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URI: Erster Urner Biobauer: Sein Mut hat sich ausbezahlt

Vor 38 Jahren galt der erste Urner Biobauer, Osi Ziegler, als Linker und Spinner. Inzwischen ist von diesen Vorurteilen nichts mehr übrig. Bereits seit 20 Jahren gibt es nun den Verein Bio Uri.
Christof Hirtler
Der Urner Biopionier Osi Ziegler im Jahr 1974. Schon 1980 stellte er den Hof seines Vaters auf Bio um. (Bild: PD)

Der Urner Biopionier Osi Ziegler im Jahr 1974. Schon 1980 stellte er den Hof seines Vaters auf Bio um. (Bild: PD)

Christof Hirtler

redaktion@urnerzeitung.ch

Luzia und Osi Ziegler wohnen im Wissig in Seelisberg, hoch über dem Urnersee, direkt am Weg der Schweiz. 2011 haben sie den Bauernhof ihrem Sohn Rafael überschrieben. Und der heute 63-jährige Osi Ziegler setzte sich mit dem Älterwerden neue Ziele: Nach einem SRK-Kurs arbeitet er seit 2015 als Pfleger von Demenzkranken Menschen im Altersheim Spannort in Erstfeld. 2010 gründete der ehemalige Seelisberger Sozialvorsteher und CVP-Landrat die Stiftung Wohnen in Seelisberg und realisierte mit der Stiftung 2018 sieben Alterswohnungen.

Osi Zieglers Biografie ist geprägt von Herausforderungen. Vor 48 Jahren zog der Bauernsohn von Seelisberg nach Altdorf und begann 1970 eine dreijährige Lehre als Kautschuktechnologe bei Dätwyler. In einem grossen Allmendgarten in Attinghausen pflanzte er mit seiner Frau Luzia Gemüse, selbstverständlich biologisch. Nach acht Jahren kündigte er seine Anstellung bei Dätwyler: «Ich wollte in der Natur arbeiten und wurde Hilfsgärtner des Spitalgärtners Alois Baumann- Wir pflanzten biologisches Gemüse für die Spitalküche.»

Im Berufsethos angegriffen gefühlt

«Es war ein Schock, als mein Vater 1980 plötzlich starb», sagt Osi Ziegler. «Den Bauernbetrieb Wissig, den er im Nebenerwerb geführt hatte, habe ich mit meiner Frau auf Bio umgestellt», er-zählt Osi Ziegler. Dafür brauchte der Urner Biopionier viel Mut: «Als Bauernbub aufgewachsen, hatte ich zwar praktische Erfahrung, aber keine landwirtschaftliche Schule besucht. Ich war einer der rebellischen 68er-Generation, trug lange Haare und galt für viele als Spinner», blickt er zurück. «Und die damals noch stark ideologisch geprägte Biolandwirtschaft war für die Bauern ein rotes Tuch: Viele verurteilten unsere Anliegen als extrem und fühlten sich in ihrem Berufsethos angegriffen.»

Bereits als junger Biobauer hatte sich Osi Ziegler von der Spitzenzucht verabschiedet. Er setzte auf langlebige Kühe mit einer mittleren Milchleistung und einer guten Fruchtbarkeit. «Mit der Maxime, dass der Wert einer Kuh nur an ihrer Milchleistung gemessen wird, hatte ich Mühe.» 1982 gründeten mehrere Bauernfamilien – unter ihnen die Zieglers in Seelisberg und die Furrers auf Gitschenen – die «Interessengemeinschaft Kräuteranbau des Kantons Uri». 1986 wurde der Bergbauernbetrieb von Luzia und Osi Ziegler als erster Bauernhof des Kantons Uri, von BioSuisse zertifiziert.

Biobauern setzen sich durch

«1991/92 stellten wir um auf Mutterkuhhaltung und gingen im Sommer 1992 das erste Mal im Etzlital mit unseren Tieren ‹z Alp›», erinnert sich Osi Ziegler. Josef Gisler («Axiger Sepp») aus Flüelen sowie die die drei Spirgner Michael Arnold, Acherli, Alois Gisler, Ratzi, und Max Müller, Ratismatt, und ich konnten von der Korporation Uri die Ausstäfel der Etzlialp zum Bewirtschaften übernehmen», sagt Ziegler. Eine Alp mit viel Gras, sehr hoch gelegen und aufwändig. Viele Gebäude waren zerfallen. Der erste Hirt, Michael Arnold schlief im Zelt oder in einer der primitiven Hütten der zehn Stäfel. «Die Bristner haben uns 1992 bei der Alpfahrt ausgelacht: «‹Chemmid iär nur, chemmid iär nur, s negscht Jaar chemmid iär nimmä›», riefen sie uns zu.» Sie hatten sich getäuscht, die Biobauern kamen jeden Sommer wieder, bauten neue Hütten, 1994 im Felleli, später auf den Stäfeln Gulmen und Sellenen.

Die fünf Etzli-Bauern förderten den Erfahrungsaustausch: Treffpunkte waren die Arbeitstage auf der Alp: Beim gemeinsamen Essen nach dem Zusammentreiben der Tiere, beim Stafelwechsel oder beim «Hagä» blieb immer genügend Zeit für Gespräche. Die Förderung der Direktvermarktung war eines der grossen Themen. Die Bauern waren nun Unternehmer: Durch den Direktverkauf erhielten sie die beste Wertschöpfung, und es brauchte dank Mund-zu-Mund-Propaganda und wachsendem Kundenstamm kaum Werbung. 1994/1995 bauten die Zieglers im Wissig einen Laufstall, gaben den Kräuteranbau auf, setzten auf «Ferien auf dem Bauernhof» und vermieteten eine Ferienwohnung. 1996 kam das Schlafen im Stroh dazu. «Wir hatten keine Gelegenheit die Welt zu bereisen, die Welt kam zu uns», sagt Luzia Ziegler.

