URI: Euro-Tief: Garagisten verkaufen mehr Autos

Die Frankenstärke hat auch in Uri Effekt gezeigt. Doch was die Kunden freut, hat für die Autohändler auch negative Auswirkungen.

Florian Arnold/Anian Heierli
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Der Koenigsegg Regera am Autosalon Genf: Autos direkt zu importieren, wird immer interessanter. (Bild: Keystone / Martial Trezzini)

Der Koenigsegg Regera am Autosalon Genf: Autos direkt zu importieren, wird immer interessanter. (Bild: Keystone / Martial Trezzini)

Aktuell steigen die Absätze der meisten Urner Autohändler deutlich. Seit der Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken aufgehoben wurde, gehen Autofahrer auf Schnäppchenjagd.

«Wir haben im Januar und Februar mehr Autos verkauft, und das Interesse der Kunden an Neuwagen ist deutlich grösser», sagt Ivo Musch, Geschäftsführer der Centralgarage Musch AG in Altdorf. Er erkennt in der jetzigen Marktlage Vor- und Nachteile. «Zwar verkaufen wir mehr Autos, doch durch die tiefen Preise sind auch die Margen kleiner.»

Rund 10 Prozent günstiger

Wie stark die Preise seit Januar gesunken sind, kann Musch nicht exakt sagen. «Bei unseren drei Marken Subaru, Citroën und Nissan sind es aber rund 10 Prozent.» Der Autohändler freut sich über den boomenden Markt. Er betont aber, dass die Zahlen mit Vorsicht zu geniessen seien. Der Markt sei gesättigt. Denn wenn aktuell überdurchschnittlich viele Neuwagen verkauft werden, könnten die Verkaufszahlen im nächsten Jahr einbrechen.

Eurokurs hat negative Einflüsse

Auch die Sportgarage in Seedorf hat im Februar mehr Autos als üblich verkauft. Allerdings schreibt Geschäftsführer Rico Büeler dies nicht nur dem Euro zu. «Wir hatten bereits Anfang Jahr sehr gute Angebote», sagt er. So erhielten die Kunden auf Neuwagen bis zu 8000 Franken Reduktion. «Vielleicht hat der Eurobonus noch den letzten Anstoss gegeben, nicht länger mit einem Kauf zuzuwarten.» Die Sportgarage gibt den Kunden die Kursschwankungen vom Importeur eins zu eins weiter. Fünf bis sechs Fahrzeuge wurden im Februar verkauft, schätzt Büeler. Zum Vergleich: 2014 hat die Garage rund zehn Neuwagen verkauft. Die neuen Kunden sind dem Garagisten lieb, doch der Eurokurs hat auch negative Einflüsse. So gibt die Sportgarage etwa auf Ersatzteile Reduktion, welche die Garage allerdings ohne Eurorabatt im Vorjahr eingekauft hat. «Wir haben den Strich noch nicht gezogen», sagt Büeler. Vor- und Nachteile würden sich aber ungefähr die Waage halten.

Ebenfalls deutlich mehr Autos hat Emanuel Regli von der Auto Regli GmbH in Altdorf verkauft. Gerade im Februar, als der Währungsausgleich bei 15 Prozent lag, schnellte der Absatz des Seat-Vertreters in die Höhe. Dagegen sanken die Verkaufszahlen im März wieder. «Klar, auch wir müssen nun Preise von Occasionsmodellen herunterschrauben, und auch bei uns verliert das Lager an Wert», so Regli. «Wir dürfen aber nicht jammern.» Der Geschäftsführer ist gerade im Hinblick auf die Frühlingsausstellung vom kommenden Wochenende guter Dinge. Regli hofft dann auf weitere Verkäufe.

Anders sieht die Situation bei der Axengarage AG in Flüelen aus. Geschäftsführer Kai Mahrow verkauft zurzeit nicht mehr Autos als sonst. Mahrow hält wenig von aggressiver Werbung. «Vielleicht ist der Verkauf bei uns deshalb auf demselben Niveau wie früher. Ich will meine Kunden aber nicht hinters Licht führen», betont er. Doch genau das werde bei Billigangeboten gemacht. Zum Beispiel wenn es heisse: 40 Prozent Rabatt auf einen Neuwagen. «Solche irreführenden Angebote entstehen oft, weil man sich am Listenpreis 2014 orientiert», erklärt Mahrow. Wenn man aber mit dem Preis aus dem vergangenen Jahr werbe, verkaufe man die Leute für dumm.

Auch Fiat-Händler Mahrow musste seine Preise anpassen. Bei jungen Occasionen und Vorführmodellen schmerze die Preisreduktion. Und auch bei Leasingrücknahmen beisse der Autohändler in den sauren Apfel, da die Verträge, die den Restwert vorschreiben würden, schon früher gemacht worden seien.

MFK stellt noch keinen Anstieg fest

Grosse Sprünge bei den Zulassungen konnten beim Amt für Strassen- und Schiffsverkehr noch nicht festgestellt werden. «Es ist ein wenig wie Kaffeesatzlesen», sagt Hans Furrer, Abteilungsleiter Verkehrszulassung beim Kanton. Für genaue Aussagen sei es schlicht zu früh, da der Kurs erst vor rund zwei Monaten gesunken sei.

Es sei vorstellbar, dass nun eher Neuwagen statt Occasionen gekauft würden, mutmasst er. Doch darüber führt die MFK kein Buch. «Wir wissen nur, wie viele Fahrzeuge im Verkehr sind», sagt Furrer. Die Zahl zugelassener Fahrzeuge ist in den vergangenen 10 Jahren stetig um 1,5 bis 2 Prozent gestiegen.

Trotzdem glaubt der Experte an den Euro-Effekt. Er kann sich gut vorstellen, dass nun die Zahl der direkt importierten Fahrzeuge zunehmen könnte. Will heissen: Statt dass man beispielsweise beim Schweizer Mercedes-Händler kauft, wird direkt bei Mercedeswerk in Bremen bestellt. Um die Verzollung und die Zulassung müssen sich die Käufer selber kümmern. «Theoretisch kann es dann sein, dass ein direkt importiertes Auto von uns beanstandet wird», sagt der Abteilungsleiter Verkehrszulassung. Bei Autos aus dem EU-Raum seien in der Regel keine Probleme zu erwarten. Das A und O bei Direktimporten sei die sogenannte EG-Konformitätserklärung. Gerade im grenz­nahen Gebiet haben sich einige Händler auf den Direkt­import spezialisiert. Doch Furrer mahnt zur Vorsicht: «Wer ein direkt importiertes Fahrzeug kaufen will, sollte die ganze Rechnung machen.» Denn was kurzfristig mit dem Kaufpreis eingespart wird, gehe später auf den Service drauf, der beim Händler inbegriffen sei, so Furrer.

Florian Arnold / Anian Heierli