Unterschächen
Not macht den Musikverein erfinderisch

Der Musikverein Unterschächen führte eine «Hybrid-GV» durch. So konnte die drohende Absage des Anlasses verhindert werden.

Bruno Arnold
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Gemäss Statuten des Musikvereins Unterschächen (MVU) ist die Generalversammlung nur dann beschlussfähig, wenn mindestens zwei Drittel der Aktivmitglieder anwesend sind. Am späten Donnerstagabend, 6. Januar, war das Erfüllen dieser zahlenmässigen Vorgabe auch rein rechnerisch nicht mehr möglich – nicht zuletzt aufgrund der innert weniger Tage rasant gestiegenen Zahl der coronabedingten Absenzen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Statt die Zusammenkunft nur gerade knapp zwei Tage vor dem offiziellen Termin abzusagen, entschieden sich Vorstand und Musikkommission für ein Novum in der 68-jährigen Geschichte des Vereins. Die GV wurde erstmals als «Hybrid-Veranstaltung» organisiert, und zwar mit dem Ziel, allen Musikanten die Teilnahme zu ermöglichen – trotz 2G-Regel, Isolation oder Quarantäne.

Die Versammlungsteilnehmer im «Alpina»-Säli hatten Spass an der Unterhaltung mit den per Videokonferenz zugeschalteten Musikkollegen.

Die Versammlungsteilnehmer im «Alpina»-Säli hatten Spass an der Unterhaltung mit den per Videokonferenz zugeschalteten Musikkollegen.

Bild: Bruno Arnold (Unterschächen, 8. Januar 2022)

Das erfreuliche Ergebnis: Rund die Hälfte der Aktivmitglieder fand sich am 8. Januar physisch im «Jägerstübli» des Hotels Alpina in Unterschächen ein, und eine Handvoll Mitglieder stimmte online respektive via Videokonferenz von zu Hause aus ab. «Es hat alles geklappt, wir waren beschlussfähig, das Experiment hat sich gelohnt», freute sich Vereinspräsidentin Sara Gisler-Bissig nach der in der Rekordzeit von nur gerade 65 Minuten durchgeführten GV.

Abschied von einem unvergesslichen Mitglied

In ihrem Jahresbericht sprachen sowohl Sara Gisler-Bissig als auch Dirigentin Sandra Zumbühl-Auf der Maur von einem «schwierigen Vereinsjahr 2021». Dieses sei in den ersten sechs Monaten wegen der Coronapandemie von Planungsunsicherheit respektive vom Festlegen und Absagen von Terminen für Proben und Anlässe geprägt gewesen. Als «traurigsten und einschneidendsten Moment des Vereinsjahrs» bezeichnete Sara Gisler den unerwarteten Tod des Aktivmitglieds und langjährigen Vizedirigenten Felix Gisler. Während über 60 Jahren und bis zu seinem Hinschied hat «Huri Felix» das Vereinsleben des MVU in musikalischer und kollegialer Hinsicht wie kein Zweiter geprägt. «Felix, wir vergessen dich nie», betonte die Präsidentin. «Es wird immer wieder Situationen geben, in denen wir von dir sprechen und an dich denken werden.»

Im zweiten Halbjahr durfte dann endlich wieder gemeinsam geprobt und aufgetreten werden. Als Höhepunkte bezeichneten sowohl die administrative als auch die musikalische Leiterin das Jubilarenständchen vom 26. September, die Auftritte an Allerheiligen sowie die beiden sehr gut besuchten Jahreskonzerte vom 4. und 5. Dezember in Unterschächen respektive Spiringen. «In der kurzen Probenzeit von September bis Anfang Dezember waren eure Freude und Motivation deutlich zu spüren», erklärte die Dirigentin. «Besonders stark beeindruckt hat mich, dass sich das Zusammenspiel, der Gesamtklang und die Stimmung nach dem doch relativ langen Probenunterbruch innert kurzer Zeit sehr schnell ins Positive verändert haben.»

Aktuarin Heidi Späni-Arnold sorgte dafür, dass die Videokonferenz bestens funktionierte.

Aktuarin Heidi Späni-Arnold sorgte dafür, dass die Videokonferenz bestens funktionierte.

Bild: Bruno Arnold (Unterschächen, 8. Januar 2022)

Corona auch finanziell gut überstanden

Peter Arnold präsentierte in Abwesenheit von Kassierin Nicole Herger die Finanzzahlen. Im Rechnungsjahr 2020/21 erwirtschaftete der Verein – trotz des Ausfalls der beiden Jahreskonzerte – einen Mehrertrag von zirka 2000 Franken. Dazu beigetragen haben eine ausserordentliche Covid-19-Finanzhilfe sowie grosszügige Spenden der öffentlichen Hand und von Privatpersonen. Das Vereinsvermögen betrug Ende November 2021 rund 17'500 Franken. Weil die Ausgaben für Reparaturen fast 2300 Franken höher ausfielen als budgetiert, hat sich das Vermögen des Fonds für Instrumente und Uniformen auf rund 56'400 Franken reduziert. Im Jahr 2022 rechnet der MVU in der laufenden Rechnung mit einem Defizit von rund 300 Franken, im Fonds für Instrumente und Uniformen sollen sich Ende November 2022 rund 53'000 Franken befinden. Der Jahresbeitrag für die Aktivmitglieder beträgt weiterhin 60 Franken.

Sämtliche zur Wahl stehenden Chargeninhaber stellten sich für eine weitere zweijährige Amtsdauer zur Verfügung. Es sind dies: Vizepräsidentin Monika McAuliffe-Arnold, Kassierin Nicole Herger, Vizefähnrich Alois Mattli, Vizedirigent Ernst Arnold sowie die Musikkommissionsmitglieder Bruno Arnold, Ernst Arnold, Sandra Kempf und Sandra Zumbühl. Petra Luzzani gehört neu der Kontrollstelle an. Nach dem Austritt von Monika Arnold (Klarinette) und dem Eintritt von Aaron Ulrich (Perkussion) zählt der MVU weiterhin 25 Aktivmitglieder.

Dirigent ad interim
und temporäre Fusion

Die Dirigentin des Musikvereins Unterschächen, Sandra Zumbühl-Auf der Maur, legt von Anfang Januar bis Ende Juni 2022 eine Mutterschaftspause ein. Als musikalischer Leiter wird während dieser Zeit – wie bereits im Herbst 2017 – Aktivmitglied und Ehrendirigent Bruno Arnold aus Seedorf in die Bresche springen. Hauptziele des Vereins im ersten Halbjahr 2022 sind die beiden Jahreskonzerte vom 28. und 29. Mai 2022 in Unterschächen respektive Spiringen sowie die Teilnahme am Urner Blasmusikfestival vom 4. Juni in Altdorf. Für diese drei Anlässe wird der MVU eine temporäre Fusion mit dem Musikverein Bauen eingehen. Das befristet gebildete Korps wird 33 Mitglieder zählen und die anfallenden Proben und Auftritte im ersten Halbjahr 2022 gemeinsam bestreiten. Das Projekt startet mit der ersten Gesamtprobe am 25. Januar 2022. Im zweiten Halbjahr plant der MV Unterschächen als musikalischen Hauptanlass den traditionellen Egerländer Abend. Dieser wird am 3. Dezember stattfinden, und zwar wieder unter der Leitung von Sandra Zumbühl. (bar)

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