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URI: Asylbewerber und Einheimische bauen Treffpunkt

In Altdorf entsteht ein Begegnungsort der besonderen Art. Freiwillige Helfer verschiedener Ethnien arbeiten Hand in Hand mit Einheimischen. Die Initiantin erklärt, warum ein solches Zentrum einem grossen Bedürfnis entspricht.
Remo Infanger
Meron Solomon, Lidya Berhe, Feruz Fiseha und Saba Gebregziabher aus Eritrea bauen mit Diana Arnold und Rachel Holenweg das Eckstück der Einbauküche zusammen. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 3. Februar 2017))

Meron Solomon, Lidya Berhe, Feruz Fiseha und Saba Gebregziabher aus Eritrea bauen mit Diana Arnold und Rachel Holenweg das Eckstück der Einbauküche zusammen. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 3. Februar 2017))

Gekonnt und präzise bringt Meron Solomon den Gips an die Wand. Mit viel Geschick lässt er den Spachtel über die Zimmerwand eines alten Bauernhauses gleiten. Sadegh Ghasemi hilft ihm dabei. Sofort reicht er Meron den Eimer mit dem Putz, als er bemerkt, dass ihm der Belag auf dem Spachtel ausgeht. Ein offensichtlich eingespieltes Team. Was man aber nicht gleich erkennt, ist die Tatsache, dass beide eine komplett andere Muttersprache sprechen. Meron stammt aus Eritrea und spricht Tigrinisch. Sadegh aus Afghanistan, wo Persisch gesprochen wird.

So unterschiedlich die Sprachen und Kulturen von Meron und Sadegh sind – beide sind aus demselben Grund im alten Bauernhaus an der Hagenstrasse 26 in Altdorf: Zusammen mit Einheimischen und weiteren Asylsuchenden wollen sie das alte Bauern­heim renovieren und es zu einem Begegnungsort zwischen Migranten und Urnern machen. «Durch die gemeinsame Arbeit entstehen Beziehungen zueinander, zur Sache und zum Ort», erklärt Rachel Holenweg. In Form ihrer Masterarbeit in Master of Arts in Fine Arts an der Hochschule Luzern hat sie das Projekt «Treffpunkt 26» initiiert. Die 53-jährige Werk- und Zeichnungslehrerin aus Zürich erklärt, dass es sich dabei um ein Vermittlungsprojekt handle, bei dem sich alle aktiv beteiligen können: «Die Zusammenarbeit zwischen Asylsuchenden und Menschen aus der Umgebung an einer gemeinsamen Sache verbindet», sagt ­Holenweg. In der Tat: Elf Asyl­suchende aus Eritrea, Irak und ­Afghanistan und sieben einheimische Helfer sind gemeinsam am Handwerken. Es werden Wände verputzt, Fensterrahmen frisch bemalt oder Elemente einer Küche zusammengebaut.

Feruz Fiseha, Lidya Berhe und Saba Gebregziabher, drei Frauen aus Eritrea, sind gerade dabei, das Eckstück der Ikea-­Küche zusammenzuschrauben. Diana Arnold aus Schattdorf greift ihnen unter die Arme. Dabei wird in etwa gleich viel gelacht wie gearbeitet. «Auch wenn wir nicht dieselbe Muttersprache haben, verstehen wir uns bestens», sagt die freiwillige Helferin. «Es fällt sofort auf, dass ­diese Menschen sich unbedingt integrieren wollen.»

Ein Freizeitort mit Küche und Aufenthaltsräumen

Feruz Fiseha ist 23 Jahre alt und im SRK-Asylzentrum in Altdorf untergebracht. «Ich freue mich jedes Mal, wieder hierherzukommen», sagt Feruz in gebrochenem Deutsch. Es gebe ihr einen Rhythmus in den Alltag und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu machen. Gestartet hat der Umbau im vergangenen November. Das alte und unbewohnte Bauernhaus wurde vom Roten Kreuz Uri gemietet. «Die Bauphasen finden jeweils freitags und samstags statt», sagt Holenweg. Am Mittag werde vor Ort gemeinsam gegessen, es wird Kaffee und Tee getrunken, und man tauscht sich aus. «Heute hat für uns die Freundin von Diana, welche Köchin ist, gekocht», erklärt Holenweg. «Sobald aber die Küche dann mal steht, wollen wir selber unsere Menüs zubereiten.»

Projekt soll Eigendynamik entwickeln

Finanziert durch Spendengelder, sollen verschiedene Räumlichkeiten entstehen, die zum Zeitvertreib einladen. «Ein Ort der Freizeit und der Begegnung für Junge und Erwachsene», soll es werden, sagt Rachel Holenweg. Zwei Stockwerke hat das Bauernhaus. Das biete viel Platz, um sich kreativ auszutoben. «Es ist ein prozesshafter Aufbau, in dem wir selbst miteinander bestimmen, wie es weitergeht.» Genau das sei auch die Hauptabsicht vom entstehenden Gemeinschaftszentrum. «Jede und jeder, der mitmacht, bringt sich mit seinen Stärken und Ideen in die Arbeit ein.»

«Die Hemmschwelle, auf Asylsuchende zuzugehen, ist gross», sagt Holenweg. Ob es an der Hautfarbe, der Sprache oder den Vorurteilen liege, sei dabei nicht von zentraler Bedeutung. Rachel Holenweg ist aber überzeugt, dass der Kontakt mit der Bevölkerung für Asylsuchende existenziell ist. Ein Begegnungsort ausserhalb vom Asylzentrum sei ein grosses Bedürfnis.

Obwohl Holenweg die Initiantin des Begegnungsprojekts ist, will sie sich nicht ins Zentrum stellen. «Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt, die sich mit genauso viel Hingabe am Projekt beteiligen wie ich», betont die Kunststudentin. Nach und nach wolle sie sich dann aus dem Geschehen zurückziehen. «Das Ziel ist es, dass der Treffpunkt 26 irgendwann auf eigenen Beinen steht und eine Eigendynamik bekommt», so Holenweg. «Dann unterhalten Migranten in Zusammenarbeit mit Urnern den öffentlichen Begegnungsort selber und sorgen dafür, dass die Hagenstrasse 26 ein Ort bleibt, der verbindet.»

Remo Infanger

redaktion@urnerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie auf Instagram unter #treffpunkt26.

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