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URI: Fall Walker: Zeuge muss schweigen

An der Berufungsverhandlung vor dem Obergericht wurde ein neuer möglicher Auftragsschütze ins Spiel gebracht. Befragt wird er jedoch nicht.
Ignaz Walker im Jahr 2015 auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung in Altdorf. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Ignaz Walker im Jahr 2015 auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung in Altdorf. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Hat Ignaz Walker am 12. November 2010 einen Auftragskiller auf seine damalige Ehefrau, Nataliya K.*, angesetzt? Mit dieser Frage muss sich das Urner Obergericht derzeit bereits zum dritten Mal beschäftigen. Der Grund: Die bisherigen zwei Urteile des Ober­gerichts hielten vor dem Bundesgericht nicht stand.

2014 wiesen die höchsten Richter den Fall zur Neubeurteilung zurück, weil ein Beweismittel nicht verwertbar war. Damals hatte das Obergericht Walker schuldig gesprochen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach der Berufungsverhandlung kam das Obergericht 2016 zu einem anderen Urteil: Es sprach Walker vom Mordauftrag frei. Doch auch dieses Urteil wurde vom Bundesgericht kassiert. Walkers Freispruch sei «ungenügend begründet, nicht nachvollziehbar und unhaltbar», so das klare Verdikt aus Lausanne.

Verurteilen oder besser begründet freisprechen

Die Frage, wie dieser Entscheid des Bundesgerichts zu deuten ist, daran scheiden sich die Geister. Das wurde an der gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Obergericht deutlich. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz zeigte sich überzeugt, dass das Bundes­gericht den Entscheid des Obergerichts vorweggenommen habe. Zwar sei der Fall formell zur Neubeurteilung zurückgewiesen worden, so Imholz. «Alles andere als eine Verurteilung kommt mit dem Bundesgerichtsurteil nicht mehr in Frage.» Er forderte deshalb, Walker wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren zu verurteilen – so, wie es das Obergericht 2013 getan hat. Derselben Ansicht zeigte sich auch Claudia Zumtaugwald, die Nataliya K. als Privatklägerin vertritt. Sie fordert für ihre Mandantin eine Genugtuung von 25000 Franken sowie Schadenersatz von 500 Franken.

Linus Jaeggi, Walkers Verteidiger, wertet die Bedeutung des Entscheids aus Lausanne anders, wie er in seinem Plädoyer ausführte. Das Bundesgericht habe nicht über Schuld oder Unschuld entschieden und auch nicht den Freispruch verworfen, sondern lediglich die Begründung des Freispruchs. Das Obergericht könne und solle Walker erneut freisprechen – es müsse den Freispruch jedoch besser begründen.

Ausserdem sei auch das Bundesgericht keineswegs unfehlbar. Im Gegensatz zu den Oberrichtern hätten die Richter in Lausanne gar keine Zeit gehabt, alle 15000 Seiten Akten zu lesen. Deshalb habe das Bundesgericht teilweise «kreuzfalsche Darlegungen» gemacht und beispielsweise mit Elisabeth I.* eine Belastungszeugin «aus der Versenkung geholt», deren Unglaubwürdigkeit längst erwiesen sei. Selbst bei Walkers Schuldspruch 2013 habe sich das Obergericht nicht auf Elisabeth I. berufen. Schliesslich sei in den Akten ersichtlich, dass die Zeugin den rechtskräftig verurteilten Schützen Sasa Sindelic und damit auch Walker als mutmasslichen Auftraggeber nur belastet, weil Sindelic ihr das Herz gebrochen hatte. Ausserdem gebe es Hinweise darauf, dass das angebliche Wissen von Elisabeth I. nicht von Sindelic stammte, sondern von Claudio V.*, der über seine Freundin Nataliya K. von Anfang an Akteneinsicht gehabt habe. All das habe das Bundesgericht schlichtweg nicht gesehen, weil es nicht die Zeit hatte, sich sämtliche Akten anzuschauen.

Imholz sieht das anders. Elisabeth I. sei nicht «aus der Versenkung geholt», sondern stets eine entscheidende Belastungszeugin gewesen. Schliesslich hätten ihre Aussagen 2012 wesentlich zur Verurteilung von Sindelic durch das Landgericht beigetragen. «Wieso sollte die Zeugin nun weniger glaubwürdig sein, wenn es um Walker geht?», fragte Imholz. «Hier muss man mit gleich langen Ellen messen.»

Verteidiger hält an Komplott-Theorie fest

In einem weiteren Punkt könnten die Ansichten von Imholz und ­Jaeggi nicht weiter auseinander liegen: bei der Frage, welche Rolle die von Sindelic in der «Rundschau» eingebrachte Theorie noch spielen darf, dass es sich beim Anschlag auf Nataliya K. um ein Komplott gehandelt haben könnte, um Walker hinter Gitter zu bringen. Diese sei vom Bundesgericht zu Unrecht verworfen worden, so Jaeggi. Und obwohl er mit seinem Versuch scheiterte, mittels Beweisanträgen Licht ins Dunkel zu bringen (siehe Kasten), zeigte er in seinem Plädoyer immer wieder Indizien auf, die seiner Meinung nach für die Komplott-Theorie sprechen. Vor allem nun, da es «verdammt sicher» sei, dass er seinen Bruder als «wahren Schützen» nannte, sei auch erklärbar, wieso Sindelic erst nach Jahren mit dieser Version rausrückte, so Jaeggi. Ausserdem sei die Nennung des Bruders ein Novum, von dem auch das Bundesgericht nichts gewusst habe.

Imholz liess sich davon nicht beeindrucken. Die Theorie, Sindelics Bruder habe auf Nataliya K. geschossen, sei alt und bereits vom Landgericht, vom Ober­gericht und zuletzt vom Bundesgericht klar verworfen worden. «Der Schütze ist bekannt, er heisst Sasa Sindelic und wurde rechtskräftig verurteilt», hielt Imholz fest. «Die Komplott-Theorie ist vom Tisch. Über den Schützen werden wir nicht zu verhandeln haben. Punkt, aus, amen, fertig.»

Hinweis

*Namen der Redaktion bekannt.

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