URI: Föhn gibt dem Wein das gewisse Etwas

Als künftiger Bewirtschafter des Weinguts ­Rosenberg in Altdorf hat Manuel Tresch einige neue Ideen. «Uri hat das Potenzial, zum Wein­kanton zu werden», sagt er.

Markus Zwyssig
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Jungwinzer Manuel Tresch bei einem Augenschein auf dem Weingut Rosenberg in Altdorf. (Bild Markus Zwyssig)

Jungwinzer Manuel Tresch bei einem Augenschein auf dem Weingut Rosenberg in Altdorf. (Bild Markus Zwyssig)

Markus Zwyssig

Manuel Tresch steht im Weingut Rosenberg unterhalb des Kapuzinerklosters in Altdorf. Der 32-Jährige hält eine Rebe in der Hand und betrachtet das Holz und die Knospen mit fachmännischem Blick. Jetzt wartet er nur noch darauf, dass die Reben spriessen. Denn Uri bietet dem Weinbau ein gutes Klima. «Der Föhn ist für den Wein wie der Zaubertrank für Asterix», sagt Tresch. Der älteste Urner gebe dem einheimischen Wein das gewisse Etwas. Bei Rotweintrauben bewirkt er im Herbst, dass diese gut reifen. Die Aromenvielfalt und Gerbstoffe in der Traubenhaut steigen. «Es entsteht eine feine Himbeernote», sagt Tresch. Auch beim Weisswein steigt der Zuckergehalt. «Dieser führt zu einer guten Harmonie zwischen Säure und Süssigkeit.»

Fast wie im Bündnerland

Manuel Tresch vergleicht das Urner Klima mit der Bündner Herrschaft – einem Gebiet, in dem seit Jahren sehr guter Wein produziert wird. Mindestens von der Grösse her sind die Urner Weingebiete aber weit bescheidener. Das Weingut im Rosenberg umfasst 1,3 Hektaren. Tresch ist der künftige Bewirtschafter. Er gehört neu zusammen mit Erich Herger, Yves Herger, Iwan Deplazes und Tisi Steinegger zu den Besitzern. Tresch ist froh, dass der ehemalige Besitzer Alois Schuler ebenfalls mithilft sowie Wissen und Erfahrung einbringt. Vier Sorten Trauben werden im Rosenberg angebaut: die beiden Rotweinsorten Blauburgunder und Diolinoir sowie die Weissweinsorten Grauburgunder und Solaris.

Tresch hat eine Lehre als Bäcker-Konditor abgeschlossen. Anschliessend arbeitete er acht Jahre lang in Arosa als Koch. Zurzeit absolviert er eine Lehre als Winzer im Strickhof in Wädenswil. Eigentlich dauert die Lehre drei Jahre. Tresch aber kann eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung machen. Pro Jahr ist er zwölf Wochen in der Schule. Daneben arbeitet er noch auf einem 10 Hektaren grossen Weingut in Meilen am Zürichsee. Angetan ist Tresch nach wie vor von der Gastronomie. Da kommt ihm entgegen, dass seine Freundin die Hotelfachschule abgeschlossen hat. «Ziel ist es, dass wir gemeinsam ein eigenes Beizli im Weingut oder in Altdorf und Umgebung betreiben können.» Dort will Tresch nebst kulinarischen Angeboten auch seinen eigenen Wein anbieten.

Vom Wetter abhängig

Manuel Tresch arbeitet gerne in der Natur. «Man muss gut beobachten können. Denn es gibt viele Herausforderungen.» So lässt sich das Wetter nicht beeinflussen. Mit Wärme und Kälte, Regen und Sonnenschein muss man als Winzer leben. Zudem sind die Arbeiten im Rebberg sehr umfangreich. «Was im Januar mit dem Schneiden der Reben beginnt, endet im Herbst mit der Ernte der Trauben», sagt Tresch. Er findet es spannend, die verschiedenen Zeiten der Vegetation zu erleben. Und er weiss, dass er noch viel dazulernen kann: «Jedes Jahr ist anders und bringt neue Erfahrungen.» Immer mehr zu schaffen machen den Winzern die Schädlinge wie Fliegen, Pilze und Milben. Daneben gibt es aber auch Nützlinge, die man im Rebberg gezielt fördert. Beispielsweise dadurch, dass man nur unter jeder zweiten Rebenreihe das Wiesland schneidet. So erhalten die Nützlinge einen Lebensraum.

Urner Wein im Aargau gekeltert

Der Wein vom Rosenberg wird im Aargau gekeltert. Rund 7000 Flaschen gibt es jährlich. «Mein Ziel ist es, selber Wein herzustellen», sagt Manuel Tresch. Auch die Verarbeitung von den Trauben anderer Urner Produzenten würde er gerne übernehmen. «Das würde dazu führen, dass die Urner Weinbauern in Zukunft nicht mehr durch die halbe Schweiz fahren müssen und noch mehr Herzblut für ihre Arbeit hätten.» Die Schaffung eines Gemeinschaftskellers würde sich lohnen, glaubt Tresch. «Man sollte in einem kleinen Kanton wie Uri miteinander zusammenarbeiten und auftreten.»

«Potenzial wäre vorhanden»

«Das Potenzial, um Uri zu einem Weinkanton zu machen, wäre vorhanden», sagt Manuel Tresch. Insgesamt werden im Kanton Uri auf zirka 5 Hektaren Reben angebaut. «Vertragen würde es aber mindestens eine doppelt so grosse Fläche.» Der Urner Wein findet sehr guten Absatz. An der Weinmesse Vinuri, die heute und morgen im Winkel in Altdorf stattfindet, gibt es beispielsweise vom Rosenberg-Schaumwein nur noch wenige Flaschen zum Degustieren. Wer etwas kaufen will, kann das, muss aber auf die neue Abfüllung warten. Die Vinuri kommt für den Rosenberg-Wein zeitlich fast zu früh. Verschiedene Produkte sind ausverkauft oder nur noch beschränkt erhältlich.