Uri: Dätwyler verkauft Geschäftsfeld

Der Urner Konzern will sich auf den Gummi-Dichtungs-Bereich fokussieren, «Technical Components» sollen abgestossen werden. Urner Arbeitsplätze sind vom Verkauf nicht betroffen.

Florian Arnold
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Der Zentralschweizer Konzern Dätwyler wird verkleinert. Künftig will sich die Gruppe nur noch auf das wachstums- und margenstarke Geschäft mit Gummidichtungen (Sealing) konzentrieren, wie gestern Abend mitgeteilt wurde. Zu diesem Geschäftsfeld gehört auch der Standort in Schattdorf, Uri. Die Unternehmen Distrelec und Nedis, die mit elektronischen Komponenten handeln, werden an die deutsche Investmentgruppe Aurelius verkauft. Dätwyler entsteht ein Verlust von 670 Millionen Franken, dieser sei jedoch nicht liquiditätswirksam.

Weiter geplant ist zudem der Verkauf der Tochterfirma Reichelt. Für den Verkauf des Onlinedistributors  will sich Dätwyler aber  Zeit nehmen, zur Wertoptimierung und um «weitere Optionen zu prüfen». Zentralschweizer Mitarbeiter sind von der Abstossung dieses Geschäftsfelds nicht betroffen. Distrelec und Nedis haben 2018 einen Umsatz von rund 300 Millionen Franken erwirtschaftet, beschäftigt werden rund 850 Mitarbeiter, hauptsächlich im Ausland.

Stillschweigen zu Bedingungen

Der Vollzug des Vertrags ist - vorbehältlich der Erfüllung der üblichen Vollzugsbedingungen - im ersten Quartal 2020 vorgesehen. Über Einzelheiten der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart, wie es heisst. 

Aurelius, der Käufer, verfüge über langjährige Investitions- und Managementerfahrung und sei Eigentümer mehrerer Distributionsunternehmen, heisst es in der Mitteilung. Als «aktiver Investor mit langfristigem Investmenthorizont» sei das Unternehmen auf Abspaltungen aus internationalen Konzerne spezialisiert.

Aurelius will die beiden Einheiten laut einer eigenen Mitteilung finanziell und operativ unterstützen, um einen nahtlosen Übergang der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Ziel sei es, die übernommenen Einheiten zu «erfolgreichen eigenständigen Unternehmen zu entwickeln und auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen».

Hoher Goodwill-Abschreiber

Der Transaktions-Verlust von rund 670 Millionen Franken setzt sich den Angaben zufolge hauptsächlich aus Goodwill und aus der Realisierung der kumulierten Währungsumrechnungsdifferenzen der veräusserten ausländischen Gesellschaften zusammen.

Die Eigenkapitalquote werde nach dem Abschluss der Transaktion mit über 50 Prozent aber «weiterhin sehr solide» sein. Somit sei man «bestens mit finanziellen Mittel ausgestattet, um die definierte Wachstumsstrategie umzusetzen», schreibt Dätwyler.

Nicht überraschend

Der Verkauf kommt nicht ganz überraschend. Im vergangenen August hatte Dätwyler verlauten lassen, dass strategische Optionen, inklusive eines Verkaufs, geprüft würden. «Unsere Erwartungen waren höher», sagte CEO Dirk Lambrecht damals an einem Call.

Dätwyler hat im vergangenen Geschäftsjahr 2018 mit 8100 Beschäftigten einen Umsatz von 1,36 Milliarden Franken (EBIT-Marge 12,5%) erzielt, im ersten Halbjahr 2019 waren es 706 Millionen.