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URI: «Englisch ist die wichtigste Sprache»

Das Kollegi führt 2016 die bilinguale Matura ein. Das Interesse daran ist gross. Der Verantwortliche Gustav Arnold sagt, was auf die Schüler und Lehrer zukommt.
Interview Florian Arnold
Gustav Arnold: «Es war nicht einfach, Lehrer zu finden, die das sprachliche Niveau aufweisen, um ihr Fach in Englisch zu unterrichten.» (Bild: Archiv LZ)

Gustav Arnold: «Es war nicht einfach, Lehrer zu finden, die das sprachliche Niveau aufweisen, um ihr Fach in Englisch zu unterrichten.» (Bild: Archiv LZ)

Gustav Arnold ist Englischlehrer am Kollegi und Dozent an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Jetzt ist der Urner verantwortlich, dass an der Kantonalen Mittelschule Uri die bilinguale Matura eingeführt wird.

Gustav Arnold, die bilinguale Matura wird neu am Kollegi angeboten. Was ist darunter zu verstehen?

Gustav Arnold: Gewisse Fächer werden ab Sommer 2016 neu statt auf Deutsch hauptsächlich in Englisch unterrichtet. In unserem Fall sind das Physik, Biologie, Chemie, Geschichte und Geografie.

Bei so viel Englisch können die Schüler doch plötzlich nicht mehr richtig Deutsch.

Arnold: Das ist ein Trugschluss. Bilingualer Unterricht bedeutet nicht, dass Deutsch keinen Stellenwert mehr hat. Komplexe Sachverhalte können kurz in der Muttersprache zusammengefasst werden. Unter Umständen kann auch ein Arbeitsauftrag teils auf Deutsch gestaltet werden. Vor allem aber wird versucht, ein Sprachbewusstsein zu schaffen. Die Recherchen zeigen, dass die Sprachkompetenzen in der Muttersprache nicht darunter leiden, sondern eher noch gestärkt werden. Natürlich nimmt man aber in Chemie nicht Grammatik durch.

Muss es unbedingt Englisch sein?

Arnold: Englisch ist zu einer Lingua franca geworden, also zu einer allgemeinen Verständigungssprache. Unsere Schüler haben Zugang zu einer globalisierten Welt. Englisch ist zu einem Instrument geworden, über das gewisse Wissensinhalte besser vermittelt werden können. Uri geht mit dem Trend. Die bilinguale Matura ist in der Schweiz fast flächendeckend eingeführt worden.

Kann nun jeder Schüler von diesem Angebot profitieren?

Arnold: Wir können nur eine Klasse pro Jahrgang führen. In der dritten beginnen wir zu rekrutieren. Bis Ende Januar müssen sich die Schüler einschreiben.

Wie ist das Interesse?

Arnold: Es zeichnet sich ein grosses Interesse ab. Deshalb müssen wir aussieben. Die Noten müssen stimmen, und wir wollen lernwillige Schüler, die bereit sind, bis zur Matura 800 Stunden in einer anderen Sprache unterrichtet zu werden. Mit einem Motivationsschreiben müssen sie zeigen, was ihre Beweggründe sind. Am Schluss entscheidet die Schulleitung, wer das Angebot annehmen kann.

Widerspricht das Aussieben nicht dem Gedanken: gleiche Chancen für alle?

Arnold: Das hat man in der Arbeitswelt auch nicht. Der nicht-bilinguale Maturaabschluss zählt an der Universität genau gleich viel. Und die Schüler kommen bis zum Ende der Schulzeit auch ohne den zusätzlichen Unterricht auf ein Niveau, das sie befähigt, einer englischsprachigen Vorlesung an der Uni ohne Probleme zu folgen. Der bilinguale Unterricht fördert einfach gewisse Kompetenzen mehr.

Für die Umsetzung an der Kantonalen Mittelschule Uri sind Sie verantwortlich. Eine Herausforderung?

Arnold: Es war nicht ganz einfach, Lehrpersonen zu finden, die das sprachliche Niveau aufweisen, um ihr Fach in Englisch zu unterrichten. Das wäre an einer grossen Schule vermutlich einfacher. Nach einer Umfrage mussten wir nun fünf Fächer bilingual gestalten, damit die Schüler bis zur Matura auf genügend Lektionen kommen.

Der Landrat hat für die Einführung 330 000 Franken sowie Folgekosten bewilligt. Was macht die Sache so teuer?

Arnold: Es ist sicher die Schulung der Lehrpersonen. Nebst der Möglichkeit eines Auslandaufenthalts müssen die Lehrer bis zum Maturaabschluss 2019 ein Niveau-C2-Zertifikat (Proficiency) vorweisen. Hinzu kommen interne Schulungen und ein Monitoring.

Weshalb?

Arnold: Die Lehrer müssen zusätzliche Hilfestellungen zur Verfügung stellen, etwa Glossare und Lernhilfen für Textanalysen. Der Stoff sollte mit sprachsensitiven Inputs aufbereitet werden. Das heisst, in den unteren Klassen muss immer auch ein sprachliches Gerüst mitgeliefert werden. Von den Lehrpersonen wird aber auch erwartet, dass sie nicht einfach ihren Unterricht in Englisch übersetzen, sondern auch didaktisch anders vorgehen.

Wie genau?

Arnold: Der bilinguale Unterricht versucht, in sprachbetonten Fächern wie Geschichte, Geografie und Biologie Fragestellungen aus dem Kulturraum der Sprache in den Unterricht zu integrieren. Auf diese Weise erreichen die Schüler eine zusätzliche Kompetenz.

Heisst das, der Unterricht wird amerikanisiert?

Arnold: Nein, Englisch ist nicht gleich Amerika. Indien, Neuseeland, Australien und Südafrika gehören genauso zu diesem Sprachraum. Ein Gefühl für andere Kulturen ist eines der Ziele des bilingualen Unterrichts, ohne dass die Schüler ihre eigenen Werte verlieren. Wenn uns das gelingt, gehen wir in die richtige Richtung.

Wie soll das gehen?

Arnold: Über Medien und soziale Kontakte. Heute kann man über E-Mail oder Skype mit einer chinesischen Schulklasse in Verbindung treten. Dieses Erlebnis wird den Schülern viel eher bleiben als ein deutsches Arbeitsblatt über den Konfuzianismus. Wenn wir im 21. Jahrhundert nicht bereit sind, uns mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen, dann werden wir an der Migration scheitern.

Freuen Sie sich auf die Einführung?

Arnold: Ja. Ich bin aber gleichzeitig auch gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird. Englisch ist zurzeit die wichtigste Sprache. Uns wird aber in Zukunft beschäftigen, wie wir mit den eigenen Landessprachen umgehen. Man muss aufpassen, dass die Schüler nicht nur noch alles auf Englisch abwickeln, sondern dass sie auch die anderen Kulturen der Schweiz verstehen. Die einzige Chance ist eine kulturelle Annäherung und nicht eine Abspaltung.

Interview Florian Arnold

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