URI: Alpinmedic will im Oberland retten

Die Urner Firma Alpinmedic zeigt, wie im Oberland ein Rettungsdienst betrieben werden kann. Vorlage ist ein Konzept, das in Arosa funktioniert.

Anian Heierli
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Seit fast zwei Jahren leistet die Altdorfer Alpin-medic auch Rettungseinsätze im Kanton Graubünden. (Bild: PD)

Seit fast zwei Jahren leistet die Altdorfer Alpin-medic auch Rettungseinsätze im Kanton Graubünden. (Bild: PD)

Anian Heierli

Das Not- und Militärspital im Urner Oberland steht ab 2016 nicht mehr zur Verfügung. Trotzdem muss der Rettungsdienst im Oberland und in den Seitentälern auch künftig gesichert werden. Jetzt bietet das Altdorfer Privatunternehmen Alpinmedic, das für den Rettungsdienst im Neat-Tunnel zuständig ist, seine Hilfe an. «Wir sind bereit, den Rettungsdienst im Urner Oberland zu erfüllen», sagt Beat Mühlethaler, Leiter von Alpinmedic. Interesse an der Aufgabe habe man bereits 2012 signalisiert. Seither haben zwischen Alpinmedic, dem Kanton und dem Kantonsspital Gespräche stattgefunden, und es wurden erste Modelle von Alpinmedic vorgestellt. Noch ist aber nichts entschieden.

Bestehende Infrastruktur nutzen

Bei Alpinmedic stehen derzeit zwei Konzepte zur Debatte, wobei das erste klar den Standort Göschenen vorsieht. «Dabei ist denkbar, dass wir in Göschenen idealerweise bestehende Infrastrukturen der Schadenwehr Gotthard nutzen», so Mühlethaler. «Den Ambulanzstützpunkt in Göschenen möchten wir dann gemeinsam in einer Partnerschaft mit dem Kantonsspital Uri nutzen.» Wo in Göschenen der Stützpunkt gebaut werden soll, ist noch nicht eruiert.

Die zweite Variante: Alpinmedic betreibt den Ambulanzstützpunkt im Oberland alleine, ohne Hilfe des Kantonsspitals Uri. «In diesem Fall müssten wir prüfen, wo der Stützpunkt idealerweise hinkommt», sagt Mühlethaler. «Alpinmedic setzt aber primär auf eine Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Uri.» Ein ähnlicher Weg funktioniere auch in Graubünden.

Seit fast zwei Jahren betreibt Alpinmedic in Arosa GR einen Zweitstandort neben Altdorf. Die Alpinmedic Arosa erfüllt einen klaren Leistungsauftrag des Kantonsspitals Graubünden. Dieser Auftrag regelt Zuständigkeit, Aufgaben, Rechte und Pflichten zum Betreiben des Ambulanzstützpunktes.

Synergien mit Altdorf nutzen

Konkret funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Chur folgendermassen: Zwar hält sich Alpinmedic an die Vereinbarung, betreibt den Ambulanzstützpunkt aber ohne das Kantonsspital und wirtschaftet in Eigenregie. «Dieses System hat aus meiner Sicht auch in Uri Zukunft», sagt Mühlethaler. «Hier gibt es aber noch den Vorteil, dass wir Synergien mit unserem Standort Altdorf nutzen könnten.» Die Rettungssanitäter wären an zwei Standorten einsetzbar, wodurch ihre Arbeitsstelle wegen der Abwechslung attraktiver würde. Zudem könnte dadurch auch Personal gespart werden. «In Göschenen bräuchten wir, um ein Team mit Ambulanzwagen zu stellen, sechs bis acht weitere Personen», so Mühlethaler. In Altdorf und in Arosa beschäftigt die Alpinmedic heute je 15 Mitarbeiter.

750 Einsätze allein in Graubünden

Bisher hat diese Zusammenarbeit zwischen Alpinmedic Arosa und dem Kantonsspital Graubünden zum Erfolg geführt: Seit dem Start im Mai 2013 hat die Alpinmedic Arosa 750 Einsätze unfallfrei geleistet. Darunter fallen die Rettung und der Krankentransport von Einheimischen und Touristen. Hinzu kommen noch Zusatzdienste wie beispielsweise die Betreuung des Humorfestivals. «Die Qualität unserer Arbeit ist so gut wie die eines spitaleigenen Rettungsteams. Unsere Mitarbeiter sind ausgebildete Rettungssanitäter», betont Mühlethaler. Der Geschäftsführer von Alpinmedic sieht bei seinem Unternehmen sogar Vorteile: «Wir sind eine Privatfirma. Deshalb sind wir schlank und flexibel aufgestellt, was rasche Entscheide ermöglicht.» Gleichzeitig müsse er kostenbewusst wirtschaften und könne nicht unnötig Geld verbrauchen.

Damit im Urner Oberland ein neuer Rettungsdienst entstehen kann, muss aber vorerst die Politik grünes Licht geben. Im vergangenen Dezember hat aber der Landrat einen Kredit von 480 000 Franken für den Rettungsdienst im Oberland mit 30 Ja zu 25 Nein gestrichen. Die Begründung: Der Kanton könne zu wenig aufzeigen, wozu das Geld gebraucht werde. Gestern war die Urner Gesundheitsdirektion nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.