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URI: Fall Walker: Verteidiger zieht Kronzeugin in Zweifel – Oberstaatsanwalt schiesst zurück

In seiner Replik zeigte Walkers Verteidiger auf, wieso das belastende Wissen einer Kronzeugin zum Mordauftrag gar nicht vom verurteilten Schützen stammen könnte. Oberstaatsanwalt Imholz konterte.
Am Montag folgte die Replik von Walkers Verteidiger, Linus Jaeggi (links). (Bild: Pius Amrein (Altdorf, 18. April 2016))

Am Montag folgte die Replik von Walkers Verteidiger, Linus Jaeggi (links). (Bild: Pius Amrein (Altdorf, 18. April 2016))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Bereits zum dritten Mal wird der Fall Walker vor dem Urner Obergericht verhandelt. Ignaz Walker wird vorgeworfen, am 12. November 2010 einen Auftragskiller auf seine damalige Ehefrau angesetzt zu haben. Nach den ersten Parteivorträgen vom vergangenen Donnerstag ging die Berufungsverhandlung heute Montag weiter – mit der Replik von Walkers Verteidiger, Linus Jaeggi.

Der beschäftigte sich - wider Erwarten - nicht weiter mit der so genannten Komplott-Theorie. Vielmehr probierte Jaeggi, die Aussagen von Elisabeth I.* in Zweifel zu ziehen. Die Ex-Freundin des rechtskräftig verurteilten Schützen Sasa Sindelic hatte damals ausgesagt, Sindelic habe ihr mehrmals gesagt, er habe die Tat begangen und zwar im Auftrag von Walker. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom April 2017 festgehalten, dass das Obergericht bei seinem Freispruch von Walker die Aussagen der Zeugin zu wenig berücksichtigt hatte. Weshalb sich Jaeggi übers Wochenende erneut über die Akten gebeugt hatte und zu seiner Ansicht nach «erstaunlichen Ergebnissen» gekommen ist, wie er in seiner Replik ausführte.

Wurde die Kronzeugin für ihre Aussagen instruiert?

Es gebe zahlreiche Hinweise in den Akten, dass Elisabeth I. ihr angebliches Wissen nicht von Sindelic selber hatte, sondern aus den Akten. Diese seien nämlich der Geschädigtenvertreterin regelmässig zugestellt worden, weshalb auch der heutige Freund der Ex-Frau, Claudio V.*, Aktenkenntnisse hatte. Dieser hatte sich einmal telefonisch und einmal per E-Mail bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gemeldet und explizit darauf hingewiesen, dass Elisabeth I. gewisse Sachen nur von Sindelic selber haben könne und nicht aus der Presse. Jaeggi machte implizit geltend, dass die Zeugin zu Aussagen instruiert worden sein könne.

Mit dem «vollständigen Dahinfallen» der Zeugenaussage von Elisabeth I. und dem Verdacht, «dass in strafbarer Weise auf das Untersuchungsergebnis im Sinne einer Verurteilung von Walker eingewirkt wurde», krache das ganze Indiziengebäude vollständig zusammen, so Jaeggi.

Imholz bezeichnet Jaeggi als Taschentrickspieler

In seiner Duplik sparte Oberstaatsanwalt Thomas Imholz nicht mit Kritik an Jaeggi. Der probiere immer wieder, den Fokus von Walker abzulenken. Vor zwei Jahren habe er ihn selber, Imholz, diskreditiert, heute führe er dieselbe Kampagne gegen die Zeugin Elisabeth I., gegen die geschädigte Ex-Frau von Walker und deren Anwältin und gegen Claudio V. Dabei mache sich Jaeggi strafbar, indem er gleich mehrere Personen wider besseren Wissens falsch beschuldige. «Das geht so nicht», hielt Imholz fest. «Der Zweck heiligt nicht alle Mittel.»

Die Ausführungen des Verteidigers vor Gericht hätten nicht nur Straftatbestände erfüllt, so Imholz weiter. Sie würden auch haltlose Behauptungen und Irreführungen beinhalten. Jaeggi warte immer wieder mit neuen Erkenntnissen auf, ziehe einen Hasen nach dem anderen aus dem Hut. «Hier wie dort handelt es sich nur um einen Taschenspielertrick», so Imholz. So seien alle angeblichen Neuheiten, die der Verteidiger jeweils präsentieren, gar nicht neu. Die Komplott-Theorie habe er bereits vor dem Landgericht 2012 schon vorgebracht, ein Jahr später habe er den Bruder von Sindelic als möglichen Schützen ins Spiel gebracht. Auch Jaeggis neuste Theorie, die Zeugin Elisabeth I. habe gar kein Täterwissen gehabt, seine «eine weitere Augenwischerei des Verteidigers», die wiederum kläglich gescheitert sei.

Walker wolle alle glauben machen, die Strafuntersuchung gegen ihn sei schlampig, voller Pannen und ein wahrer Justizskandal gewesen. Dem sei mitnichten so, sagte Imholz. Er habe inzwischen 17 Jahre Erfahrung in der Strafverfolgung und selten eine so umfassende Untersuchung gesehen wie jene gegen Walker. Imholz verdeutlichte: 46 Personen wurden einvernommen in insgesamt 125 Einvernahmen, wovon die längste fast 60 Seiten umfasse. «Wie soll bei dieser Masse an Fragen, Ermittlungen und Untersuchungshandlungen eine Verschwörung gegen Walker möglich sein? Glauben Sie ernsthaft, man könne das alles fälschen und manipulieren?»

Imholz appellierte ausserdem daran, auch an das Opfer zu denken: Nataliya K*. Sie habe sich die vielen Prozesse immer wieder über sich ergehen lassen, sei Anfeindungen ausgesetzt gewesen und habe dabei stets dem Justizsystem vertraut. «Das hat Respekt verdient», sagte Imholz, und bat die Oberrichter, sie nicht zu enttäuschen. Imholz blieb dabei: Walker sei wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft schuldig zu sprechen und zu 15 Jahren Haft zu verurteilen. Auch Claudia Zumtaugwald, die Anwältin von Nataliya K., bestätigte ihre Ausführungen vom Donnerstag. Sie fordert für ihre Mandantin eine Genugtuung von 25'000 Franken.

Walker: «Ich habe festgestellt, dass das niemanden interessiert»


In seinem letzten Wort rollte Ignaz Walker alle Ungerechtigkeiten auf, die ihm seiner Ansicht nach in den letzten sieben Jahren widerfahren waren: Befangene Polizisten hätten ermittelt, Zeugen seien selektioniert worden, die Staatsanwaltschaft habe vor Gericht gelogen und so weiter. Hinter jeder dieser Vorwürfe setzte er den Satz: «Ich habe festgestellt, dass es niemanden interessiert.» Die Staatsanwaltschaft habe jedes erdenkliche Mittel eingesetzt, um einen gerichtlichen Erfolg zu erzielen. «Ob diese Mittel nun legal oder illegal waren und sind, interessierte niemanden. Warum auch, wenn schon die Sache in der Substanz niemanden interessiert?»

Das Obergericht wird sich nun zur Beurteilung zurückziehen. Bis wann mit der Urteilsverkündung gerechnet werden kann, ist unklar. Der Antrag von Imholz, Walker unverzüglich in Sicherheitshaft zu nehmen, da ihm ja nun eine Freiheitsstrafe drohe und er flüchten könnte, wurde nicht behandelt. Walker verliess den Gerichtssaal jedenfalls als freier Mann.


*Namen der Redaktion bekannt

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