Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

URI: Ein Husarenritt wie im Rausch

Die Biker Erich Arnold, Christof Arnold und Marcel Hardegger sind auf Singletrails zum inoffiziellen Weltrekord gerast. Dabei mussten sie hohe Hürden meistern.
Rekordhalter: Marcel Hardegger, Erich Arnold und Christof Arnold (von links) haben 21 832 Tiefenmeter mit dem Bike zurückgelegt. Hinten: Chauffeur Mathias Arnold. (Bild: PD)

Rekordhalter: Marcel Hardegger, Erich Arnold und Christof Arnold (von links) haben 21 832 Tiefenmeter mit dem Bike zurückgelegt. Hinten: Chauffeur Mathias Arnold. (Bild: PD)

Sven Aregger

Er spürt seine strapazierten Arme und Beine. Aber sonst fühlt sich Erich Arnold gut. So gut, als hätte er am Vortag eine ganz gewöhnliche Biketour unternommen und nicht einen 16-stündigen Husarenritt über Stock und Stein. «Ich realisiere erst langsam, was wir geleistet haben», sagt er.

Die Leistung kann sich sehen lassen: Erich Arnold (45) hat am Montag gemeinsam mit seinen Urner Mountainbike-Kollegen Christof Arnold (42) und Marcel Hardegger (40) einen inoffiziellen Weltrekord auf Singletrails – also auf schmalen Pfaden – bergabwärts aufgestellt. Inoffiziell darum, weil die drei Amateurbiker aus finanziellen Gründen auf eine amtliche Bestätigung des Rekordinstituts verzichteten. Insgesamt haben sie an einem Tag 19 Singletrails im Urner Unterland bewältigt und dabei 21 832 Tiefenmeter zurückgelegt. Sie unterboten damit die bisherige Bestmarke von 20 616 Tiefenmetern, die zwei Walliser kürzlich im Aletschgebiet aufgestellt hatten (siehe Box). Zum Vergleich: Die Distanz entspricht etwa dreissigmal der Downhill-Strecke vom Haldi nach Schattdorf.

Nonstop auf Tour

Für die Rekordmarke mussten die drei Urner denn auch an ihre Grenzen gehen. Von 4.30 bis um 20.45 Uhr waren sie 16 Stunden und 15 Minuten nonstop unterwegs. Vorgabe: Keiner der Singletrails durfte mehr als einmal befahren werden. In die Gebiete gelangten sie per Seilbahn oder per Autotransport: zweimal Kinzig, achtmal Ruogig, dreimal Brüsti, fünfmal Haldi und einmal Gitschital. Bei der Bergstation Ruogig wurden sie von Helfern mit Elektrovelos jeweils auf den höchsten Punkt gezogen, wo sie die Strecken talwärts in Angriff nahmen. Im Tal angekommen, liessen sie sich von Begleitpersonen mit dem Auto wieder zur Bahn befördern. Dort standen Mechaniker und weitere Helfer bereit, die sich um die Velos kümmerten und die Biker verpflegten. Insgesamt standen rund zehn Freiwillige im Einsatz. «Das war ein grosse logistische Herausforderung», sagt Urs Riedi, der die Biker mit der Kamera begleitete.

Auch sportlich waren die Hürden hoch. Da es in der Nacht auf Montag geregnet hatte, fuhren die Biker zunächst auf nassen Trails. Zudem war es auf den ersten Abfahrten noch dunkel und neblig. «Normalerweise hätten wir die ganze Sache verschieben müssen. Aber organisatorisch war es nicht anders möglich», sagt Riedi. Dabei gelten die Bike­trails im Kanton Uri an sich schon als äusserst anspruchsvoll. Riedi: «Die steilen und steinigen Strecken mit engen Spitzkehren sind technisch sehr schwer zu bewältigen. Die Mehrheit kann das nicht fahren.»

