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URI: Er versucht die Staus zu verhindern

Ein ehemaliger Urner Polizist sorgt dafür, dass der Verkehr in der Schöllenen möglichst gut fliesst. Ärger bereiten ihm vor allem die vielen schlechten Carfahrer.
Ruedi Baumann beobachtet hoch konzentriert, wie sich der Verkehr in der Schöllenen entwickelt. (Bild Bruno Arnold)

Ruedi Baumann beobachtet hoch konzentriert, wie sich der Verkehr in der Schöllenen entwickelt. (Bild Bruno Arnold)

Bruno Arnold

Durchschnittlich 8000 bis 8500 Fahrzeuge schlängeln sich an einem Sommertag durch die engen Kurven der Schöllenen hinauf und hinunter. An Spitzentagen sind es sogar bis zu 13 500 in beide Richtungen. Da die 5,2 Kilometer lange Strasse zwischen Göschenen und Andermatt von 2014 bis 2019 jeweils während der Sommermonate – saniert wird, sind Staus nicht zu vermeiden. «2014 hat die Verkehrslenkung nur unbefriedigend funktioniert», muss Esther Widmer, Informationsbeauftragte des Bundesamts für Strassen (Astra), eingestehen. «Ich wurde damals mit Hunderten von Briefen, Mails und Telefonanrufen bombardiert», so Widmer.

Ein Pilotprojekt

Das Astra hat aus dem Sommer 2014 die Lehren gezogen und zwei Neuerungen umgesetzt: Seit dem 3. Juli und noch bis am 24. August sind die Baustellen in den Bereichen Schöllenenmätteli bis Galerie Heuegg und im Bereich der Galerie Tan-zenbein Süd an den Wochenenden zweistreifig befahrbar, und zwar jeweils ab Freitag, 14 Uhr, bis Montag, 5 Uhr. An den übrigen Tagen sorgt ein Operator für einen möglichst optimalen Verkehrsfluss im Rahmen eines Pilotprojekts. «Ruedi Baumann, Verkehrsmanagement, Attinghausen»: Das steht auf der Visitenkarte des Mannes, der dafür sorgt, dass Zustände wie 2014 ausbleiben. Jeweils von 6 bis mindestens 18 Uhr sitzt Baumann, der jahrelang als Polizist in Uri gearbeitet hat, in seinem Bürocontainer oberhalb des Steindlikehrs in der Schöllenen.

Auf das Auge kommt es an

Wer den 55-jährigen Attinghauser beobachtet, wähnt sich zeitweise in einem Wespennest. Baumann fährt mit dem Bürostuhl hin und her, die Augen wandern blitzschnell von einem Bildschirm zum andern, in kurzen Abständen bedient er die Computertastatur, um die aufgeschalteten Programme anzuwählen, dazwischen beantwortet er am Natel Fragen eines Bauleiters. «Ich will, dass der Verkehr möglichst optimal an den beiden Baustellen vorbeifliesst und dass die Sicherheit für die Fahrzeuglenker wie für die Bauarbeiter jederzeit gewährleistet ist», umschreibt Baumann seine Ziele. Seine Arbeit braucht höchste Konzentration. Auf zwei Bildschirmen beobachtet er, wie sich der Verkehr von Göschenen und von Andermatt her entwickelt. Die entsprechenden Aufnahmen werden von neun entlang der Strecke positionierten Kameras geliefert. Auf einem dritten Bildschirm kann der Operator die Nummer der Schaltung wählen, welche die Lichtsignalanlagen steuert. Widmer lobt zwar die Vorteile der Elektronik, betont aber: «In der Schöllenen ist das menschliche Auge einfach bedeutend mehr wert.» Was er damit meint: Jede einzelne programmierte Schaltung beinhaltet mehr oder weniger lange Grün- respektive Rot-Intervalle, die nach einem fixen Turnus wechseln. Baumann kann aber via Computer das idealste Programm für die Tal- respektive Bergspur wählen. «Wenn ich von Göschenen her die grössere Zahl von Fahrzeugen registriere, dann schalte ich die Bergspur einfach für eine etwas längere Zeit auf Grün», erklärt Baumann. «Die talwärts fahrenden Verkehrsteilnehmer müssen sich dann halt etwas gedulden. Optimal wäre es natürlich, wenn ich den Lenkern eine grüne Welle ermöglichen könnte.» Doch das ist unmöglich.

Das Chaos ist schnell ausgelöst

Einen Strich durch die Rechnung machen ihm vor allem langsame Fahrzeuge, vor allem Cars. «Viele Chauffeure sind nicht nur schlecht ausgebildet, sie haben auch Angst beim Kreuzen und verursachen so lange Staus, die auch mit klugen Schaltungen nicht mehr so schnell zu beheben sind», weiss Baumann. Er würde sich deshalb wünschen, dass nur jene Cars die Schöllenen befahren dürften, die wirklich keine andere Möglichkeit haben. Apropos Staus: Baumann verzichtet auch auf eine Mittagspause: «Wenn man den richtigen Moment zum Umschalten nur schon um Sekunden verpasst, kann das ein verheerendes Chaos auslösen, das sich nur in stundenlanger Arbeit wieder lösen lässt. Ich bleibe deshalb lieber in meinem Container.» Wenns sein muss schon mal bis zu 14 Stunden pro Tag.

Erboste Rückmeldungen bleiben aus

«Ich bin im Sommer 2015 noch kein einziges Mal von einem erbosten Verkehrsteilnehmer kontaktiert worden», sagt Widmer. «Offensichtlich macht Ruedi Baumann seine Sache sehr gut.» Widmer könnte sich deshalb durchaus vorstellen, das vorläufig für die Phase des Pilotprojekts im Sommer 2015 befristete Mandat zu verlängern.

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