URI: 10. Schuljahr: Regierung setzt auf eine strikte Politik

Wer das 10. Schuljahr in Uri absolvieren will, muss klare Kriterien erfüllen. Sonst würden Berufsentscheide nur verzögert, so die Regierung.

Sven Aregger
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Der Besuch der Berufsvorbereitungsschule muss laut der Regierung sinnvoll sein. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Der Besuch der Berufsvorbereitungsschule muss laut der Regierung sinnvoll sein. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Uri hat schweizweit eine der höchsten direkten Übertrittsquoten von der Volksschule in die Sekundarstufe II, also in die Berufsbildung. Und geht es nach der Regierung, soll das auch so bleiben. «Die strikte Politik des Kantons hat sich bewährt», schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation des Schattdorfer SP-Landrats Herbert Enz. «Ziel muss sein, dass ein möglichst hoher Prozentsatz der Schüler den direkten Einstieg in die Berufsbildung oder in weiterführende Schulen schafft, ohne dass ein 10. Schuljahr absolviert werden muss.» Die Aufnahme ins 10. Schuljahr erfolgt nach klaren Kriterien. Der Besuch der sogenannten Berufsvorbereitungsschule müsse sinnvoll oder notwendig sein, so die Regierung. Die Bewerber müssten sich unter anderem lernbereit zeigen, sich aktiv mit der Berufswahl befasst haben, ein realistisches Berufsziel verfolgen und einen Praktikumsplatz nachweisen können. Weitere Voraussetzungen sind ein Gespräch, eingereichte Unterlagen wie etwa Zeugnisse und ein Bericht der abgebenden Schule. «Bei gelockerten Kriterien würden viele Schüler den Berufsentscheid ein Jahr hinausschieben und vorerst ein 10. Schuljahr besuchen, um dann vielfach ein Jahr später vor dem gleichen Problem zu stehen», glaubt die Regierung.

Zwei Angebote

Doch der direkte Einstieg in die Berufsbildung ist aus mehreren Gründen nicht immer möglich. Die Berufsvorbereitungsschule schafft da Abhilfe. Sie richtet sich an Jugendliche, die den Berufsanforderungen in schulischer, sozialer oder persönlicher Hinsicht noch nicht entsprechen. In Uri gibt es dafür zwei Angebote. Einerseits ein schulisches Angebot mit wöchentlich vier Schultagen und einem Tag Praktikum für leistungsstarke und motivierte Schüler. Anderseits ein kombiniertes Angebot mit einem bis zwei Schultagen und drei bis vier Tagen Praktikum, das leistungsschwachen und weniger motivierten Schülern entspricht. Zudem ermöglicht Uri fremdsprachigen Jugendlichen ein spezialisiertes Angebot in Stans oder Zug. Schüler mit grossen Problemen werden mit einem Case Management speziell unterstützt.

Motivation als Absagegrund

Der Kanton weist beim 10. Schuljahr immer wieder Schüler ab. «Alle Absagen erfolgten aufgrund objektiver Gründe, zumeist infolge fehlender Motivation des Bewerbers», hält die Regierung fest. «Es wurden keine Absagen erteilt, weil zu wenig Plätze vorhanden waren.» In Zahlen drückt sich das so aus: In den vergangenen zwei Jahren sind beim schulischen Angebot elf Schüler abgewiesen worden. Neun davon haben eine Lehrstelle oder einen Praktikumsplatz gefunden. Von den 21 abgewiesenen Bewerbern des kombinierten Angebots erhielten fünf eine Lehrstelle und drei einen Praktikumsplatz. Eine Person besuchte auswärts eine Schule, eine zog weg und eine wurde dem Case Management zugewiesen. Die Regierung rät Abgewiesenen, die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung zu kontaktieren, um mit ihr zusammen Lösungen zu suchen.