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URI: Die Touristenattraktion am Furkapass schmilzt dahin

Die Familie Carlen betreibt seit vier Generationen die Eisgrotte am Rhonegletscher. Nun rüstet sie sich für eine ungewisse Zukunft.
Elias Bricker
Philipp Carlen in der Eisgrotte: Der Klimawandel macht der Sehenswürdigkeit am Furkapass zunehmend zu schaffen. (Bild Manuela Jans)

Philipp Carlen in der Eisgrotte: Der Klimawandel macht der Sehenswürdigkeit am Furkapass zunehmend zu schaffen. (Bild Manuela Jans)

Von seinem Wohnzimmer aus hat er die beste Aussicht auf den Rhone­gletscher und die Walliser Alpen. Denn während der Sommermonate lebt Philipp Carlen an den Wochenenden beim «Belvédère» am Furkapass. Der Briger Rechtsanwalt führt zusammen mit seiner Frau Rosmarie nebenbei die Tourismusbetriebe am Rhonegletscher. Ihre Attraktion schlechthin ist die Eisgrotte – ein rund 120 Meter langer Tunnel im ewigen Eis. Zuhinterst in der Grotte gibt es einen Hohlraum, in dem regelmässig Veranstaltungen wie Apéros stattfinden. Zudem wird dort auch Walliser Wein in Holzfässern gelagert. Jeden Frühling, lange bevor die Strasse über den Urner Alpenpass eröffnet wird, brechen sechs bis sieben Männer den Tunnel neu aus – wegen den Bewegungen des Gletschers muss er jedes Jahr wieder erstellt werden.

Eingang ist immer weiter weg

An kaum einem Ort ist die Klimaerwärmung und der Gletscherschwund offensichtlicher als am Furkapass. Reichte der Rhonegletscher um 1850 noch bis zur Siedlung Gletsch, wurde er seither immer kleiner. Lange Zeit waren die imposanten Eismassen gleich neben der Passstrasse ein beliebtes Fotosujet. Und bis in die 1980er-Jahre befand sich auch der Eingang zur Eisgrotte gleich hinter dem Haus beim «Belvédère», indem sich der Souvenirshop und Carlens Wohnung befinden. Doch heute stechen den Passfahrern vor allem Geröllhalden ins Auge. Auf den ersten Blick nimmt man den Gletscher gar nicht mehr wahr. Zudem müssen die Besucher von der Passstrasse heute rund zehn Minuten über Kieswege gehen, um den Grotteneingang zu erreichen. «Das wirkt sich jetzt auch auf die Besucherzahlen aus», sagt der 55-jährige Philipp Carlen. «Gerade für ältere Leute ist es nicht mehr so einfach, die Grotte zu besuchen. Dabei ist sie eigentlich rollstuhlgängig», so der Briger. «In den vergangenen fünf Jahren war der Gletscherrückgang zudem besonders extrem», sagt Gletscherexperte David Volken. «Alleine seit 2011 ist der Rhonegletscher um 165 Meter geschrumpft.» Wo sich noch vor zehn Jahren grosse Eismassen türmten, hat sich nun ein grosser See gebildet. «Der Gletscher wird auch in diesem Jahr wieder schmelzen», so Volken. «Ein Ende des Rückgangs ist nicht in Sicht.»

Arbeiter sind täglich im Einsatz

Die Betreiber der Eisgrotte sind deshalb gefordert. Alleine während der vier- bis fünfmonatigen Sommersaison verliert die Gletscherzunge, wo sich die Grotte befindet, jeweils rund zehn Meter Höhe. Deshalb sind zwei Arbeiter fast täglich im Einsatz, kontrollieren den Tunnel auf die Sicherheit und müssen den Eingang der Grotte immer wieder neu verschieben. Zudem ist der ganze Bereich des Eistunnels mit einem Vlies abgedeckt. «Den Gletscherschwund können wir zwar so nicht verhindern», sagt Carlen. «Doch wir können dank ihm das Abschmelzen relativ erfolgreich hinauszögern.» Trotzdem stellt sich die Frage, wie lange die Eisgrotte noch betrieben werden kann? «Theoretisch können wir die Grotte noch lange offen halten», sagt Carlen. «Doch irgendwann werden wir uns überlegen müssen, ob sich der Aufwand überhaupt noch lohnt – vor allem auch, weil sich der Eingang auch immer weiter weg von der Passstrasse verschiebt.»

Älpler haben erste Grotte gebaut

Carlen sagt weiter: «Der Gletscherrückgang stimmt mich traurig.» Denn seine Familie betreibt die Eisgrotte bereits in der vierten Generation. Schon um 1870 erstellten ihre Vorfahren einen Eistunnel – damals noch im Tal bei der Siedlung Gletsch. Die Älpler von Gletsch hatten dadurch einen touristischen Nebenerwerb. Seit 1894 befindet sich die Grotte aber beim «Belvédère». «Dass dereinst eine fünfte Generation die Grotte betreiben kann, scheint angesichts des Gletscherrückgangs immer unwahrscheinlicher», so Carlen.

Kneippen am Gletscherrand

Trotz des Gletscherschwunds – oder erst recht wegen ihm – investiert die Familie Carlen jetzt. So erstellt sie nun zusammen mit den beiden Walliser Gletscherexperten David Volken und Benedikt Schnyder einen Lehrpfad, auf dem die Besucher der Eisgrotte mehr über den Rhonegletscher erfahren können. Die erste Etappe wurde gestern Nachmittag mit einer speziellen Tanz- und Musikperformance des Tanzstudius Artichoc aus Brig eröffnet, welche auch die Sagen- und Armen-Seelen-Geschichten behandelte, die sich um den Gletscher ranken.

Das zweite Wegstück soll dann im kommenden Jahr fertiggebaut werden. Gleichzeitig wurde gestern Samstag beim «Belvédère»-Parkplatz einen Kneipp- und Alpengarten mit verschiedenen Wasserbecken feierlich eröffnet. «Wir müssen uns für die Zukunft rüsten», sagt dazu Philipp Carlen. «Wir wissen ja nicht, wie lange es die Eisgrotte noch gibt.»

Elias Bricker

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