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URI 18: «Der Kanton Uri braucht Partner und Jugend»

Pius Knüsel ist ein Chamer, der in Zürich wohnt und zeitweise auf den Eggbergen lebt. Im Interview erzählt er, wie er die hiesige Bevölkerung erlebt und wie der Kanton attraktiv bleiben kann.
Erich Herger
Pius Knüsel, Kulturvermittler und Botschafter in Uri. (Bild: Erich Herger)

Pius Knüsel, Kulturvermittler und Botschafter in Uri. (Bild: Erich Herger)

Pius Knüsel, was hörten Sie in Ihrer Schulzeit über Uri?

Der Kanton Uri war der Besitzer von Wilhelm Tell und der Hüter der Schweizer Geschichte. Man sprach zwar auch von Schwyz und Unterwalden, aber alles Wichtige geschah in Uri, auf dem Rütli und in Altdorf. Uri war reduziert auf die Geschichte und im Besonderen auf die Eisenbahn, das Kirchlein in Wassen. Und für mich ist Uri bis heute das Land der Heidelbeeren. Über Generationen sammelte die Familie Knüsel auf dem Arni und in der Göscheneralp Heidelbeeren. Ab sechs Jahren durfte ich den Vater begleiten, ab sieben musste ich mithelfen. Momentan fehlt mir die Zeit dazu.

Kulturredaktor beim Schweizer Fernsehen, Programmleiter des Zürcher Jazzclubs Moods, Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, heute Direktor der Volksschule Zürich, Dozent, Publizist und Kulturvermittler und – der neue Gesamtleiter des Musikfestivals Alpentöne. Wie nehmen Sie heute den Kanton Uri wahr?

Emotional ist Uri für mich immer noch ein Schweizer Réduit. Oben der Gotthard, unten der See, Berge links und rechts. Uri ist topografisch abgeschnitten. Aber in Uri hinten, aus Zürcher Optik gesagt, existiert eine homogene Gesellschaft. Umso mehr fallen mir, wenn ich in Uri unterwegs bin, die paar Flüchtlinge auf. Uri ist ein Winkel, der einem gar nicht ins Bewusstsein kommt in der Überlegung, wie man sich im Leben geografisch organisiert. Uri hat aber als topografische Nische einen sehr grossen Reiz. Die sachliche Geschichte ist, dass Uri einem grossen Wandel unterliegt – weg vom Ghetto der Staatsangestellten: Bahn, Militär, Rüstung, Post, alles dahin. Uri muss sich neu erfinden durch einen Sprung in die Moderne: Dienstleistung, Service, IT. Ich weiss nicht, wie erfolgreich Uri sein kann. Ich hoffe sehr, dass der Tunnel eine Brücke zum Süden schafft.

Sie haben seit einiger Zeit auch ein Stück Lebensraum Uri erworben. Wie kam es dazu?

Das hat mit den «Alpentönen» zu tun. An einem schönen Sommertag hatten meine Partnerin und ich zwischen den Tönen das Bedürfnis, in die Höhe zu gelangen. Ich erinnerte mich an den Kindheitstraum; die steile Bahn von Flüelen hoch in die Felsen. Also wanderten wir auf den Rophaien. Gut eine Woche später haben wir auf den Eggbergen ein Haus gekauft. Seither verbringen wir fast jedes zweite Wochenende, die Sommer- und die Weihnachtsferien an diesem besonderen Ort.

Wie erleben Sie die Urnerinnen und Urner?

Man darf das in Zeiten von «Me Too» fast nicht mehr sagen. Dennoch: Es gibt die Urnerinnen, die von einem feinen, starken, südländischen Schlag sind. Die Verbindung zwischen Norden und Süden, diese Nähe zum Süden, in der Kultur, in den Lebensgewohnheiten spüre ich hier überhaupt immer wieder. Die Männer in Uri erlebe ich als ernsthaft und wortkarg. Es ist, wie es ist. Wenn man dann die Oberfläche durchbrochen hat, sind alle ungewöhnlich hilfsbereit. Das ist so verblüffend. Es ist auch viel Gemeinschaftssinn anzutreffen. Man muss hier nur halb so viel reden wie anderswo und wird doch verstanden. Und es wird gemacht.

Vom 6. bis 9. September findet in Altdorf die Erlebnis- und Wirtschaftsmesse Uri 18 statt. Aufbruch, den Stier zum Fliegen bringen. Erleben Sie Uri auch im Aufbruch?

Der Stier ist ein schweres Tier. Was es braucht zum Abfliegen? Uri benötigt im Norden wie im Süden eine Partnerstadt, um als Region und Kanton eine stärkere Wirkung erzielen zu können. Eine Region wie Bellinzona wäre ein Partner. Es gibt ja auch den politischen Brückenschlag zwischen Uri und der Stadt Zürich. Uri braucht die Jungen. Das heisst: Uri muss viel unternehmen, dass die jungen Menschen bleiben. Das hat mit Bildungs- und Kulturangeboten und allem zu tun, was das Leben reich macht. Bezüglich Wirtschaft und Arbeit braucht es eine Start-up-Kultur, innovative Geschäftsideen und -modelle.

Wie sehen Sie den Wirtschaftsstandort Uri?

Das Paradoxon von Uri ist die periphere Lage im Herzen der Schweiz. Eine präzise Aussage über den Wirtschaftsstandort Uri kann ich nicht machen. Ich erkenne, dass die Dätwyler AG aus einem Kleinbetrieb im Berggebiet ein globaler Industriezulieferer geworden ist, dass die Kässbohrer AG den Schweizer Hauptsitz in Uri errichtet, dass die KMU sehr solide wirtschaften. Zeichen, dass sich Qualität und Seriosität im globalisierten Markt auszeichnen.

Interview: Erich Herger

redaktion@urnerzeitung.ch

Hinweis

Das «Urner Wochenblatt» und die «Urner Zeitung» publizieren im Vorfeld der «Uri 18» unter der Rubrik «Noch x Tage bis zur Uri 18» mehrere gemeinsame Beiträge zur Urner Wirtschafts- und Erlebnismesse im September 2018.

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