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URI: Der Chemielehrer lehrte sie das Brauen

Sechs Studenten stellen in einer alten Bäckerei Spezialbiere her. Die monatlich 50 Liter gebrauten Biere trinken sie grösstenteils selbst. Die Nachfrage ist aber derart gross, dass sie nun investieren – Ende Jahr wollen sie ihre ersten Kunden beliefern.
Elias Bricker
Vier der sechs Jungunternehmer präsentieren ihr Sortiment an Spezialbieren (von links nach rechts): Daia Aschwanden, Pascal Dittli, Nicolas Huwyler und Andreas Walker. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 22. April 2017))

Vier der sechs Jungunternehmer präsentieren ihr Sortiment an Spezialbieren (von links nach rechts): Daia Aschwanden, Pascal Dittli, Nicolas Huwyler und Andreas Walker. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 22. April 2017))

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Sechs Urner Studenten wollen mit der eigenen Biermarke Anderthaler durchstarten. Ihr Ziel ist es, den lokalen Markt mit ausgefallenen Biersorten zu erweitern. Seit Anfang Jahr sind die Jungunternehmer in der alten Backstube in Isenthal eingemietet. Dort treffen sich die 20- bis 24-Jährigen in der Regel zweimal pro Monat und brauen dort verschiedene Biersorten.

«Eigentlich haben wir anfänglich vor allem für den Eigengebrauch Bier gebraut», sagt Andreas Walker. Doch inzwischen hätten sie auch Anfragen von Privatkunden, die Interesse hätten, sowie von verschiedenen Geschäften und Restaurants im Kanton Uri, welche die Anderthaler-Biere in ihr Sortiment aufnehmen möchten.

Studenten sammeln Geld im Internet

Doch dieser Nachfrage können die Jungunternehmer momentan nicht gerecht werden. «Mit unserer Anlage kommen wir schlicht an unsere Grenzen», sagt Daia Aschwanden. «Denn momentan produzieren wir höchstens 50 Liter im Monat. Und einen grossen Teil davon trinken wir selber mit unseren Kollegen.» Wegen der gesteigerten Nachfrage wollen die sieben Studenten jetzt investieren und sich eine grössere Anlage anschaffen. Dafür sind aber Investitionen in der Höhe von rund 25 000 Franken nötig. Für die sechs Studenten ist dies eine grosse Stange Geld. Deshalb lancierten sie nun im Internet eine sogenannte Crowdfunding-Ak­tion. Diese läuft bis am 27. Mai. «Wir sind optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen werden – wir hatten einen guten Start», sagt Andreas Walker. «Doch wir müssen nun dafür auch die Werbetrommel rühren.» Der Degustationsanlass am vergangenen Samstag im Kaffee Krá in Altdorf war bereits ein voller Erfolg. Wenn alles rund läuft, wollen sie ab Ende 2017 auch Kunden beliefern können. Angefangen hatte alles im Jahr 2014 im Chemieunterricht an der Kantonalen Mittelschule Uri. «Unser Lehrer hatte uns damals im Chemielabor gezeigt, wie man Bier brauen kann», erinnert sich Walker. Die beiden damaligen Kollegi-Schüler Mario Gisler und Andreas Walker waren davon derart fasziniert, dass sie sich kurzum selber entsprechendes Equipment angeschafft haben und zu Hause auf dem Kochherd munter weiter herumexperimentiert haben.

Ihre Brauerei Anderthaler benannten die beiden nach ihren Wohnorten Andermatt und Isenthal. Schon bald konnten Gisler und Walker auch ihre Kollegen für das Bierbrauen begeistern, und so stehen heute hinter der Marke die sechs Studenten Mario Gisler, Andreas Walker, Daia Aschwanden, Nicolas Huwyler, Philipp Rüegg und Pascal Dittli.

«Etwa so schwierig wie Ravioli kochen»

«Zu Beginn haben wir einfach fixfertige Mischungen bestellt», sagt Daia Aschwanden. «Bier zu brauen, war damit etwa so schwierig wie Ravioli kochen.» Mit der Zeit hätten sie aber immer mehr experimentiert und ihre Rezepte selber kreiert.

«Wir haben uns alles selber beigebracht, viel Literatur studiert und viel herumprobiert», sagt Andreas Walker. Erstaunlicherweise sei ihnen nie ein Sud missraten. «Bisher konnte man immer alles geniessen», sagt Daia Aschwanden. Und Nicolas Huwyler ergänzt mit einem verschmitzten Lachen: «Wir haben aber im Isenthal auch hervorragendes Premium-Quellwasser.» Ihre Anderthaler-Brauerei soll trotz grosser Investitionen klein bleiben, und das Brauen soll für die Jugendlichen ein Hobby bleiben. Die Studenten wollen sich vor allem auf verschiedene ausgefallene Spezialbiere spezialisieren. «Lagerbiere gibt es schon genug», sagt Andreas Walker.

Über 60 Kleinbrauereien in der Zentralschweiz

Hinzu kommt, dass die Jungunternehmer mit ihrer Mikrobrauerei nicht allein dastehen. In den vergangenen Jahren sind Klein- und Kleinstbrauereien wie Pilze aus dem Boden geschossen. Gab es vor rund dreissig Jahren gerade einmal 32 Brauereien in der Schweiz, sind inzwischen über 900 registriert. Allein in der Zentralschweiz gibt es mehr als sechzig Kleinbrauereien. Einige von ihnen sind regelrecht durchgestartet, wie etwa die Urner Kleinbrauerei «Stiär Biär» AG, die sich gar über die Kantonsgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Das Aufkommen der vielen Kleinbrauereien dürfte ein Gegentrend zu den globalisierten Bierkonzernen sein und gleichzeitig ein Trend hin zu exklusiven und regionalen Produkten. «Zudem kommen viele Leute durch die Kleinstbrauereien auch auf den Geschmack von verschiedenen Biersorten», sagt Walker.

Hinweis

Übersicht über die Zentralschweizer Brauereien
Mehr Informationen zur Brauerei finden Sie im Internet unter der Adresse www.anderthaler.comsowie unterwww.wemakeit.com/projects/brauerei-anderthaler.

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