URI: «Bild der Armee wird künftig besser»

Kreiskommandant Urs Mock spricht über die Armee der Zukunft und sagt, weshalb das Nationale Schneesportzentrum in Andermatt neben dem Militär funktionieren kann.

Anian Heierli
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Urs Mock ist der Meinung, dass ein Nationales Schneesportzentrum in Andermatt von der Armee profitieren würde. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Urs Mock ist der Meinung, dass ein Nationales Schneesportzentrum in Andermatt von der Armee profitieren würde. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Kleiner und spezialisierter soll sie werden, die Schweizer Armee. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will den Personalbestand von 180 000 Mann auf 100 000 kürzen. Gleichzeitig werden Panzer, Jets und Artilleriegeschütze ausgemustert – diese sogenannte Weiterentwicklung der Armee (WEA) kommt vermutlich bereits 2017 zum Tragen. Für Zivilisten klingt das so, als befände sich die einst 400 000 Mann starke Miliztruppe in einer Krise. Dieser Vorwurf wird aber von Urs Mock dementiert.

Mock leitet in Uri die Abteilung Notorganisation, ist Kreiskommandant und trägt den militärischen Rang Oberstleutnant. Der 49-Jährige gratuliert zudem heute Abend um 19 Uhr den drei besten Urner Stellungspflichtigen im Bereich Sportprüfung (Korps-Test) der Rekrutierung 2014 im Schloss A Pro, Seedorf.

Urs Mock, der Bestand der Schweizer Armee soll beinahe halbiert werden. Befindet sich das Militär zurzeit in einer Krise?

Urs Mock: Nein. Auch in Zukunft soll die Armee jährlich ein Budget von rund 5 Milliarden Franken haben. Man will aber eine kleinere, spezialisiertere Truppe, die besser an die aktuelle Bedrohungslage angepasst ist.

Welche Bedrohung meinen Sie?

Mock: Heute rechnet das VBS nicht mehr mit einem klassischen Feind, der im Verband mit Panzern über die Grenze einmarschiert. Aktuelle Bedrohungen sind beispielsweise vielmehr Terroranschläge und Cyberangriffe – eine Gefahr, die plötzlich kommt. Eines der Ziele der WEA ist es, einen Teil der 100 000 Mann möglichst schnell einsatzbereit zu machen. Damit geht auch eine Dezentralisierung des Materials der Truppen einher. Das VBS will wieder mehr Armeedienstleistende in den Dörfern bei der Bevölkerung stationieren. Bei der heutigen Armee 21 liegt der Schwerpunkt stärker bei den Waffenplätzen.

Was bringt es, das Material zu dezentralisieren?

Mock: Diese Strategie dient auch der schnelleren Mobilisierung. Momentan müssen einzelne Truppengattungen durch die halbe Schweiz fahren, um ihr Material zu fassen. Von dort aus geht es dann an den Einsatzort, wodurch wertvolle Zeit verloren geht. Ist dagegen das Material verteilt, geht die Mobilisierung schneller voran. Zudem brauchen Truppen zunehmend grössere Mengen an Material, das topmodern ist. Auch deshalb sind heute keine 400 000 Armeeangehörige nötig, wie es vor zwanzig Jahren noch der Fall war.

Mehr Material, dafür aber weniger Einsatzkräfte klingt nach einem Widerspruch.

Mock: Ich nehme mal die Aufklärung als Beispiel. Früher hat man viele Soldaten mit Feldstechern gebraucht, die ein Gebiet überwachten. Heute kommen Wärmebildkameras und Aufklärungsdrohnen zum Einsatz. Da braucht es für dieselbe Arbeit weniger, dafür aber spezialisierte Einsatzkräfte.

In den Schlagzeilen tritt die Schweizer Armee oft negativ auf. Ein Beispiel ist die letztjährige Debatte um das an der Urne gescheiterte, neue Kampfflugzeug Gripen. Hat das Militär ein Imageproblem?

Mock: Einzelne Medien und gewisse Gruppierungen rücken die Armee in ein schlechtes Licht. Beispielsweise ist das Sparen bei der Verteidigung vergleichsweise einfach. Andererseits sind enorm viele Besucher zur Air 14, dem 100-Jahr-Jubiläum der Schweizer Luftwaffe, gekommen. Das Image ist also nicht nur negativ. Ich glaube auch, dass das Bild von der Armee dank der WEA künftig besser wird.

Weshalb?

Mock: Die WEA will ja den Dienst wieder stärker hinaus in die Dörfer verlagern. Dadurch kommt die Bevölkerung vermehrt direkt mit den Armeeangehörigen in Kontakt. Und ich bin sicher, dass ein solcher Kontakt das Image fördert. Gleichzeitig braucht es aber auch den Kontakt zwischen den Behörden und der Armee. Mir ist es immer ein wichtiges Anliegen, als Kreiskommandant bei Anlässen wie einer Fahnenübergabe oder der heutigen Ehrung der besten Stellungspflichtigen mit dabei zu sein.

Vor 15 Jahren war die Armee im Kanton Uri viel stärker präsent. Was hat sich konkret in Uri geändert?

Mock: Mit der Armee 95 sind mehrere Teile des Militärs gestrichen worden. Dazu gehört die Festungswache, die in Uri stark präsent war. Diverse Truppen, die früher ihre Verlegung in Andermatt gemacht haben, sind heute nicht mehr vorhanden. Ich denke hier etwa an die Festungstruppe. Heute sind in Andermatt hauptsächlich noch die Gebirgsspezialisten stationiert.

Bleiben die Gebirgsspezialisten trotz des Nationalen Schneesportzentrums in Andermatt?

Mock: Noch ist unklar, ob das Schneesportzentrum kommt. Ich bin mir aber sicher, dass Sport und Armee nebeneinander Platz hätten. Ich vermute auch, dass man Synergien beim Material und in der Organisation nutzen könnte. Letztlich sind ja die Verteidigung und der Sport beide im selben Departement.

Sie sind Kreiskomandant und leiten die kantonale Abteilung Notorganisation. Was heisst das?

Mock: Die Öffentlichkeit nimmt mich vor allem als Kreiskommandant wahr. Tatsächlich macht aber die Tätigkeit im Bereich Notorganisation den grössten Teil meiner Arbeit aus. Dazu gehört vor allem die Vorbereitung auf verschiedene Notfallszenarien: Was ist zu tun, wenn im Falle eines Unwetters, Unglücks oder Konflikts wichtige Infrastrukturen ausfallen? Gemeint ist unter anderem das Strom-, Wasser- oder Verkehrsnetz. Ich berate auch in Belangen der Notorganisation. Zudem bin ich für die Koordination der Ausbildung des kantonalen Führungsstabs und des Gemeindeführungsstabs zuständig sowie für Alarmierungssysteme, etwa den alljährlichen Sirenentest.

Interview Anian Heierli