URI: Die Regierung sieht beim Energiesparen noch Potenzial

Die Gebäude sind energiesparender als früher. Doch die Regierung sieht vor allem bei Fahrzeugen noch Verbesserungsmöglichkeiten.

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In Uri sind bereits 180 Fotovoltaikanlagen im Einsatz. (Bild pius Amrein)

In Uri sind bereits 180 Fotovoltaikanlagen im Einsatz. (Bild pius Amrein)

Die Urner Regierung ist überzeugt, dass der Kanton Uri mit seiner Energiestrategie auf dem richtigen Kurs ist. Das schreibt sie in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Alf Arnold (Grüne, Altdorf). Das grosse Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft soll bis 2050 erreicht werden. Bis zum Meilenstein 2020 seien dahingehend bereits deutliche Fortschritte erzielt worden – besonders in den Bereichen Wärme und Strom. Abgeleitet von schweizweiten Zahlen beträgt die Dauerleistung pro Kopf in Uri bereits heute weniger als 5000 Watt. Dies sei auf erfolgreiche Förderprogramme zurückzuführen – wie etwa für Wärmepumpen oder Holz.

180 Dächer liefern Strom

Die Energiestrategie sieht vor, dass bis 2020 der Anteil erneuerbarer Energien im Gebäudebereich von 5 auf 25 Prozent steigt. «Erste Abschätzungen zeigen, dass dieses Ziel erreicht wird», so die Regierung. Ein genaues Messinstrument zur gesamten Erfassung muss aber noch entwickelt werden. Von 2010 bis 2015 gingen beim Kanton 1500 Gesuche um Förderbeiträge ein. Insgesamt wurden 5,2 Millionen Franken für die CO2-Reduktion eingesetzt, womit 4200 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden können. Weitere 4 Millionen Franken wurden im Rahmen des nationalen Gebäudeförderungsprogramms ausbezahlt, was eine jährliche CO2-Reduktion von 1800 Tonnen ausmacht. In Uri gibt es im schweizweiten Vergleich zudem mehr Wärmepumpen als im Durchschnitt der Kantone. Positiv wirken sich auch Holzwärmeverbunde wie etwa von Göschenen/Andermatt oder in der Brikermatte aus. In Uri konnten inzwischen 180 Fotovoltaik- und vier Windanlagen in Betrieb genommen werden. Diese produzieren rund 6,6 Gigawattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Das Kleinkraftwerk Bristen liefert jährlich 14 Gigawattstunden. Gegenüber früher konnte der Energieverbrauch von Neubauten um 27 Prozent gesenkt werden, dies aufgrund von neuen Bauvorschriften. 2009 wurde vorgeschrieben, dass neue Gebäude mindestens 20 Prozent ihres Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien abdecken müssen. So wurden die meisten Neubauten mit Wärmepumpen oder Holzheizungen (respektive einem Anschluss an einen Wärmeverbund) ausgestattet. Bis heute wurden im Kanton Uri 145 zertifizierte Minergie-Objekte gebaut, welche die gesetzlichen Energieanforderungen deutlich unterschreiten. 20 Prozent mehr Fahrzeuge Wie der Regierung bekannt ist, war das Einsparpotenzial bei den bestehenden Gebäuden hoch. «Eine weitere gehaltvolle Reduktion in den nächsten Jahren ist nur mit entsprechend grösseren und allenfalls mit zusätzlichen Anstrengungen zu erreichen», hält die Regierung fest. Sie verheimlicht aber auch nicht, dass gewisse Faktoren zu einer schlechteren Ausgangslage geführt hätten. So hat die Wohnfläche seit 2006 um 200 000 Quadratmeter (plus 12 Prozent) zugenommen, wobei die Anzahl Einwohner nur um 2 Prozent (800 Personen) stieg. Gleichzeitig wurden 20 Prozent mehr Fahrzeuge (4739 Stück) immatrikuliert. Harmonisierung geplant Die Regierung ist sich bewusst: Um die Ziele zu erreichen, sollen die Förderprogramme konsequent weitergeführt werden. Ein wichtiger Schritt sei nun die Gesetzgebung zu den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2014, kurz «Muken 2014». Damit würde die Energiepolitik im Gebäudebereich über alle Kantone harmonisiert. «Ferner tragen gute Rahmenbedingungen für die Nutzung der einheimischen erneuerbaren Energie zur Zielerreichung bei», so die Regierung. Im Bereich der Fahrzeuge seien keine Massnahmen definiert, gibt die Regierung zu und beruft sich hierfür auf den Bund. Es bestehe aber noch Handlungsbedarf.

Florian Arnold

Alf Arnold vertritt eine andere Meinung

zf. Landrat Alf Arnold ist der Aufwand, der fürs Energiesparen eingesetzt wird, nach wie vor zu gering. «Trotz aller Sparanstrengungen haben unter dem Strich die CO2-Emissionen zugenommen», schreibt er in einer Stellungnahme an die Medien. Arnold rechnet vor: Zwar hätten mit den Förderprogrammen insgesamt 6600 Tonnen CO2 eingespart werden können. Durch die steigende Zahl an Fahrzeugen sei aber eine zusätzliche Luftbelastung von 9300 Tonnen CO2 entstanden. «Einer Einsparung von 0,18 Tonnen CO2 pro Person im Gebäudebereich steht eine Mehrproduktion von 0,25 Tonnen im Bereich der Mobilität gegenüber», so der Altdorfer Landrat.

Ausserdem bleibe die Quote von Gebäuden, die mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet seien, mit 1,9 Prozent auf einem vernichtend kleinen Stand. Noch geringer sei mit 1,6 Prozent der Anteil an Gebäuden mit Minergiezertifikat.

«Aus meiner Sicht kann es aus diesen Zahlen nur eine Konsequenz geben: Die bestehenden Massnahmen im Gebäudebereich müssen nicht nur weitergeführt werden, sie müssen durch weitere Massnahmen ergänzt werden», so Arnold. Chancen sieht er wie die Regierung in den Gesetzesänderungen, die sich aus den «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich» ergeben. Für ihn ist klar: «Zusätzlich braucht es dringend Massnahmen im Mobilitätsbereich, damit die steigende Mobilität die Erfolge im Gebäudebereich nicht laufend auffrisst.»