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URI: «Frauen sind mindestens so gute Autofahrer wie Männer»

Erstmals seit zehn Jahren hat Uri wieder eine Fahrlehrerin. Vanessa Küttel (26) zählt zu den jüngsten in ihrem Beruf – und sorgt bei männlichen Kollegen für Gesprächsstoff.
Anian Heierli
Autofan Vanessa Küttel hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit Januar kurvt die 26-Jährige als Fahrlehrerin durch Uris Strassen – als einzige im Kanton. (Bild Corinne Glanzmann)

Autofan Vanessa Küttel hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit Januar kurvt die 26-Jährige als Fahrlehrerin durch Uris Strassen – als einzige im Kanton. (Bild Corinne Glanzmann)

Anian Heierli

Vanessa Küttel (26) fährt einen neuen, knallroten Seat Leon. «Dieses Auto hat Power und fällt auf», sagt sie. «Und das gefällt mir.» Küttel ist bekennender Autofan und hat nun gewagt, wovon so mancher träumt: Sie hat ihre grosse Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit Januar kurvt die junge Frau in ihrem Seat als Fahrlehrerin durch Uris Strassen – ein ungewohntes Bild. Denn in Uri, wie auch anderswo, ist der Fahrlehrerberuf fest in Männerhand. Wie viele Frauen in der Zentralschweiz in diesem Beruf arbeiten, ist nicht klar. Fest steht: Die 26-jährige Küttel ist eine der jüngsten Fahrlehrerinnen in der Region.

«Jede Stunde bringt etwas Neues»

Trotzdem scheint es so, als wäre Küttel am richtigen Ort angekommen. Die gelernte Chemie- und Pharmatechnologin schwärmt von ihrer neuen Arbeit: «Ich liebe die Abwechslung. Als Fahrlehrer kannst du nie wissen, was auf dich zukommt. Jede Stunde bringt etwas Neues», betont sie. «Ich muss immer wieder anders auf die verschiedenen Schüler eingehen. Das ist extrem spannend.»

Dennoch hat ihr Alltag auch seine Schattenseiten. Als junge Frau am Steuer wird man zwangsläufig mit Vorurteilen konfrontiert. «Natürlich gibt es Sprüche wie ‹Frauen sind die schlechteren Autofahrer› oder ‹Frauen können nicht einparken›», sagt Küttel. Solche Kritik lasse sie aber völlig kalt: «Frauen sind mindestens so gute Autofahrer wie Männer.» Die gängigen Vorurteile seien veraltet. Küttel geht davon aus, dass die vorgefassten Meinungen von früher her kommen – als mehrheitlich Männer hinter dem Steuer sassen und Frauen noch weniger Routine hatten.

«Frauen sind vorsichtiger»

Die Expertin geht sogar einen Schritt weiter und sagt, dass Frauen Eigenschaften mitbringen, die in einigen Fahrsitua-tionen vorteilhaft sind: «Frauen sind vorsichtiger, sie überlegen mehr, und sie sind weniger risikofreudig.» Küttel ist zudem davon überzeugt, dass auch sie als Fahrlehrerin von ihren weiblichen Eigenschaften profitiert: «Im Vergleich zu manchen Männern bin ich sicher geduldiger und ruhiger.» Entscheidende Vorteile gebe es auch dann, wenn sie Frauen unterrichte: «Frauen untereinander haben oft einen besseren Zugang zueinander. Die Atmosphäre ist entspannter und weniger nervös. Eine Schülerin getraut sich mir gegenüber vermutlich eher als einem Mann zu sagen, wenn ihr etwas an meinem Unterricht nicht passt.»

Trotz sanftem Umgang herrscht in Küttels knallrotem Seat Leon aber keineswegs nur Wohlfühlstimmung. Im Gegenteil: «Falls nötig kann und muss ich durchgreifen und sagen, was falsch läuft», so die junge Fahrlehrerin. Und diese Ansage glaubt man der blonden, zierlichen Frau aufs Wort – Küttel tritt energisch und selbstbewusst auf. Eine Wesensart, die auch zu ihrer Autofarbe passt. Schenkt man psychologischen Abhandlungen Glauben, bedeutet knalliges Rot, dass der Fahrer impulsiv und kontaktfreudig ist und gerne auch mal sportlich über den Asphalt brettert.

Beliebt bei den Männern

Überraschenderweise hatte Küttel bislang aber nur männliche Fahrschüler. Frauen unterrichtete sie einzig in ihrer 14-monatigen Ausbildung, die sie im November 2015 in Luzern abgeschlossen hat. «Vielleicht ist das so, weil ich kaum Werbung gemacht habe», sagt sie. «Ich hoffe schon, dass sich bald auch Frauen melden.» Denn sie will im Kanton Uri Fuss fassen. Die Schwyzerin wohnt erst seit zwei Jahren in Schattdorf. «Nach Uri kam ich wegen meines Partners», erzählt sie. Es gefalle ihr hier. Sie schätze die familiäre Art der Urner.

«Jetzt müssen wir besser werden»

Doch wie reagieren die alteingesessenen Urner Fahrlehrer auf die neue weibliche Konkurrenz? «Ich finde es toll, dass jetzt endlich wieder eine Frau im Kanton Uri unterwegs ist», sagt Fahrlehrer Beat Walker. Walker ist wie Küttel Mitglied der Fahrschule Uri. «Sie ist eine ruhige, freundliche Person und hat einen angenehmen Charakter», sagt er. «Ich habe das Gefühl, sie macht ihren Weg im Kanton Uri.» Seit 10 Jahren gebe es in Uri keine Fahrlehrerin mehr. «Das belebt die Szene und macht diese interessant. Nun müssen wir Fahrlehrer halt noch einen Zahn zulegen», sagt er. Walker hat auch eine Erklärung, dass sich vor allem Männer bei Küttel melden. «Als Mann würde ich auch zu einer hübschen Frau in die Fahrschule gehen», sagt er und lächelt.

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