressen (Äsen) bleibt kaum Zeit. So verlieren die Platzhirsche bis zu 20 Prozent ihres Gewichts und sind gezeichnet von den Anstrengungen im oft steilen Gelände. Nach dem Ende der Brunft ziehen die männlichen Rothirsche wieder in ihr angestammtes Gebiet zurück, um sich noch vor Einbruch des Winters wieder das verlorene Gewicht anzufressen.

Nach den Aufregungen des Herbstes geht es im Winter für die Könige des Waldes wieder etwas ruhiger zu und her. Sie bewegen sich nur noch wenig, um notwendige Energie zu sparen.

Mit der einsetzenden abendlichen Abkühlung trete ich schweren Herzens den Rückweg an, beeindruckt vom fantastischen Naturspektakel der Hirschbrunft. Dieses Schauspiel vergisst man nicht so leicht, und es wird einem noch lange in Erinnerung bleiben. Auf jeden Fall hat sich der nicht leichte Aufstieg für mich mehr als gelohnt.

Hinweis:Weitere Texte und Bilder von Tony Gnos unter www.lifepowernatur.ch

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