Der Kanton Uri bleibt vom Lehrermangel verschont

In Uri ist es gelungen, rund 2500 Stellenprozente neu zu besetzen. Die Einführung des Lehrplans 21 ist auf Kurs.

Urs Hanhart
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Von links: Guido Baumann, Präsident Vereinigung der Schulleitenden Uri (VSL Uri), Bildungsdirektor Beat Jörg und Franz Gehrig, Präsident Lehrerinnen und Lehrer Uri (LUR) bei der Pressekonferenz. (Bild: Urs Hanhart, 16. August 2019)

Von links: Guido Baumann, Präsident Vereinigung der Schulleitenden Uri (VSL Uri), Bildungsdirektor Beat Jörg und Franz Gehrig, Präsident Lehrerinnen und Lehrer Uri (LUR) bei der Pressekonferenz. (Bild: Urs Hanhart, 16. August 2019)

In der Aula der Schule Attinghausen kam es gestern zu einer Premiere. Die Bildungsdirektion führte erstmals vor dem Schulstart vom kommenden Montag eine Medienkonferenz durch. Rund 35 Lehrpersonen unterrichten ab dem kommenden Montag zum ersten Mal – oder nach einer Pause wieder – im Kanton Uri. Diese Lehrkräfte erhalten jeweils in der letzten Ferienwoche vom Amt für Volksschulen eine Einführung. Dabei geht es um die Bildungslandschaft, den Bildungsauftrag, Anlaufstellen und Abläufe sowie laufende Projekt.

Was den Bildungsdirektor Beat Jörg besonders freut: «Zurzeit besteht im Kanton Uri kein Lehrpersonenmangel», konnte er verkünden. «Es gibt höchstens die Schwierigkeit, bei den schulischen Heilpädagogen immer genau die adäquaten Leute unterrichten zu lassen.» Das gelte bei den Förder- und einzelnen Fachlehrpersonen auf der Oberstufe. Insgesamt waren an den Urner Schulen heuer rund 2500 Stellenprozente (Vorjahr 3300) neu zu besetzen. Konkret eingestellt wurden 40 Lehrpersonen, wovon sechs im Kindergarten, 24 in der Primarschule und zehn auf der Oberstufe unterrichten. Jörg wies darauf hin, dass die Ausbildung zur Primar- und auch Oberstufenlehrperson noch immer auf sehr grosses Interesse stosse. An der Pädagogischen Hochschule Schwyz stammt ein Drittel der Absolventen aus Uri.

Das Fuder soll nicht überladen werden

Dass es mit der Stellenbesetzung geklappt hat, freut Franz Gehrig, Präsident Lehrerinnen und Lehrer Uri (LUR). Gehrig sagt:

«Der Kanton Uri bietet attraktive Stellen für Lehrpersonen, auch wenn die Löhne unter dem schweizerischen Mittel liegen.»

Das ganze Arbeits- und Schulklima sei ebenso wichtig. Diesbezüglich stehe Uri nicht schlecht da. Er verwies auf eine kürzlich vom Schweizerischen Verband lancierte Umfrage: Diese zeige, dass die Berufszufriedenheit der Urner Lehrpersonen im Vergleich zu den anderen Deutschschweizer Kantonen tendenziell etwas höher ausgefallen sei. Zu dieser Berufszufriedenheit gelte es, Sorge zu tragen, indem man beim Berufsauftrag das Fuder nicht überlade und den Lehrpersonen die nötige Wertschätzung entgegenbringe.

Im Kanton Uri wurde der Lehrplan 21 auf das Schuljahr 2016/17 eingeführt; in Kraft trat er Anfang 2017/18. Einzige Ausnahme bildet der Modullehrplan Medien und Informatik, dessen Einführung und Inkraftsetzung aufgrund des Weiterbildungsaufwands auf das Schuljahr 2019/20 festgelegt wurde. Bildungsdirektor Jörg zog ein positives Zwischenfazit: «Unser Zeitplan ist passend und realistisch. Das Vorgehen war sinnvoll und zielgerichtet.»

Auch das Coaching der Schulleitungen, die Ausbildung von Kaderlehrpersonen und die enge Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Schwyz hätten sich bewährt. Mittlerweile wird also seit zwei Jahren verbindlich mit dem Lehrpaln 21 gearbeitet. Die mit der Einführung verbundene Schul- und Unterrichtsentwicklung ist immer noch in vollem Gange. Der Erziehungsrat hat kürzlich beschlossen, das Projekt zur Einführung des Lehrplans 21 per 1. August 2021 abzuschliessen. Ausserdem soll das Projekt im Schuljahr 2021/22 evaluiert werden.

Zusammenarbeit hat sich bewährt

Auch Gehrig zog ein positives Zwischenfazit: «Wir vom LUR sind mit dem Einführungskonzept sehr zufrieden. Von den Lehrpersonen gibt es jedenfalls nur sehr wenige negative Rückmeldungen.» Die gute Zusammenarbeit aller Involvierter habe sich bestens bewährt. Zudem sei es gut gewesen, das Einführungskonzept über mehrere Jahre auszudehnen.

Das sieht auch Guido Baumann, Präsident Vereinigung der Schulleitenden Uri (VSL Uri), gleich: «Es hat sich gelohnt, sich Zeit zu nehmen.» Die Lehrpersonen hätten genügend Zeit erhalten. «Dadurch ist es auch gelungen, verschiedene Ängste zu nehmen, die im Vorfeld geäussert wurden.» Als positiven Aspekt hob Baumann die Tatsache hervor, dass die Schulen durch die Einführung des Lehrplans 21 enger zusammenarbeiten würden. Er hofft nun, dass dies fortgeführt wird.

Medien werden mit Verantwortung genutzt

Die Einführung des Modullehrplans Medien und Informatik wurde im Kanton Uri bewusst verschoben und erfolgt nun im Schuljahr 2019/20. Der Erziehungsrat hat beschlossen, für Medien und Informatik ein eigenes Zeitgefäss zu schaffen. Er hat die Stundentafel entsprechend um je eine Lektion für die 5. und 6. Primarklasse aufgestockt. Zudem wurden die Schulen beauftrag, ein Medienkonzept zu erarbeiten.

David Zurfluh, Leiter Amt für Volksschulen, sagte: «Für den Start des Modullehrplans Medien und Informatik sind alle Voraussetzungen gegeben, damit die Urner Kinder und Jugendlichen während ihrer Schulzeit die anspruchsvollen Ziele erreichen können.» Konkret sollen sie «Medien verstehen und verantwortungsvoll nutzen», «Grundkonzepte der Informatik verstehen und zur Problemlösung einsetzen» sowie «Anwendungskompetenzen erwerben».

Neuerungen gibt es auch im Qualitätsmanagement. Der Erziehungsrat hat mit den Standards der Urner Volksschule zum ersten Mal einen Qualitätsrahmen festgelegt. Definiert sind Unterrichts- und Schulentwicklungsschwerpunkte bis 2023. Sie bilden die Grundlage für das Schulprogramm, die Jahresplanung und den Jahresbericht.