Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNTERSCHÄCHEN: Seine Bilder erzählen vom Bauernleben

Hans Müller ist ein Spätberufener. 2004 konnte er wegen einer Verletzung mehrere Monate nicht arbeiten und entdeckte das Zeichnen. Seit seiner Pensionierung widmet er sich ganz der Malerei.
Christof Hirtler
Der Unterschächner Bauernmaler Hans Müller präsentiert eines seiner Bilder. (Bild: Christof Hirtler (Unterschächen, Februar 2018))

Der Unterschächner Bauernmaler Hans Müller präsentiert eines seiner Bilder. (Bild: Christof Hirtler (Unterschächen, Februar 2018))

Christof Hirtler

redaktion@urnerzeitung.ch

Hans und Maria Müller besitzen den Bauernbetrieb Klostermatte in Unterschächen, 7 Hektaren gross, samt Pachtland. Im Winter arbeiteten beide in der Heimarbeitswerkstätte Unterschächen, Hans Müller über 40 Jahre. Eher zufällig kam er 2004 zur Malerei: Nach einem Unfall konnte Müller mehrere Monate nicht arbeiten. Als Zeitvertreib begann er mit dem Bleistift zu zeichnen. Später malte er erste grossformatige Bilder: Ansichten von Unterschächen, vom Urnerboden, vom Brunnital, gemalt mit Acrylfarben.

Die neusten Bilder erzählen von seiner Kindheit, vom Leben auf der Alp, von der bäuerlichen Arbeit. Doch wer ist Hans Müller? Ein Einblick in sein Leben soll Antwort geben. Am 11. Juni 1951 kam Hans Müller als viertes von elf Kindern im Obermattli, Unterschächen, zur Welt. Es sei eine «Schwergeburt» gewesen. Bei der Alpauffahrt auf den Urnerboden war Hans zehn Tage alt. Die kleineren Kinder fuhren mit der Mutter und sämtlichem Gepäck im Postauto, die grösseren trieben mit dem Vater die Kühe über den Pass. Bei der Stäfelfahrt wurde der kleine Hans im Rückenkorb nach Wannelen getragen.

«Wir wurden aus dem Fenster gereicht»

Im Januar 1954 kam die Lawine bis ins Dorf. Das Haus in der Klostermatte war im Schnee eingemacht. «Wir wurden aus dem Fenster gereicht und zu den Nachbarn getragen», erinnert sich Hans Müller. «Die Lawine hat den Stall verschoben, das Haus war beschädigt, aber noch bewohnbar.» Als Fünfjähriger durfte Hans mit seinem Vater einmal auf eine Baustelle und schaute zu, wie ein Stall aufgebaut wird. «Daheim wurde das Gesehene mit meinem Bruder umgesetzt», erinnert sich Hans Müller. «Auch wir bauten einen Stall. Mit dem Stemmeisen gruben wir eine Jauchegrube und legten in das Loch das Wasserschiff des Holzherds. Vaters Haarschneideapparat diente als Mähmaschine. Zu einem weiteren Hausbau kam es leider nicht. Als Vater von der Alp heimkam, ärgerte er sich, dass überall Werkzeuge herumlagen. Es gab sofort ‹Baustopp›.»

Als sein Vater 1960 das Haus in der Klostermatte umbaute, brauchte er Tannen, die er bei Äsch im Winter fällte. Für den Transport befestigte er einen grossen Baumstamm mit Seilen auf zwei Schlitten. «Ich war damals erst sechsjährig und durfte unseren Stier führen», so Müller. «Ich ging voraus, Vater lenkte die Schlitten. So männten wir das Holz Richtung Ribi-Säge. Als wir einmal auf der Höhe des Schilttals waren, donnerte eine Staublawine ins Tal. Wir kamen mit dem Schrecken davon. Der Mutter durfte ich davon nichts erzählen, sie hätte sich nur geängstigt.»

Mit zwölf Jahren Seilwart

Im Frühling 1963 ging Hans Müller mit seinem Vater, damals Alpvogt, mit sieben Kühen auf die Alp Wannelen. Er half beim Melken, beim Hagen und Unkrautmähen. Sogar die Seilbahn, eine Wasserbahn, durfte er bedienen. In der Bergstation wurde der Tank des talwärts sausenden Bähnchens mit 250 Litern Wasser befüllt. Es zog mit dem Eigengewicht das bergwärts fahrende Schiffchen hoch. So konnten Lasten bis 150 Kilogramm befördert werden, Personen wurden nach ihrem Gewicht befragt. Das Seilen erforderte sehr viel Geschick, vor allem beim Bremsen. Betätigte man den Bremshebel zu früh, mussten die Wanneler Älplerinnen und Älpler bei der Bergstation die Seilbahn von Hand hochziehen. Deshalb liess man das Bähnchen sausen. Dessen Pfeifen war weitherum zu hören. Mit zwei Minuten Fahrzeit, heute braucht die Bahn dazu acht Minuten, galt das Wannelen-Bähnli als schnellste Seilbahn im Kanton Uri.

