Uri–Graubünden

Endstation für den Autozug über den Oberalppass

Der Autoverlad Andermatt–Sedrun wird im Frühling 2023 eingestellt. Hohe Investitionen wären angestanden, die sich bei zu kleiner Nachfrage nicht gerechnet hätten, begründet das Bundesamt für Verkehr den Entscheid. Doch ersatzlos soll das Angebot nicht gestrichen werden.

Matthias Piazza
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«In einer knappen Stunde werden Sie über den 2033 Meter hohen Oberalppass befördert. Lehnen Sie sich zurück und geniessen Sie die Fahrt durch die verschneite Winterlandschaft oder gönnen Sie sich ein Nickerchen.» So wirbt die Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) auf Ihrer Website für den Autoverlad Oberalp. Doch im Frühling 2023 ist Schluss mit der Träumerei, respektive dem Autozug. Je nach Saison fuhr dieser zwei- bis dreimal täglich zwischen Andermatt und Sedrun.

Die Einstellung hat das Bundesamt für Verkehr in Absprache mit den Kantonen Uri und Graubünden entschieden, wie die MGB am Mittwoch in einer Medienmitteilung schrieb. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen und habe sich mit der ganzjährigen Öffnung der Strassenverbindung über den Lukmanier bei 2100 Fahrzeugen pro Winter eingependelt. So habe der Bund beziehungsweise die öffentliche Hand 2019 pro transportiertes Fahrzeug gut 200 Franken investieren müssen.

Ein Autozug der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) am Oberalppass.

Ein Autozug der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) am Oberalppass.

Bild: PD (Oberalppass, 27. Januar 2017

Da in den kommenden Jahren neue Triebzüge auf der Strecke Andermatt–Disentis in Betrieb genommen würden, müsste der Autoverlad Oberalp neu konzipiert werden, da die neuen Züge für den Mischverkehr ungeeignet seien. Und die bestehenden Autozüge hätten ihr Lebensende erreicht und müssten umfangreich modernisiert werden. Bei den Umbauten, die aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes nötig sind, kämen ebenfalls grosse Mehrkosten, wollte man den Autoverlad weiterhin anbieten, heisst es weiter.

Kosten nur zu einem Viertel gedeckt

«Das Bundesamt für Verkehr als Besteller bestimmt das Angebot, darauf haben wir nur wenig Einfluss», hält Jan Bärwalde, Leiter Unternehmenskommunikation der MGB, auf Anfrage fest. Tatsache sei, dass der Beitrag der öffentlichen Hand bei dieser geringen Nachfrage nach den Investitionen auf rund 350 Franken pro Fahrzeug ansteigen würde. Ein Autoverlad kostet 65 Franken. Der sogenannte Kostendeckungsgrad, also jener Anteil, welcher der Autofahrer selbst an die Kosten beisteuert, würde von heute gut 25 Prozent auf 15 Prozent sinken. «Das ist wenig, zumal die Matterhorn-Gotthard-Bahn im Regionalverkehr im Schnitt einen Kostendeckungsgrad von 60 bis 70 Prozent hat», sagt Jan Bärwalde dazu.

Anders sähe die Situation beim Autozug durch den Furkatunnel aus, zwischen Oberwald und Realp. Dieser Autozug transportiere jährlich 230'000 Autos. Bis diesen Herbst werden für 10 Millionen Franken die Bahnhöfe Oberwald und Realp saniert und je zwei Zufahrtsspuren gebaut. Im Sommer ist man mit dem Autozug 25 Minuten schneller als mit der 45-minütigen Autofahrt über den Furkapass.

Urner Regierungsrat reagiert mit Bedauern und Verständnis

«Ich bedaure die Einstellung des Autozuges über den Oberalppass, habe aber für den Entscheid des BAV Verständnis bei dieser geringen Nachfrage und dem entsprechend unverhältnismässig hohen Bundesbeitrag», sagt dazu der Urner Regierungsrat Urban Camenzind. Eine direkte Verbindung nach Graubünden gebe es für Autofahrer im Winter zwar nicht mehr. Doch sei die Route über den Lukmanier, die ganzjährig offen sei, eine gute Alternative.

Ersatzlos soll das Angebot aber nicht gestrichen werden. Die Regierungen von Uri und Graubünden seien mit dem BAV im Gespräch, um das Angebot im regionalen Zugsverkehr zwischen Andermatt und Disentis zu verbessern. Dies unter dem Namen «Angebotskonzeption Ursern-Surselva 2022–2028». «Die Pendlerinnen und Pendler zwischen Andermatt und Sedrun würden von mehr Zugsverbindungen profitieren», weiss Urban Camenzind. Weil es sich um den Regionalverkehr handelt, würden sich die Kantone auch an den ungedeckten Kosten beteiligen. Details zum Angebot und den Kosten seien aber noch nicht bekannt. «Wir sind erst am Anfang der Planung. So etwas braucht seine Zeit.»