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URI: Eindrückliche Szenen dank Lichttechnik

Bei der «Tell»-Inszenierung in Altdorf wird mit Technik nicht gegeizt. Mit viel Aufwand setzt Rolf Derrer die rund 80 Spieler ins rechte Licht.
Daniel Regli
Aus der Tellspiel-Probe: Die gesamte Rütli-Landschaft wird mit Laser- und Videotechnik auf die Bühne des Theaters Uri projiziert. (Bild F. X. Brun)

Aus der Tellspiel-Probe: Die gesamte Rütli-Landschaft wird mit Laser- und Videotechnik auf die Bühne des Theaters Uri projiziert. (Bild F. X. Brun)

Daniel Regli

Das Rütli wird in der Nacht des Eids vom Vollmond erhellt, die Berge am Horizont glänzen im Schein des Mondlichts, mystische Wolken ziehen vorbei. Bei der Inszenierung von «Tell» 2016 in Altdorf (Premiere am 20. August) wird mit einigem technischem Aufwand der Auftritt der rund 80 Schauspieler unterstützt. So werden mit Lasertechnik Berge gezaubert und mit Videoprojektionen Wolken zum Leben erweckt. Das Bühnenlicht wiederum schafft Szenen aus dem Nichts, hält sich aber, wenn nötig, auch dezent im Hintergrund.

Das Salz in der Suppe

Philipp Becker, der deutsche Regisseur von Tell 2016, sieht das Licht als Reaktionsbeschleuniger: «Es soll die Spieler bei ihrem Engagement ins rechte Licht setzen.» Es gibt Produktionen, da nutzt Becker viel weniger Lichtstimmungen: «Insbesondere dann, wenn ich der Meinung bin, das Licht würde ablenken.» Nicht so bei Tell 2016: «Hier soll das Bühnenlicht das Salz in der Suppe sein und Stimmungen bauen.»

Er wolle dem Lichttechniker nicht sagen, wie das Licht aussehen soll, erklärt Philipp Becker seine Philosophie der Zusammenarbeit. «Ich bringe die konzeptionelle Vorleistung, und im Idealfall springen andere Leute mit ihren Kompetenzen darauf an und reichern diese an.»

Mit Reinhart-Ring ausgezeichnet

Bei der Aufführung von Schillers «Tell» im Theater Uri in Altdorf hilft Rolf Derrer mit seiner Kompetenz beim Anreichern der Beckerschen Ideen. Der 68-jährige Zürcher ist freischaffender Lichtdesigner und arbeitet seit Jahrzehnten für zahlreiche Bühnen auf der ganzen Welt. Für sein Schaffen wurde er mit dem Reinhart-Ring ausgezeichnet. «Meine Auf­gabe ist es, die Dramaturgie des Lichtes auf die jeweiligen Theaterproduktionen abzustimmen», erklärt Derrer. Für die Tellspiele macht er das übrigens bereits seit 40 Jahren.

In diesem Jahr aber zum ersten Mal für Philipp Becker. Zuerst gab es eine Besprechung, dann folgte die Lichtplanung. «Nun arbeite ich selbstständig und teile dem Regisseur jeweils meine Vorschläge mit», erläutert Derrer. Für «Tell» 2016 wurden in erster Linie Stimmungen gefordert: «Das Licht soll eine Aussage machen und bildnerisch in Erscheinung treten.» Für die «Tell»-Aufführung wird viel Technik verwendet. Diese soll vor den Zuschauern nicht verborgen werden. Die Bühne bei «Tell» 2016 ist darum nackt. Sämtliche Seilzüge und auch beinahe alle Beleuchtungsgeräte sieht das Theaterpublikum gänzlich unverhüllt.

Ein grosser Teil von Derrers Arbeit vor Ort besteht aus Programmierung: «Das Licht auf Tells Bühne ist nicht statisch, sondern manchmal auch in Bewegung.» In der Fachwelt spricht man von «Moving Lights». Da während der Ablaufprogrammierung nicht ständig Schauspieler auf der Bühne stehen, braucht es darum während der Schauspielproben individuelle Anpassungen: «Ich richte das Licht dann genau dorthin, wo ich es brauche.» Beleuchtungsproben wie früher gibt es nicht mehr. Vielmehr ist alles ein fliessender Prozess.

Die Sehgewohnheiten des Publikums hätten sich seit seinem ersten Tellspiel-Engagement stark verändert, sagt Rolf Derrer. «Heute sind die Zuschauer schnelle Schnitte und kurze Clips gewohnt.» Diese neuen Ansprüche gilt es auch im Theater zu befriedigen – unter anderem mit Lasertechnologie und Projektionen.

Für diese Spezialeffekte greift der Lichtdesigner auf externe Dienstleister zurück. So etwa hat Valentin Pfisterer von der Firma Laserwerk in Bern extra für die Tellspiele 2016 eine Projektion der Rütli-Landschaft bei Nacht geschaffen. Rolf Derrers Aufgabe wiederum ist es, dieses strahlende Rütli in sein Beleuchtungskonzept zu integrieren. «Die Rütli-Projektionen dürfen nicht vom Bühnenlicht erdrückt werden, damit man sie auch genügend stark wahrnimmt.»

Inklusive Nachwuchsförderung

Das Prinzip der Tellspiele, überwiegend mit Laien zu arbeiten, wird auch bei der Technik übernommen. «Seit meinem ersten Engagement in Altdorf habe ich immer geschaut, dass jemand vor Ort sich in die Lichttechnik einarbeiten kann», erzählt Derrer.

Heuer sind es gleich fünf junge Leute, die diese Gelegenheit nutzen. «Sie dürfen zweimal auf der neusten Anlage des Theaters Uri an einer Schulung teilnehmen und erhalten so die Grundlagen der Bühnenlichttechnik vermittelt.» Wenn jemand will, kann er sich damit ein neues Hobby schaffen oder gar die berufliche Laufbahn als Beleuchtungstechniker einschlagen. Derrer fühlt sich Altdorf gegenüber verpflichtet und ist darum gerne bereit, sein breites Wissen weiterzugeben.

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