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URI: Die Wolfsgegner formieren sich

Theo Zurfluh macht sich stark für den Schutz seiner Schafe und wettert gegen den Wolf. Wer sich gegen das Tier zur Wehr setze, werde als Schwerverbrecher abgestempelt, sagt er. Mit einer neuen Vereinigung will er aufklären – und Druck aufbauen.
Florian Arnold
Theo Zurfluh verfüttert seinen Schafen auf seinem Heimbetrieb im Isenthal Brot. Bild: Urs Hanhart (Isenthal, 18. November 2016)

Theo Zurfluh verfüttert seinen Schafen auf seinem Heimbetrieb im Isenthal Brot. Bild: Urs Hanhart (Isenthal, 18. November 2016)

Es ist ruhig im Grosstal hinter dem Dorf Isenthal. Nur ein helles Bimmeln und von weiter weg das Brummen eines Krans sind zu hören. «Oooh, oooh!», ruft Theo Zurfluh mit lauter Stimme über die steile Wiese und wackelt ein wenig mit seiner roten Schüssel. Zaghaft drehen sich ein paar Schafe um. «Oooh, oooh!», wiederholt er. Und plötzlich werden es mehr Tiere, die hinter den Hügeln hervorkommen, bis sich eine Herde um den Mann mit dem Schnauz versammelt. Genüsslich fressen die Tiere vom getrock­neten Brot.

Genau an dieser Stelle geschah es. Zurfluh erinnert sich: Ein Mann hatte im Juni dem Schafzüchter ein totes Schaf gemeldet. Als er mit seinem Töff nachschauen ging, gab es für ihn keinen Zweifel: Der Wolf ist da. Die Befürchtung bestätigte sich, als er sich gemeinsam mit dem Wildhüter auf die Suche nach weiteren gerissenen Schafen machte. Vor seinem Heimbetrieb verlor er sieben Schafe, auf der Alp Surenen bei einem weiteren Wolfsangriff sechs. Insgesamt wurden neun Muttertiere gerissen.

«Als Schwerverbrecher abgestempelt»

Der Landwirt zeigt auf ein dunkles Schaf: «Das hier hat der Wolf am Ohr erwischt. Es ist zum Glück davongekommen.» Eine Narbe ist noch zu sehen. «Bei uns Älplern gilt der Grundsatz, dass man zu Heim und Hof schaut», sagt der Landwirt. «Wir bekämpfen das, was uns schadet: Ungeziefer, Mäuse, Maulwürfe. Aber wenn man sich gegen den Wolf zur Wehr setzt, wird man fast als Schwerverbrecher abgestempelt.» Das soll sich nun ändern. Aus Kreisen des Bauernverbandes hat sich eine Interessengemeinschaft zusammengefunden zur «Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren in der Zentralschweiz» (siehe Box). Diese hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung aufzuklären. «Wir sind Tierschützer», so Zurfluh. Nur hätten sie eine etwas andere Auffassung von der Bedeutung dieses Namens als die etablierten Organisationen. «Man kann nicht für den Wolf sein und gleichzeitig nicht über die Nutztiere nachdenken.» Die Schafe seien sehr nützliche Tiere für die Bewirtschaftung von schwer zugänglichen Berggebieten. «Sie verdienen einen speziellen Schutz», so Zurfluh. Was hingegen der Nutzen eines Wolfes sein soll, ist dem Bergbauern nicht bekannt. Besonders schlimm sei der Trieb des Wolfes, mehrere Tiere bei einem Angriff zu verletzen, und nicht nur jene, von denen er sich ernähre. «Wir sind nicht gegen den Wolf als solches», stellt Zurfluh klar. «Aber es gibt kein vernünftiges Nebeneinander zwischen Berglandwirschaft und dem Wolf.» Das Argument, dass das Raubtier schon früher da gewesen sei als der Mensch, lässt er nicht gelten. «Vor mehr als 150 Jahren hat man den Wolf von hier vertrieben. Heute leben aber dreimal mehr Menschen in der Schweiz auf der gleichen Fläche. Das kann doch nicht aufgehen.»

Und was ist mit dem Herdenschutz? «Es gibt keine Variante, mit der man sich vor dem Wolf zu hundert Prozent schützen kann», sagt Zurfluh. Es stimme schlicht und einfach nicht, dass 95 Prozent der Alpen schützbar seien. «Bei mir zum Beispiel ist es nicht möglich, das ganze Gebiet ein­zuzäunen. Es besteht aus Wald, Wiesen und Hügeln.» Zudem könnten Wölfe über sehr hohe Zäune springen. Und Herdenschutzhunde schadeten dem Tourismus. Als vom Wolf grosse Gefahr ausging, hat sich Zurfluh diesen Sommer dafür entschieden, seine Tiere Abend für Abend in den Stall zu treiben – zähneknirschend: «Schafe fressen eigentlich im Sommer lieber in der Nacht», sagt er. Durch das Eintreiben am Abend werde der natürliche Rhythmus gestört.

DNA-Tests sollen Klarheit bringen

Vielen sei die Lust an der Schafhaltung vergangen. «Ich beisse noch etwas durch», sagt Zurfluh. «Doch wenn es noch weitere fünf Jahre so weitergehen sollte, werde auch ich keine Schafe mehr haben.» Seine Hoffnung liegt auf der Vereinigung. Unter anderem will er beweisen, dass der Wolf im Isenthal ausgesetzt wurde. Obwohl ihm bekannt ist, dass Wölfe riesige Distanzen zurücklegen können, glaubt er nicht daran, dass er von allein ins Isenthal gelang. Mit DNA-Tests will er ausfindig machen, ob der Wolf von einem Tierpark stammt.

Florian Arnold

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