Angst vor Zusammenbruch

Auch Erich Arnold hatte zu Beginn seine Zweifel. «Meine grösste Sorge war, dass wir irgendwann psychisch und physisch zusammenbrechen», sagt er. «Aber das Gegenteil war der Fall. Wir sind in einen Rausch gefahren. Ich war die ganze Zeit konzentriert, angespannt und voller Adrenalin.» Abgesehen von einigen kleinen Stürzen blieben die Biker unfallfrei. Auch von gröberen Schäden an den Velos wurden sie verschont. Zweimal musste ein platter Reifen gewechselt und einmal alle Bremsbeläge ausgetauscht werden.

«Wir sind glücklich, dass alles reibungs­los geklappt hat. Ohne die grossartige Unterstützung der Helfer, Bahnbetreiber und Sponsoren wäre das nicht möglich gewesen», betont Arnold.

Trails bleiben ein Geheimnis

Die Mountainbiker werden ihre Trails nicht veröffentlichen, zumal die Wege bisweilen über private Liegenschaften führen. Nichtsdestotrotz wird der inoffizielle Weltrekord in der Szene für Aufsehen sorgen. Arnold will das aber nicht überbewerten. Er geht davon aus, dass der Rekord schon im nächsten Jahr wieder gebrochen wird. «Wir wollten einfach sehen, was an einem Tag auf Urner Singletrails möglich ist», sagt er. «Es war ein riesengrosses Erlebnis.»

Ein Husarenritt, den Erich Arnold, Marcel Hardegger und Christof Arnold erst noch richtig verarbeiten müssen.

Bike-Zwillinge liefern die Idee

Seit einigen Jahren jagen sich Biker die Rekorde auf Singletrails gegenseitig ab. Im Juli 2014 stellten die Zwillinge und Enduro-Profis Anita und Caroline Gehrig in Vintschgau im Südtirol einen inoffiziellen Weltrekord von 15 117 Tiefenmetern auf. Sie lösten Thomas Frischknecht und Thomas Giger ab, die im Herbst 2013 an einem Tag 13 572 Tiefenmeter zurückgelegt hatten. Die Sommer-Challenge der zwei Bikerinnen war vom Schweizer Fernsehen begleitet worden. So kamen die Urner Erich Arnold und Marcel Hardegger am Rande eines Amateur-Rennens auf die Idee, ebenfalls einen Rekordversuch zu wagen. Sie konnten auch Christof Arnold vom Vorhaben überzeugen. Die drei Männer sind in ihrer Freizeit oft gemeinsam mit dem Bike unterwegs. Sie haben sich monatelang auf den Rekord vorbereitet und Strecken und Zeitpläne getestet. Mitte Mai absolvierten sie eine Übungsfahrt mit 11 000 Tiefenmetern, bevor sie am Montag den Rekord realisierten.

Walliser mit Vorteilen

Kurz vor dem Erfolg der Urner, am 11. Juli, hatten Ken Imhasly und Alain Gwerder in der Aletschregion VS einen Singletrail-Weltrekord mit 20 616 Tiefenmetern gefeiert, der von einer Jury offiziell anerkannt wurde. Gegenüber den Urnern hatten sie drei Vorteile: Erstens konnten sie ihre Fahrten bei besten äusseren Bedingungen bewältigen. Zweitens mussten sie nur drei Bergbahnen benutzen, die so gross waren, dass eine Betreuung in der Bahn – ohne Zeitverlust – möglich war. Drittens stand ihnen ein grösseres Budget zur Verfügung. Die Urner hatten somit die deutlich schwierigere Voraussetzungen als ihre Walliser Kollegen. Das macht den Rekord von Christof Arnold, Marcel Hardegger und Erich Arnold noch bemerkenswerter.

Die schmalen, steilen und steinigen Pfade verlangten von den Bikern viel technisches Können ab. (Bild: Sven Aregger)

Die schmalen, steilen und steinigen Pfade verlangten von den Bikern viel technisches Können ab. (Bild: Sven Aregger)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.