URI: Asylsuchende sanieren Tunnels

16 Asylsuchende haben in 550 Tagen Tunnels an der Furka-Dampfbahn-Bergstrecke mit Natursteinen verkleidet. Für ihren Einsatz erhalten sie ein Schweizer Arbeitszeugnis.

Red
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Viele der Asylsuchenden arbeiteten unter für sie 
ungewohnten klimatischen Bedingungen. (Bild: pd)

Viele der Asylsuchenden arbeiteten unter für sie ungewohnten klimatischen Bedingungen. (Bild: pd)

Sie kommen aus Kriegsgebieten, haben Schreckensmomente erlebt und sind dankbar, dass sie in der Schweiz Zuflucht finden. Mehrere Asylsuchende haben 550 Arbeitstage geleistet. Im Rahmen des Beschäftigungsprogramms «Bergstrecke Furka Dampfbahn» erbrachten sie einen wertvollen Einsatz. Für die Asylsuchenden wurde eine sinnvolle Beschäftigung organisiert. Sie lernten die Schweizer Arbeitswelt kennen und wollten sich nützlich machen. Und die von ihnen geleistete Arbeit hinterlässt Spuren in der schützenswerten Landschaft.

Historischer Zustand rekonstruiert

Auf der Bergstrecke von der Wilerbrücke bis zur Steffenbachbrücke befinden sich die drei Tunnels «Altsenntumstafel». Dank den Asylsuchenden sind jetzt alle Portale mit Natursteinen verkleidet. Damit wurde ein historischer Zustand rekonstruiert. Damit die Tunnels für den Winter verschlossen werden können, wurden in den Achtzigerjahren vier kastenförmige Vorbauten erstellt. Für den Bahnbetrieb der Furka Dampfbahn (DFB) und für die Sicherheit ist die Verkleidung mit Natursteinen dieser Portale aber keine Notwendigkeit. «So wie Dampfloks und das Wagenmaterial für die Fahrgäste eine Augenweide sind, so sollen sie auf der Strecke eine intakte Natur vorfinden», heisst es im Projektbeschrieb. «Auch die Strecke – umgeben von einer einzigartigen Bergwelt – gehört zum Kulturgut der DFB.»

Oft fehlen der DFB die finanziellen Mittel für das Notwendige, sodass einzelne Projekte auf der Strecke bleiben. Auch deshalb hatte sich das Projekt Tunnelverkleidung für ein Beschäftigungsprogramm angeboten. Der zweite wichtige Partner war das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) mit der Altdorfer Asylabteilung. Diese stellte Arbeitskräfte für das Programm zur Verfügung. Als Geldgeber haben sich der Kanton Uri, die Urner Kantonalbank, die Otto Gammastiftung und die Stiftung Pro Patria beteiligt.

Seit Anfang Mai bis Mitte August fuhren täglich acht Männer mit dem Personenbus nach Realp und kehrten abends müde in ihr Camp zurück. Sie stammen vorwiegend aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und Tibet. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag beim Aufbau des Mauerwerks. Doch auch schon die Vorarbeiten wie der Gerüstbau wurde von den Asylsuchenden erledigt. Die Arbeit erfolgte beim fahrplanmässigen Zugverkehr und forderte deshalb viel Flexibilität. Das Belegen der Gleisanlagen mit Maschinen oder festen Einrichtungen war nicht denkbar. Vieles wurde von Hand gemacht. Wichtig war vor allem das Zuschneiden von Natursteinen – insbesondere der Gewölbesteine. Dieses fast vergessene Handwerk hat der gelernte Steinmetz Jakob Calgacani den 16 Teilnehmern beigebracht.

Projekt verlief unfallfrei

Im September konnte das Beschäftigungsprogramm mit einer Dampfbahnfahrt beendet werden. Dankbar blicken die Verantwortlichen auf die unfallfreien Arbeitstage zurück. Die Natur hat wiederum Tunnelportale, wie sie vor 100 Jahren erstellt wurden. Die Programmteilnehmer haben einen Leistungsausweis erhalten, der ihnen bei einer Stellensuche nützlich sein wird. Die DFB als Eigentümerin konnte auf diese Weise eine wünschbare Verbesserung auf der Bergstrecke realisieren.