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URI: Den Schnecken abgeschaut: Sie zügelt mitsamt dem Haus nach Altdorf

Hausen in einer mobilen Box: Damit hat sich Tanja Schindler vor fünf Jahren einen Traum erfüllt. Seit Donnerstag steht diese nach einem aufwendigen Transport in Altdorf. Für Interessierte führt die Baubiologin regelmässig Besichtigungen durch.
Philipp Zurfluh
«Ich habe diesen Schritt zur Veränderung nie bereut und fühle mich in diesem Raum wohl», sagt Tanja Schindler. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 15. 9. 17))

«Ich habe diesen Schritt zur Veränderung nie bereut und fühle mich in diesem Raum wohl», sagt Tanja Schindler. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 15. 9. 17))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Wie wohnen in Zukunft? Mit dieser Frage setzt sich Tanja Schindler seit vielen Jahren auseinander. Die Baubiologin und Raumgestalterin ist 2013 im zürcherischen Nänikon in ein Minihaus eingezogen, das sie zusammen mit einem Architekten erfunden hat. Es gehört zu den kleinsten Wohnhäusern der Schweiz und ist für Schindler Wohn- und Arbeitsort zugleich. Seit dannzumal lebt sie in diesen vier Wänden. Nun ist die Bewilligung abgelaufen, und es musste ein neuer Standort her.

Weil der Lebenspartner von Tanja Schindler in Uri wohnt, lag es auf der Hand, dass sie ein Baugesuch einreichte, um die Box in Altdorf aufzustellen. Die Bewilligung erfolgte im Mai. Nun steht das Minihaus auf dem MSA-Gelände in Altdorf. Die Weiter­führung des Projekts sowie der Standortwechsel wurden durch Stiftungsgelder der Albert-Koechlin-Stiftung Luzern möglich gemacht.

Öfters grosse Gartenhäuser – selten ein Wohnhaus

Wohnen in einem mobilen Häuschen, das ausschliesslich mit ökologischen Baumaterialien erstellt ist: eine Idee, die Tanja Schindler verwirklichen konnte. «Für mich ist damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.» Das Projekt «Ökominihaus» sei ein Objekt «zum Anfassen und Erleben», so die Baubiologin. Die mobile Box besteht aus Holz- und Lehmwänden, die weder Menschen noch Umwelt belasten. Der Bau versorgt sich selber mit Energie und Wärme. Die Solarpanels liefern den Strom. Eingeengt fühlt sich Tanja Schindler auf den 35 Quadratmetern keineswegs. «Ich habe diesen Schritt zur Veränderung nie bereut und fühle mich in diesem Raum wohl.» Durch die Veränderung habe sie gemerkt, wie wenig sie zum Leben benötige. «Mit wenigen Gütern wohnen heisst nicht, auf ein gutes Lebensgefühl verzichten zu müssen. Ich habe keinen Komfortverlust.»

Die Überführung des Gebäudes von Nänikon in den Kanton Uri konnte dank der Albert-Koechlin-Stiftung finanziert werden. Es war kein alltäglicher Transport für das Flüeler Logistikunternehmen Wipfli AG. «Wir transportieren öfters grössere Gartenhäuser, aber eine Überführung eines Wohnhauses hat Seltenheit», erklärt Peter Wipfli, der für die Organisation des Transports zuständig war.

Zügeltermin war in der Nacht auf den vergangenen Donnerstag. «Es gehörte enorm viel Planung dazu», sagt Wipfli. Am Mittwoch um 19.30 Uhr wurde das Minihaus mit einem Pneukran auf den Lastwagen gehievt. «Die Ladung hat insgesamt 19 Tonnen betragen und war 3,6 Meter breit, somit eine riesige Herausforderung», sagt Wipfli. Begleitet von einem Personenwagen und der Polizei führte der Weg durch die Stadt Zürich und schliesslich über die Axenstrasse nach Flüelen – mit durchschnittlich 30 Kilometern pro Stunde. «Der Transport war teilweise Zentimeterarbeit.» So war vor allem beim Durchqueren der Tunnels auf der Axenstrasse – sie wurden in drei Abschnitten von der Polizei für den Verkehr gesperrt – höchste Konzentration gefragt. «Zwischen Ladung und Tunnelwölbung passte manchmal nur noch eine Handbreite.» Um 23 Uhr erreichte der LWK das Areal des Logistikunternehmens. Anderntags wurde das Minihaus von Flüelen zum jetzigen Standort überführt.

Projekt soll ehrenamtlich weitergeführt werden

Tanja Schindler hat in den vergangenen fünf Jahren immer wieder Wohnungsbesichtigungen bei ihr durchgeführt. Sie blickt stolz zurück: «Rund 1500 Personen haben das mobile Haus besichtigt. Ich bekam durchwegs positive Rückmeldungen.» Das Projekt – sie führt es ehrenamtlich – soll weitergeführt werden. So will sie etwa alle zwei Monate in ihrer Box öffentliche Führungen anbieten. Und für ganz Neugierige möchte sie Interessierte zum Testwohnen einladen: «Ich möchte den Leuten zeigen, dass man auch anders bauen kann als herkömmlich.»

Hinweis

Wer Interesse hat, an einer Führung teilzunehmen, kann sich auf www.oekominihaus.ch über die Daten informieren.

Der Transport des Wohnhauses von Zürich in den Kanton Uri dauerte rund dreieinhalb Stunden. (Bild: PD)

Der Transport des Wohnhauses von Zürich in den Kanton Uri dauerte rund dreieinhalb Stunden. (Bild: PD)

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