17 Kühe, zwei Kälber und einige Schweine

Im Sommer 1963 und 1964 war Hans Müller «Knechtli» beim «Müheimä Kari» auf dem Urnerboden und auf der Oberalp. «Wir versorgten 17 Kühe, zwei Kälber und einige Schweine. Gemolken wurde von Hand. Es war eine schöne und unvergessliche Zeit mit dem bald 70-jährigen Meister», sagt Hans Müller. Seine Lieblingskuh war das «Blüemli». Als einmal ein heftiges Gewitter losbrach, gelang es Hans, sämtliche Kühe rechtzeitig zum Stall zu locken. Nur eine blieb zurück, das «Blüemli», und rettete ihm damit das Leben. Sekunden später schlug ein Blitz in den Weg.

1975 den Heimbetrieb übernommen

Bereits in der Schule bewies Hans sein zeichnerisches Talent. Die Schulschwester meinte, Hans würde ein guter Bauzeichner. Eine Berufslehre kam für seinen Vater überhaupt nicht in Frage: «Hans wird Bauer, er kann gut melken und versteht sich mit den Tieren.» Nach der Schule, der Arbeit auf verschiedenen Baustellen und zwei Winterkursen an der Bauernschule in Seedorf führte der 19-Jährige 1970 als Pächter den Bauernhof seiner Eltern. Sein lungenkranker Vater ertrug die Stallluft nicht mehr. 1975 übernahm Hans den Heimbetrieb.

1980 heiratete Hans Müller Maria Arnold, vier Kinder kamen zur Welt. Die Familie wohnte im Obermattli, in der Ribi – im Winter monatelang ohne Sonnenschein. 1988 bauten Hans und Maria Müller ein Zweifamilien-Haus, an einem sonnigen Platz, in der Klostermatte. Dort wurde das fünfte Kind geboren. Die Kinder halfen mit im Stall, beim Heuen und auf der Alp. Die Kühe waren im Sommer bei seinem Bruder Franz auf Urnerboden und auf Wannelen «z Alp».

Morgens und abends ins Brunnital

Später sömmerten Hans und Maria Müller ihre Kühe auf der Heimkuhweide im Brunnital. Zum Melken entwickelte Hans eine besondere Vorrichtung. Auf seinem Mähtrak befestigte er eine hölzerne Kiste, dort hatten der Generator, die Melkmaschine, sämtliche Melkutensilien, die Milchkannen und eine Kanne heisses Wasser Platz. Maria setzte sich neben Hans auf den Traktor, und so fuhren sie morgens und abends ins Brunnital zum Melken. Maria holte die Kühe, band sie links und rechts am Traktor fest, Hans setzte sich zwischen beide Tiere und besorgte das Melken. Die Kühe liebten das Surren des Generators, schlossen die Augen und schienen zu meditieren. Am Schluss wurde die Melkmaschine mit heissem Wasser gereinigt, die Kiste mit den vollen Kannen beladen, und Hans fuhr mit Maria wieder heim. Und den Stall ausmisten mussten sie auch nicht.

In seinem kleinen Atelier im Dachstock des Hauses liegen Dutzende von Farbtuben, Bilder stapeln sich entlang der Wände. Kleinere Formate lagert Hans Müller in Schränken und Kommoden.

Als Malgrund dienen ihm Sperrholzplatten. Seit über zehn Jahren malt Hans Müller ausschliesslich mit Acrylfarben: «Gegenüber den Ölfarben haben Acrylfarben viele Vorteile. Sie werden anstatt mit dem giftigen Terpentin mit Wasser verdünnt, trocknen schnell und sind geruchsneutral. Zudem eignen sich Acrylfarben hervorragend zur Wiedergabe von Strukturen: Durch den erhöhten Farbauftrag wirken die Bilder niemals flach. Besonders plastisch werden Felsen oder Tannen.»

Das Leben vor Ort steht im Zentrum

Bei Hans Müller dreht sich alles um Unterschächen. Hier kennt er jeden «Heublätz», jedes Tälchen, jeden Berg und jedes Heimet. Er malt nicht nach Vorlagen oder Fotos, sondern aus dem Gedächtnis: «Meist fange ich mit dem Himmel an, male danach die Berge, dann die Menschen im Vordergrund.» Seine Bilder erzählen vom Bauernleben, von der Arbeit auf der Alp, von der Liebe, von der Familie. Zu jedem Bild weiss Hans Müller viel zu erzählen.

Als Kenner der Dorfgeschichte beschäftigen Hans Müller auch schwere Schicksalsschläge, wie die Lawinenwinter 1967 und 1968. Menschen kamen ums Leben, Häuser wie das Holzerbärg­li, das Unterbächi oder das Zgraggenhaus in Gurtnellen wurden zerstört. Auf seinen Bildern erwachen sie zu neuem Leben. Hans Müller rekonstruiert mit Pinsel und Farbe ein Stück Geschichte, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Hinweis

«Der Bauernmaler Hans Müller»: Ausstellung im Alters- und Pflegeheim Spannort in Erstfeld, 24. März bis 30. Juni; Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 13.30 bis 18. Uhr, sowie Sonn- und Feiertage, 10 bis 18 Uhr.

Hans Müllers Bilder erzählen vom Bauernleben, von der Arbeit auf der Alp, von der Liebe und von der Familie. (Bild: Christof Hirtler (Unterschächen, Februar 2018))

Hans Müllers Bilder erzählen vom Bauernleben, von der Arbeit auf der Alp, von der Liebe und von der Familie. (Bild: Christof Hirtler (Unterschächen, Februar 2018))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.