Vom Geisshirt zum Biobauer

Im Büroraum unter dem Dach des Stalles der Betriebsgemeinschaft Baumann/Schilter in Gurtnellen-Dorf brütet der Sekretär des Vereins Bio Uri, Martin Schilter, über seinen Akten. Ein kleiner Heizstrahler spendet etwas Wärme, im Winter sinken die Temperaturen oft unter 0 Grad Celsius. Der Freilaufstall von 2010 erfüllt sämtliche Anforderungen von BioSuisse bezüglich Einstreu, Gruppenhaltung, Tageslicht und Freiluftgehege. Martin Schilter ist nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sein Vater war Pöstler in Attinghausen. Erste Erfahrungen mit der Landwirtschaft machte er auf der Göscheneralp: Vier Sommer war er Geisshirt bei Max Mattli.

Seit 1998 führt er mit seiner Frau Barbara den Biohof Halten in Gurtnellen-Dorf. 20 gämsfarbige Gebirgsziegen, 11 Kühe und 7 Rinder sowie 4 Kälber stehen im Stall. Die Kälber trinken bei den Müttern, den Rest der Milch nimmt der Bauer. «Die Kälber sind so gesünder. Der feinstoffliche Austausch zwischen Kuh und Kalb funktioniert», erklärt Schilter. «Mutterunterstützte Kälberentwöhnung» nennt sich das.

Im Winter käst Barbara Schilter. Im Sommer verkauft sie neben ihrem Bergkäse zahlreiche eigene und zugekaufte Hofprodukte sowie Käse von anderen Alpen in der Sennhütte am Arnisee. «Den Käse hole ich auf der Etzlialp oder in der Stössi», erzählt Martin Schilter. Er geniesse diese Ausflüge und die Gespräche mit den Älplern.

Vor 20 Jahren erfolgte die Gründung von Bio Uri

Martin Schilter zeigt das Protokoll der Gründungsversammlung des Vereins Bio Uri: «Am 30. März 1998, um 20 Uhr begrüsst der landwirtschaftliche Berater Thomas Ziegler die Urner Biobäuerinnen und -bauern zum 6. Treffen im Saal des Hotels Bahnhofs in Altdorf. Elsbeth Arnold, Franco Cattaneo, Alois Gisler, und Franz Kempf werden als Vorstandsmitglieder, Osi Ziegler als erster Präsident gewählt.» 16 Biobetriebe tragen sich in die Vereinsliste ein, und der Bauernverband Uri änderte seine Statuten, um Biobauern den Einsitz im Vorstand zu ermöglichen.

Kleinster Bioverein in der Zentralschweiz

Seither hat sich die Anzahl der Urner Biohöfe bei knapp 50 Betrieben eingependelt. «Dieses Jahr haben wir 3 Umsteller, total sind im Verein 48 Betriebe», sagt Schilter. «Es harzt. Gerne hätten wir 50 bis 55 Betriebe dabei. Mit einem Anteil von 11,2 Prozent sind wir der kleinste Bioverein der Zentralschweiz.» Steigerungspotenzial wäre vorhanden: «Es gibt im Kanton Uri noch einige weisse Flecken. So haben wir in Göschenen, Wassen oder Meien keinen einzigen Biobetrieb», sagt Martin Schilter. «Viele Urner Berglandwirtschaftsbetriebe arbeiten bereits sehr naturnah. Sie müssten wenig verändern, um auf Bio umzustellen.»

Seit 2008 ist der jährlich im September stattfindende Biomarkt «O sole Bio» in Zug das Schaufenster der Zentralschweizer Biobauern. Im Zentrum stehen regionale Produkte, standortgerecht, ökologisch und fair produziert. Die breite Vielfalt, der Innovationsgeist und die weltoffene Grundhaltung der BioSuisse-Knospe-Betriebe sind an den 80 Marktständen sicht- und spürbar.

Auch offen sein für gegenseitige Kritik

Gross geschrieben wird der Austausch unter den Urner Biobauern. Im Arbeitskreis «Pro Vieh» von Bio Suisse gefördert, treffen sich Urner Biobäuerinnen und -bauern jährlich zu Weiterbildungen auf einem Hof. Besondere Bedeutung hat jeweils die Stallbesichtigung: Die praxisnahe Wissensvermittlung über Tiergesundheit, Tierwohl, standortgerechte Zucht und zahlreichen weiteren Themen stossen auf grosses Interesse. «Wir müssen aber auch gegenseitig offen sein für Kritik», sagt Martin Schilter, «denn nur so können wir voneinander lernen und gemeinsam weiterkommen.» Die Biobauern geniessen diese Weiterbildungstage: Es wird viel gelacht und angeregt diskutiert. Die Begeisterung für den Beruf ist spürbar – und neue Pläne werden geschmiedet.

Bio-Uri-Sekretär Martin Schilter bewirtschaftet mit seiner Frau Barbara seit 20 Jahren den Biohof Halten in Gurtnellen-Dorf. (Bild: Christof Hirtler (Gurtnellen-Dorf, 27. Februar 2018))

Bio-Uri-Sekretär Martin Schilter bewirtschaftet mit seiner Frau Barbara seit 20 Jahren den Biohof Halten in Gurtnellen-Dorf. (Bild: Christof Hirtler (Gurtnellen-Dorf, 27. Februar 2018))

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