Die Zeugnis-Noten dürfen sich nicht verschlechtern – Urner Bildungsdirektor nimmt Stellung

Der Kanton Uri folgt der Konferenz der Erziehungsdirektoren und rechnet das Schuljahr als vollwertiges an. Auch im zweiten Semester wird ein Zeugnis ausgestellt – allerdings mit Besonderheiten.

Florian Arnold
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Der Präsenz- wurde mit Fernunterricht teilweise kompensiert.

Der Präsenz- wurde mit Fernunterricht teilweise kompensiert.

Symbolbild: Peter Klaunzer / Keystone

Der Schulalltag ist seit der Ausbreitung des Coronavirus nicht mehr derselbe. Statt in den Klassenzimmern findet der Unterricht zu Hause am Computer statt. Diese neuartige Unterrichtsform hat nun auch Auswirkungen auf die Bewertungen der Schülerinnen und Schüler. Wie die Erziehungsdirektorenkonferenz schon Anfang Monat bestimmte, wird das Schuljahr vollwertig angerechnet. Welche Regelungen für die Zeugnisse gelten, wurde aber den Kantonen überlassen. Der Urner Erziehungsrat hat nun folgende Weisungen beschlossen:

  • Am Ende des zweiten Semesters des Schuljahrs 2019/2020 wird ein vollwertiges Zeugnis ausgestellt. Es wird durch eine Bemerkung ergänzt, die den Zeitraum des Verbots für Präsenzunterricht angibt.
  • Als Basis für das zweite Zeugnis des Schuljahrs 2019/2020 dienen die Noten des ersten Semesters. Diese können verbessert, jedoch nicht verschlechtert werden. Dasselbe Prinzip gilt auch für die Beurteilung in den überfachlichen Kompetenzen.
  • Produkte aus dem Fernunterricht werden nicht mittels Noten in Ziffern beurteilt. Ausgenommen ist die Projektarbeit in der 3. Oberstufe, sofern sie eine Selbstständigkeitserklärung enthält.
  • Es wird auf die Feststellung der Promotion verzichtet. Repetitionen und Niveauwechsel werden nur im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Schule und Erziehungsberechtigten vollzogen, ausser sie wurden bereits vor dem 13. März 2020 beschlossen.
  • Auf Promotions- und Übertrittsentscheide in den folgenden Schuljahren haben diese Ergänzungen keinen Einfluss.

Die Noten dürfen sich gegenüber dem ersten Semester nicht verschlechtern: Ist das nicht Kuschelpädagogik? «Nein», sagt Bildungsdirektor Beat Jörg. «Der Kanton Uri hat sich bewusst dagegen entschieden, einfach die Noten vom ersten Semester zu übernehmen und somit nur ein Zeugnis fürs ganze Jahr auszustellen, wie das andere Kantone tun.» Mit der Regelung werde vor allem dem Umstand Rechnung getragen, dass die Voraussetzungen, im Fernunterricht zu lernen, nicht für alle Schüler gleich gewesen seien. «Zum einen kommen nicht alle Schüler mit dem selbstständigen Arbeiten gleich klar, wie es der Fernunterricht per se verlangt. Zum andern können auch nicht alle Schüler auf dieselbe Unterstützung zu Hause zählen, gerade wenn beide Elternteile arbeiten müssen», erklärt Jörg. Auch seien nicht alle Eltern auf demselben Stand, was die Anforderungen an die digitalen Hilfsmittel betreffe.

An der Motivation mangelt es bei den wenigsten

«Mit der Regelung wollten wir den Kindern, Jugendlichen, Eltern, aber auch den Lehrerpersonen den Druck nehmen, den die Benotung mit sich bringen würde», erklärt Jörg. In einigen Gemeinden werden die Sommerferien bereits Mitte Juni beginnen. In dieser Zeit sämtliche nötigen Prüfungen abzuhalten, bedeutete laut Jörg einen zu grossen Stress für alle Beteiligten. Deshalb habe man nach einer pragmatischen Lösung gesucht. Auch sieht er keine Gefahr darin, dass die Lehrpersonen durch den fehlenden Notendruck nun mit unmotivierten Schülern zu kämpfen haben – gerade bei solchen Schülern, die kurz vor dem Abschluss ihrer obligatorischen Schulzeit stehen. «Ich stelle fest, dass die Jugendlichen bei solchen ausserordentlichen Regelungen sehr fair sind und sich auch ohne den Notendruck in den Unterricht einbringen.» Dies sei auch bei der grossen Mehrheit der Oberstufenschüler der Fall. Bei einem Bruchteil könne der Motivationsabfall nicht verhindert werden – aber dies sei unabhängig von pandemiebedingten Regelungen. «Die meisten Schüler, die etwa vor einer Berufslehre stehen, wollen in der letzten Phase ihrer Schulzeit noch das nötige Rüstzeug mitnehmen, das sie für den Einstieg ins Berufsleben brauchen», weiss Jörg.

Erst bei gleicher Basis gibt es wieder Prüfungen

Ab dem 11. Mai soll der Präsenzunterricht für die Klassen der obligatorischen Schulzeit wieder losgehen. In der letzten Phase des Schuljahres gehe es jetzt darum, die Schülerinnen und Schüler auf denselben Stand zu bringen und das aufzufrischen, was sie im Fernunterricht gelernt haben, erklärt Jörg. Prüfungen könne es erst dann geben, wenn alles im Klassenverband aufgearbeitet wurde. Weitere Weisungen etwa zu Hygienevorschriften sollen dann Ende dieses Monats bekannt werden.