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URI: «Der Radsport lebt von ihm»

Geni Wipfli (67) gehört auf der Radrennbahn schon fast zum Inventar. Einst hat er die «Alptentornados» entdeckt – nun hat er eine neue Aufgabe erhalten.
Elias Bricker
Der Urner Geni Wipfli (67) steht regelmässig auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon als Speaker im Einsatz. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Der Urner Geni Wipfli (67) steht regelmässig auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon als Speaker im Einsatz. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Elias Bricker

Es ist Dienstagabend kurz vor 18 Uhr: Geni Wipfli schlendert durch die Gartenwirtschaft der Offenen Radrennbahn in Zürich-Oerlikon. Und dabei kommt der 67-jährige Urner kaum vom Fleck. Überall wird er angesprochen. Ein Schwatz da, eine kurze Unterredung dort. Denn hier kennt Wipfli fast alle und fast alle kennen ihn – ob Jung oder Alt. Radrennfahrer Tristan Marguet klopft ihm auf die Schulter. «Geni, warst du am Wochenende auf dem Arni?», fragt der Elitesportler. «Ich habe es auf deinem Facebook-Profil gesehen.»

Wipfli ist aber nicht nur zum Vergnügen auf der Rennbahn, auf der in den Sommermonaten jeden Dienstag, sofern es nicht regnet, ein sogenanntes Abendrennen stattfindet. Der Erstfelder steht hier regelmässig als Speaker im Einsatz. Doch bevor es losgeht, erhalten alle Helfer von ihm noch eine Zigerkrapfe – eine Urner Spezialität. «Das mache ich zweimal pro Saison», sagt Wipfli. «Denn die Helfer schauen hier, dass es läuft.»

Eine Legende fehlt auf den Fotos

Die Zürcher Rennbahn mit Baujahr 1912 gilt als das älteste Sportstadion der Schweiz. Im Rennbahn-Stübli und in den Räumen der Funktionäre hängen Fotos aus längst vergangenen Zeiten: Legenden wie Ferdy Kübler, Hugo Koblet oder Olympiasieger Robert Dill-Bundi. Natürlich dürfen auch Bilder von Bruno Risi und Kurt Betschart nicht fehlen. Kein anderes Duo hat je mehr Sechstage-Rennen gewonnen als die «Alpentornados» aus dem Urnerland (37 Siege). Geni Wipfli ist nirgends abgebildet. Doch der Urner ist längst selber eine Radsport-Legende. Denn er gilt als Entdecker der «Alptentornados».

Der erste Kurs war ein voller Erfolg

In den Sechzigerjahren fuhr Wipfli selber einige Jahre lang Velorennen – vor allem Radquer-Rennen – mit mässigem Erfolg. Doch der Erstfelder hatte Freude am Sport. Deshalb blieb er auch nach seiner Aktivkarriere seinem Veloverein erhalten, dem VMC-Erstfeld. 1979 wurde er technischer Leiter des Vereins und organisierte J+S-Kurse. Am ersten Kurs nahmen auch zwei 11-jährige Buben teil, die wenige Jahre danach für Furore sorgten: Bruno Risi und Kurt Betschart. Fünf Jahre später schwangen Wipflis Schützlinge bei einem nationalen Kilometertest oben aus. Dank des Spitzenergebnisses durften sie schliesslich eine Woche lang auf einer Rennbahn trainieren. Und schon kurz darauf stellten sich die ersten Urner Erfolge auf der Bahn ein. Der Rest ist Geschichte.

Mit dem Töff in Steilwandkurven

Während all den Jahren, in denen Risi und Betschart aktiv waren, hat Wipfli die beiden in allen Belangen unterstützt. Er stand ihnen als Trainer und Betreuer zur Seite. Und in den Trainings fuhr er sogar vor den Athleten mit dem Derny-Töff durch die Steilwandkurven der Radrennbahn. Wenn immer möglich reiste er auch an die Rennen – und dies alles neben Familie und Arbeit. «An alle Rennen konnte ich deshalb nicht mit», sagt der ehemalige SBB-Angestellte. «An die Weltmeisterschaft konnte ich nur sieben Mal. Doch Bruno Risi wurde prompt sieben Mal Weltmeister.»

«Er behält den Überblick»

«Bruno Risi und Kurt Betschart sind als Sportler inzwischen pensioniert», sagt Wipfli. Im Gegensatz zu seinen Athleten ist der ehemalige Trainer und Betreuer von der Rennbahn nicht wegzuholen. In Oerlikon gehört er inzwischen schon fast zum Inventar. «Jetzt wird es nochmals ganz spannend», sagt er durchs Mikrofon. «Kann Giuseppe Atzeni nochmals zur Spitze aufschliessen? Das wird ganz knapp. Hopp, hopp.»

Der Rentner, der auch im Kanton Uri hin und wieder an Sportanlässen «speakert», punktet heute bei den 1200 Zuschauern auch mit seinen Fachkenntnissen. «Dieser Speaker ist gut. Er versteht etwas und behält immer den Überblick, wenn die Fahrer ihre Runden drehen», sagt ein Zuschauer in Oerlikon. Dies sei nämlich gar nicht so einfach. Aber: «Er spricht hier in Zürich einfach den falschen Dialekt.»

«Wipfli bringt Emotionen rüber»

Seit er pensioniert ist, hat Geni Wipfli mehr Zeit für seine Frau Monika und seine vier Enkelkinder. Und bei schönem Wetter ist er mit dem Rennvelo regelmässig auf den Urner Pässen anzutreffen. «Geni Wipfli lebt für den Radsport und der Radsport lebt von ihm», sagt der ehemalige Radprofi Franco Marvulli. Der Zürcher bildete nach dem Rücktritt von Kurt Betschart zusammen mit Bruno Risi ein Duo. Gemeinsam gewannen sie 2004 Olympia-Silber. Marvulli hat Wipfli als Betreuer kennen gelernt. «Es gibt kaum jemanden, der mit einer so grossen Euphorie dabei ist», sagt Marvulli. Wipfli lebe mehr für den Radsport als manch ein Sportler. «Wenn Geni uns anfeuerte, hat er dabei oft mehr geschwitzt als die Sportler selber.» Diese Freude spüre man nun auch beim Speaker. «Geni Wipfli bringt einfach Emotionen rüber.»

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