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URI: Flüelen lebt seine Tradition und feiert die Alte Fasnacht

Ein Ende der Fasnacht ohne Katzenjammer, Trauermarsch, Ausflennen oder Böögverbrennen: Vier Tage nach Aschermittwoch feiert Flüelen das Fasnachtsende mit einem Fest.
Christof Hirtler
An der alten Fasnacht in Flüelen ist die letzte Katzenmusik in Uri zu hören. (Bild: Christof Hirtler (Flüelen, 17. Februar 2018))

An der alten Fasnacht in Flüelen ist die letzte Katzenmusik in Uri zu hören. (Bild: Christof Hirtler (Flüelen, 17. Februar 2018))

Christof Hirtler

redaktion@urnerzeitung.ch

«Zu spät kommen wie die Alte Fasnacht» ist ein gängiges Sprichwort. Es trifft jedoch nicht auf Flüelen zu. «Die Fasnacht beginnt in Flüelen mit der ‹Königskatzenmusik› bereits am 6. Januar und geht mit der Alten Fasnacht, am Samstag nach Aschermittwoch, zu Ende. Damit haben wir in Flüelen die erste und die letzte Katzenmusik im Kanton Uri – und darauf sind wir stolz», sagt Peter Wipfli vom Verein Fidelitas Flüelen.

Samstag, 17. Februar: Es ist kalt und es nieselt leicht, als sich Fasnächtler bei der Garage Sigrist treffen. Die meisten tragen Alltagskleidung, einige sind verkleidet, die sieben Männer des Fidelitas-Vorstands standesgemäss im Frack und fünffarbiger Narrenkappe mit Glöckchen. Kurz nach 19 Uhr formiert sich der Zug aus Bläsern, Trommlern und Paukern. «Seid ihr bereit?», ruft der Katzenmusikdirektor Peter Wipfli: «Los, eins, zwei drei!» Wipfli hebt und senkt den zwei Meter langen Taktstock mit schwarzer Katze und einem roten Lämpchen, dem Katzenauge. Das rote Licht tanzt auf und ab, die Bläser setzen ein. Drei Takte mit Bläsern, drei Takte nur mit Trommeln und Pauken, so wird der Katzenmusikmarsch in Flüelen gespielt.

Chinesische Touristen wundern sich

Im Licht weniger Strassenlampen schlängelt sich der Zug langsam durch die schmale Ochsengasse, biegt ein in die Dorfstrasse. Einzelne Zuschauer stehen an der Strasse, da und dort öffnen sich Fenster, die pensionierte Serviertochter Erna Fedier winkt den Katzenmusikanten zu. Der Zug passiert die «Linde», die «Rose» und zieht weiter Richtung «Schützenstube». Am Ende der Dorfstrasse, beim Bauernhof Reider, kehrt die Katzenmusik um.

Nach der halbstündigen Kaffeepause im Restaurant Schützenstube machen sich die Fasnächtler auf den Rückweg. Diesmal bleiben die Fenster geschlossen, nur im Restaurant Gotthard wundern sich einige chinesische Touristen über dieses seltsame Ereignis. Einer filmt die Szenerie mit dem Handy. Bei der Garage Sigrist ist die Tour um 20.30 Uhr zu Ende, die Instrumente werden in den Luftschutzkeller des Schulhauses Matte geräumt – und die Alte Fasnacht geht in der «Schützenstube» weiter.

Fest in der «Schützenstube»

Die Beiz ist immer noch fasnächtlich dekoriert – Plastik-Clowns hängen an den Wänden, Clown-Girlanden an der Decke. Auf dem Kranzkasten der Schützengesellschaft, kaschiert mit gelbem Papier und grünem Lamettavorhang, hängt ein Zirkus-Knie-Plakat. 33 Personen waren an der letzten Katzenmusik dabei, ein paar Unentwegte aber fehlten: zum Beispiel die Ehrenmitglieder Poldi Mauri und Rosmarie Stadler. Der betagten Fasnächtlerin Rosmarie Stadler fehlt zwar die Kraft zum Trommeln, sie begleitet aber gewöhnlich jede Katzenmusik, gestützt auf ihre Nordic-Walking-Stöcke.

Die Wirtin Irma Méroz verteilt Teller mit «Älplermagronä», und es wird kräftig zugelangt. Bei der Theke spielt das Ländlertrio «Echo vom Gitschli», darüber hängen ein Wimpel des FC Basel und ein Fanschal des Eishockey-Clubs Ambri-Piotta. Bereits sind die ersten Teller leer gegessen, und Irma Méroz schöpft auf grossen Platten den Nachschub.

Inzwischen ist in der Beiz das Stimmengewirr angeschwollen, und das Ländlertrio «Echo vom Gitschli» reiht Tänzli an Tänzli. «Das ist das Schöne an der Flüeler Fasnacht», ruft Lukas Eggimann. «Die Jungen machen mit, so geht dieser Brauch in unserem Dorf nicht verloren.»

Während 27 Jahren «Älplermagronä» gekocht

Edi Rauch, Wirt der «Linde» und Ehrenmitglied der Fidelitas, sitzt am Stammtisch, isst eine Portion «Älplermagronä». 27 Jahre kochte er für die Katzenmusiker an der Alten Fasnacht die legendären «Linden-Magronä». Das deftige Rezept erforderte einen starken Magen: «Ich habe genug ‹Ankä› in die ‹Magronä› getan, damit es genügend Boden gibt», erzählt Edi Rauch und lächelt. Einigen Fasnächtlern war das zu viel des Guten. Vor der Alten Fasnacht bohrten sie Löcher in einen Suppenlöffel und nahmen ihn mit zum ‹Magronä-Ässä›. So konnte der ‹Ankä› heraustropfen ...» Rauch erinnert sich auch an die Polizeistunde: «Um Mitternacht mussten wir das Restaurant schliessen oder spätestens bis 21 Uhr auf dem Polizeiposten anrufen und Verlängerung eingeben. Manchmal haben wir es nicht gemeldet. Dann hat man einfach im Restaurant das Licht gelöscht und war ein bisschen ruhig.» Kurz vor Mitternacht geht es in der «Schützenstube» hoch zu und her. Es wird gefeiert, auf den Tischen getanzt und gesungen: «Uf em Stoos ob Schwyz», «Uberä Chlausä», «Urnerbodä-Kafi»... Um 2 Uhr morgens packen die Musiker ihre Instrumente ein, und die letzten Fasnächtler gehen nach Hause.

Die alte Fasnacht in Flüelen ging mit einem Fest in der Schützenstube und dem "Echo vom Gitschli" zu Ende. (Bild: Christof Hirtler (Flüelen, 17. Februar 2018))

Die alte Fasnacht in Flüelen ging mit einem Fest in der Schützenstube und dem "Echo vom Gitschli" zu Ende. (Bild: Christof Hirtler (Flüelen, 17. Februar 2018))

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