URI: Eine Koblenzerin ist verliebt in Unterschächen

Doris Schiller sucht im Kanton Uri nach Bauernhöfen, auf welchen sie arbeiten kann. Das Spezielle: Sie ist Deutsche und hat sich schon als Kind in den Kanton verliebt.

Matthias Stadler
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Doris Schiller in Unterschächen. (Bild: Privatarchiv Doris Schiller)

Doris Schiller in Unterschächen. (Bild: Privatarchiv Doris Schiller)

Auf den ersten Blick verbindet Koblenz am Mittelrhein und Bürglen nicht viel. Knapp 113000 Einwohner leben in der Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz, deren 4000 sind es im Dorf Richtung Klausenpass. Die einen sprechen Moselfränkisch, die anderen Urner Dialekt.

Dass das Wasser des Schächens irgendwann auch durch Koblenz fliesst, ist wohl eines der wenigen gemeinsamen Merkmale. Ein zweites ist Doris Schiller. Die Deutsche kehrt seit ihrer frühesten Kindheit immer wieder nach Bürglen zurück. Die 59-jährige Koblenzerin war so oft im Urnerland, dass sie es als «meine zweite Heimat» bezeichnet. «Jedes Mal, wenn ich mit dem Zug von Deutschland in Luzern ankomme und danach den Vierwaldstättersee sehe, stehe ich nur noch am Fenster und sauge die Landschaft ein.»

Kindheitserinnerungen an Bürglen

Doris Schiller ist so sehr in den Kanton Uri vernarrt, dass sie hier für die nächsten paar Sommer eine Bleibe auf Bauernhöfen sucht. Sie würde den Landwirten während der wärmeren Monate gerne ihre Unterstützung im Haushalt und Büro anbieten im Austausch für Kost und Logis. Doch wieso gerade Uri? «Ich verbinde die Region – speziell um Bürglen – mit meiner Kindheit. Wir kamen immer wieder hierher in den Urlaub», erklärt sie. Zum ersten Mal sei sie als kleines Mädchen wohl um 1960 hier gewesen. Die Gastfreundschaft der Zeltplatzfamilie und einer in der Nähe wohnenden Sennenfamilie sei ihr speziell gut in Erinnerung geblieben. Und so entwickelte sich eine Liebe zum Kanton – mit Ausnahme der rebellischen Jugendjahre. «Ich bin mittlerweile zwischen 30 und 40 Mal in den Kanton Uri gefahren», führt Doris Schiller aus.

Den Dialekt versteht sie ohne Mühe, da sie als Kind mit gleichaltrigen Urnern gespielt habe und so die Eigenheiten der hiesigen Sprache lernte. Alte Urner Sagen habe sie in der Originalverfassung im Dialekt gelesen. Und natürlich kenne sie die Geschichte von Wilhelm Tell – aufgeschrieben von ihrem berühmten Namensvetter Friedrich Schiller.

Unterschächen ist ihr Lieblingsort

Ihr Wunsch nach Arbeit in den Sommermonaten im Kanton Uri («ich bin kein Wintertyp, in Koblenz ist es im Winter nicht ganz so kalt wie in Unterschächen») ist bereits teilweise Realität geworden. So hat die gelernte Kauffrau eine Familie in Unterschächen gefunden, bei welcher sie vergangenen Sommer mithelfen konnte und wohl auch nächstes Jahr mittut. «Die Bäuerin ist in der Wildkräuterverarbeitung aktiv, dort half ich mit.» Und auch sonst unterstützte sie die Familie. Das reicht ihr aber noch nicht: «Ich möchte mir in Uri ein Netzwerk von verschiedenen Bauern aufbauen.» Dies, damit sie nicht nur wenige Wochen, sondern ein paar Monate bei verschiedenen Bauern hier bleiben kann. Dabei ist ihre bevorzugte Destination mittlerweile Unterschächen: «Ich schätze das Ursprüngliche, das Traditionelle hier. Die Zeit ist im positiven Sinn stehen geblieben.» Bürglen sei Doris Schiller mittlerweile «zu überbaut» – zumindest verglichen zu den 60er-Jahren.

Übrigens: Dass die Deutsche zum Kanton Uri und zur Landwirtschaft passt, bezeugt nicht nur ihr Nachname (Schiller), sondern auch ihr Mädchenname (Bauer).

Hinweis:Wer der 59-jährigen Deutschen etwas anbieten möchte, kann sich bei Ihr per E-Mail melden: doris_schiller2@yahoo.de

Matthias Stadler
matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Doris Schiller (mit Brille) und ihre Eltern Anfang der 70er-Jahre am Fondueessen bei einer Urner Familie in Bürglen. (Bild: Privatarchiv Doris Schiller)

Doris Schiller (mit Brille) und ihre Eltern Anfang der 70er-Jahre am Fondueessen bei einer Urner Familie in Bürglen. (Bild: Privatarchiv Doris Schiller)