URI: Berggasthaus wird zum Hundehotel

Berggasthaus Haldi ob Schattdorf ist nach zwei Jahren neu eröffnet worden. Die neue Besitzerin, Astrid Schulz, bringt damit nicht nur das Gasthaus zurück, sondern auch den Schwarzwald nach Uri – nicht nur, was das Essen angeht.

Carmen Epp
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Das Berggasthaus von Astrid Schulz richtet sich an Gäste, die mit ihren Hunden Ferien machen wollen. (Bild: Dominik Wunderli (Schattdorf, 29.3.2018))

Das Berggasthaus von Astrid Schulz richtet sich an Gäste, die mit ihren Hunden Ferien machen wollen. (Bild: Dominik Wunderli (Schattdorf, 29.3.2018))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Zwei Jahre lang war es still im Berggasthaus Haldi. Auch sonst war das Angebot für Wanderer oder Skifahrer auf dem Berg eher dünn gesät: Lediglich im Berg- und Skihaus Oberfeld oder im Skihaus Haldi konnte man einkehren, jedoch nur zu bestimmten Zeiten. Ein täglich geöffneter Gastrobetrieb fehlte.

Damit ist jetzt Schluss, es herrscht wieder Betrieb auf dem Haldi: Astrid Schulz hat das Berggasthaus direkt neben der Seilbahnstation auf 1080 Metern über Meer im Januar gekauft und bezogen. Am Donnerstag wurde der Gastrobetrieb neu eröffnet.

Äusserlich hat sich das Haus kaum verändert, im Innern jedoch wurde das Restaurant kräftig umgestaltet: vom gemütlichen Gasthaus zum Café im Stile der 20er-Jahre. Hier wird den Gästen neben typischen Gerichten wie Wurst-Käse-Salat, Tages- und Sonntagsmenüs und Glaces auch eine grosse Auswahl an Flammkuchen serviert. Dass die Spezialität des Hauses aus dem Elsass kommt, hat seinen Grund: Schulz stammt aus dem baden-württembergischen Offenburg. Die Stadt ist keine 20 Kilometer von der Grenze zum Elsass entfernt und Teil des Mittleren Schwarzwalds.

Ferien für Hund und Herrchen

Nicht nur kulinarisch bringt Schulz ein Stück Heimat aufs Haldi. Auch beim Konzept des Berggasthauses wird ihre Herkunft spürbar. Der Schwarzwald gilt als wahres Mekka für Hundehalter, die ihre Vierbeiner in die Ferien mitnehmen möchten. Nirgends in Europa ist die Dichte an hundefreundlichen Hotels und Ferienhäusern grösser als im Schwarzwald. Das nimmt sich Schulz zum Vorbild: Im Berggasthaus Haldi sind Hunde genauso willkommen wie Menschen. Dies nicht nur im Restaurant, sondern auch in den sechs Doppelzimmern und der Ferienwohnung, die Schulz vermietet. Zwar gibt es bereits vereinzelte Hotels im Kanton Uri, in denen Hunde erlaubt sind. Dass sich ein Betrieb spezifisch auf Hundehalter ausrichtet, ist jedoch neu.

Neben der hundefreundlichen Unterkunft steht den Hotelgästen ausserdem ein Hundesitterdienst zur Verfügung: Schulz hat extra dafür im Untergeschoss des Gasthauses vier Boxen eingerichtet, welche die Hunde vor­übergehend beziehen können. «Zum Beispiel, wenn Herrchen oder Frauchen mal zum Shopping in die Stadt wollen», erklärt Schulz. Während die Hundehalter ihre Zeit ohne den Vierbeiner geniessen, wird ihr Liebling von einer Tierpflegerin betreut.

Auch rund um das Berggasthaus geht es tierisch zu und her: Appenzeller Spitzhauben und Schweizer Hühner gackern umher, nach Ostern ziehen ausserdem noch zwei Poitou-Esel in den Stall. Mit diesen Pro-Specie-rara-Tieren will Schulz zum einen Menschen und Tiere einander näherbringen, aber auch Eier für die Küche produzieren.

Ihre Liebe zu Tieren kommt nicht von ungefähr: Schulz betreibt nicht nur das Berggasthaus Haldi, sondern auch das «Natierli», ein Ferientierheim in Bürglen, in dem Katzen und Nagetiere betreut werden, wenn die Besitzer in den Ferien sind.

Nicht vergleichbar mit einem klassischen Tierheim

Mit dem Berggasthaus Haldi habe das nichts zu tun, sagt Schulz. «In Bürglen sind Katzen und Nagetiere, auf dem Haldi Hunde und Nutztiere.» Auch dürfe man ihr Konzept im Berggasthaus nicht mit jenem eines Tierheims vergleichen. Zwar nimmt Schulz ab und an privat einen Pflegehund bei sich auf. Herrenlose oder beschlagnahmte Tiere wird es – anders als in klassischen Tierheimen – auf dem Haldi jedoch nicht geben.

Und auch im Berggasthaus selber setzt Schulz Grenzen. Im Massenlager etwa haben Hunde nichts zu suchen. In der Gaststube müssen die Hunde an der Leine geführt werden, und eine der beiden Terrassen des Gasthauses wird hundefrei gehalten. «Nicht jeder mag Hunde», sagt Schulz. «Auch diese Gäste sollen sich bei uns wohlfühlen.» Am Eröffnungstag zeigte sich, wie viel sich Schulz für ihr Berggasthaus vorgenommen hat: zu viel, um auf den Eröffnungstermin hin fertig zu werden. «In zwei Wochen werden auch die letzten Arbeiten abgeschlossen sein», verspricht die Besitzerin. Wie das Angebot ankommt, wird sich in den nächsten Monaten weisen. Schulz will den Betrieb täglich von 7.30 bis 20 Uhr geöffnet haben, im Sommer eventuell länger. So oder so bleibt das Projekt für sie ein Wagnis: Die Pflegefachfrau hat schon in Leitungsfunktionen in Pflegeheimen und Spitälern gearbeitet, im Gastgewerbe aber keine Erfahrung. Hier setzt die 49-Jährige auf ihr Team. Neben der Tierpflegerin hat Schulz auch zwei Köchinnen sowie eine Allrounderin angestellt. «Gemeinsam kriegen wir das hin», ist Schulz überzeugt.

Wie die Wanderer und die Bewohner des Haldis auf das neu ausgerichtete Berggasthaus reagieren werden, wird sich noch zeigen. Die Bewohner hat Schulz letzten Mittwoch zu einem Apéro eingeladen. «Damit sie aus erster Hand erfahren, was sie erwartet.» Das Feedback, sagt Astrid Schulz, sei durchweg positiv gewesen.