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URI: 100 Jahre alte SAC-Hütte wird für 3,9 Millionen Franken saniert

Die Zürcher SAC-Sektion Uto investiert kräftig in die Sanierung der Albert-Heim-Hütte ob Realp. Doch trotz Anbau reduziert die Sektion die Anzahl Schlafplätze. Neues wagen die Zürcher auch bei den Toilettenanlagen.
Die Albert-Heim-Hütte erhält im kommenden Sommer einen neuen Anbau (rechts). (Bild: Visualisierung Dome Visual GmbH)

Die Albert-Heim-Hütte erhält im kommenden Sommer einen neuen Anbau (rechts). (Bild: Visualisierung Dome Visual GmbH)

Wie ein Adlerhorst thront die Albert-Heim-Hütte auf den Felsen des Lochbergs ob Realp. Wegen ihres speziellen Standorts ist die SAC-Hütte ein beliebtes Foto­sujet. Sie gehört zudem zu den meistbesuchten Hütten im ganzen Kanton: Skitourenfahrer, Kletterer und Wanderer nutzen sie gleichermassen als Ausgangspunkt für ihre Touren. So verzeichnet der Hüttenwart im Schnitt rund 3000 Übernachtungen pro Jahr. Aber auch Tagesgäste kommen immer öfters auf einen Kaffee vorbei. Denn die Hütte ist zu Fuss von der Furka-Passstrasse schnell erreichbar.

Trotzdem: Nach der aktuellen Wintersaison wird die Hütte Ende April schliessen. Und die Besitzerin, die Zürcher SAC-Sektion Uto, wird sie im kommenden Sommer auch nicht öffnen. Denn ab Anfang Mai wird die Hütte, die heuer 100 Jahre alt wird, umfassend saniert und erweitert. Die Wiedereröffnung ist spätestens für den Sommer 2019 geplant.

Würmer sollen Fäkalien kompostieren

Der Anbau von 1970 wird komplett abgerissen. Stattdessen ist geplant, einen grösseren Erweiterungsbau zu erstellen. Der Anbau soll ähnlich aussehen wie der alte Teil der Hütte. Gleichzeitig soll auch das Dach angehoben werden. «Die Hütte wird nach dem Umbau mehr Volumen haben», sagt Martin Schuster von der zuständigen Baukommission der SAC-Sektion Uto.

Dennoch reduziert die SAC-Sektion die Anzahl Schlafplätze von 80 auf 60 Betten. Denn die Hütte sei heute nur an wenigen Wochenenden im Jahr komplett ausgebucht. Dazu kommt: «Wir haben heute die absurde Situation, dass wir mehr Betten als Sitzplätze haben», sagt Schuster. «Wenn wir ausgebucht sind, können nicht alle Leute zur gleichen Zeit essen.» Stattdessen sollen die Betten breiter werden und die Zimmer nur noch zwischen vier und zwölf Schlafplätze aufweisen. Auch soll der Arbeitsbereich für den Hüttenwart grösser werden – insbesondere die Küche.

Die Gründe für den Umbau der Albert-Heim-Hütte ob Realp sind vielseitig. «Gerade die sanitären Anlagen sind nicht mehr zeitgemäss», sagt Schuster. Sowohl das Winterklo (ohne Wasser) als auch das Sommer-WC (mit Wasser) seien nicht an einer Kanalisation angeschlossen. Die Fäkalien gelangen einfach in die freie Natur. «Das geht heute einfach nicht mehr», so Schuster.

Die SAC-Sektion Uto geht nun neue Wege: Sie plant ganz spezielle Trockentoiletten. Die Fäkalien gelangen nach Abtrennung des Urins in einen Raum, in dem Würmer helfen werden, die Fäkalien zu kompostieren. «Dieses System wurde erst in einigen wenigen Hütten eingebaut», weiss Schuster. «Das Ganze ist für uns ein bisschen ein Experiment. Das Ziel soll aber sein, dass wir die kompostierte Masse schliesslich in der Natur entsorgen können.»

Baustelle wird wegen Helikopterflügen teuer

Ein weiteres Problem der Hütte ist der Schlafsaal im Untergeschoss. «Der Raum ist feucht, und inzwischen hat sich Schimmel angesetzt», so Schuster. Geplant sind auch eine neue Wasserzuleitung, eine Dusche, eine Heizung, bessere Wärmedämmung und eine Fotovoltaikanlage.

Der Umbau kostet rund 3,9 Millionen Franken. 35 Prozent wird der Hüttenfonds des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) übernehmen, den Rest deckt die SAC-Sektion Uto – zum Teil mit Spenden- und Gönnerbeiträgen.

«Es wird eine aufwendige Baustelle geben», sagt Schuster. Man werde nicht darum herumkommen, viel Material mit dem Helikopter zu transportieren. «Wir hatten geprüft, eine Baustellenseilbahn zu errichten», so Schuster. «Das wäre aber zu teuer.»

Im Kanton Uri werden aktuell gleich mehrere der rund 20 SAC-Hütten umgebaut und saniert. So bleibt im nächsten Sommer auch die Hüfihütte im Maderanertal geschlossen. Die SAC-Sektion Pilatus investiert rund 1,3 Millionen Franken. Die Sanierung und Erweiterung der zweiten Hütte des SAC Uto in Uri, der Spannorthütte im Surenen­gebiet, soll im Sommer abgeschlossen werden (unsere Zeitung hat über die beiden Projekte berichtet). Zudem wurde im vergangenen Jahr die Vermigelhütte hinter Andermatt erweitert, 2014 die Kröntenhütte im Erstfeldertal und 2012 die Treschhütte im Fellital ob Gurtnellen.

Strengere Auflagen durch Kantone und Bund

«Hütten müssen aufgrund ihrer ausgesetzten Lage regelmässiger unterhalten werden als Häuser im Tal», begründet Petra Waldburger, Fachmitarbeiterin Hüttenbau beim SAC, die rege Bautätigkeit. Zudem hätten viele der 152 SAC-Hütten in der Schweiz in den vergangenen Jahren gerade bei den sanitären Anlagen nachrüsten müssen. Es gehe heute nicht mehr, dass Abwasser einfach hinter den Hütten versickere. «Die Auflagen der Kantone und des Bundes sind im Bereich Umweltschutz strenger geworden – zu Recht», so Waldburger. «Zudem stellen wir als SAC hohe Anforderungen an die Hütten, etwa mit einer eigenen Abwasserstrategie.»

Der SAC stellt jedoch gerade auch bei Bergwanderhütten, die nicht im hochalpinen Gebiet stehen, eine Tendenz fest: weg vom Massenschlag zu Zimmern mit sechs bis acht Betten. «Die Bedürfnisse der Wanderer verändern sich», sagt Waldenburger. «Dennoch schätzen viele Personen in den Bergen noch immer die Einfachheit der Hütten.»

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

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