URI: Gefährliche Übergänge – Bahn reagiert

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn muss in Uri 34 risikobehaftete Bahnübergänge sanieren. Zwar gab es seit langem keine Unfälle mehr, dennoch sind die Anwohner erleichtert.

Anian Heierli
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Die Matterhorn-Gotthard-Bahn saniert zahlreiche gefährliche Bahnübergänge. Im Bild: der Übergang bei der Haltestelle Nätschen. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn saniert zahlreiche gefährliche Bahnübergänge. Im Bild: der Übergang bei der Haltestelle Nätschen. (Bild Corinne Glanzmann)

Auf dem 144 Kilometer langen Streckennetz der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) von Zermatt nach Disentis liegen insgesamt 191 Bahnübergänge. Gemäss Bund müssen 137 davon bis Dezember 2014 saniert oder aufgehoben werden. Der Grund: Sie entsprechen heute nicht mehr den aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Was als sicher gilt, schreibt das 2002 revidierte Gesetz über die Förderung des öffentlichen Verkehrs vor. Allein im Kanton Uri betrifft das 34 risikobehaftete Bahnübergänge – sämtliche anfallenden Bauarbeiten generieren Kosten von rund 2 Millionen Franken.

Extrem leise Züge gekauft

Seit Ende der Neunzigerjahre ist es an keinem dieser Bahnübergänge zu Unfällen gekommen. Denn gerade im alpinen Gelände werden Übergänge verhältnismässig wenig genutzt. Trotzdem macht die Sanierung aus Sicht der MGB Sinn. «Die Sicherheit wird erhöht. Unter diesem Aspekt sind Sanierungsarbeiten definitiv richtig», erklärt MGB-Sprecherin Melanie Truffer. Hinzu kommt, dass die MGB zurzeit neues Rollmaterial anschafft (siehe Box). Dazu zählen auch sieben moderne Züge. «Diese Komet-Triebzüge sind extrem leise und werden von Passanten schlechter gehört. Was auch ganz klar für eine Sanierung spricht», so Truffer.

Bislang kosteten die Bauarbeiten auf Urner Boden rund 650 000 Franken: 440 000 flossen in eine rückwärtige Erschliessung der Mitschengalerie-Schranke bei Zumdorf. Und im Gebiet Nätschen investierte die MGB 60 000 Franken in eine neue Viehunterführung und 150 000 in Bahnübergänge mit Zufahrten.

Die Andermatterin Ursi Cavaletti nutzt regelmässig eine dieser Zufahrten: «Die neuen Übergänge waren nötig. Die Strecke im Gebiet ist kurvenreich. Jetzt fühle ich mich geschützter.» Und auch Bergbauer Emanuel Russi ist zufrieden mit der neuen Viehunterführung: «Vorher musste ich die Kühe über die Gleise treiben. Am Nätschen, wo oft Nebel aufzieht, ist mir dabei nie ganz wohl gewesen. Endlich ist mein Vieh sicher.»

15 Übergänge fallen weg

Im kommenden Jahr will die MGB auf der Urner Strecke 13 Andreaskreuze, fünf manuelle Bedarfsschranken und eine Blinklichtanlage realisieren. Dagegen werden 15 Bahnübergänge aufgehoben. «Vor dem Entfernen sprechen wir mit den betroffenen Anwohnern. Sämtliche Zufahrten erhalten einen Anschluss an sanierte Übergänge», so Truffer. Wenn die Lösung einvernehmlich ist, übernimmt die MGB bei privaten Bahnübergängen die ganzen Kosten. An öffentlichen beteiligen sich die Gemeinden mit 25 bis 30 Prozent.

Indirekt finanzieren der Bund und die Kantone die Sanierung. Denn das Schweizerische Eisenbahngesetz verlangt, dass sich jeder, der von der MGB profitiert, an den Kosten beteiligt. Im Rahmen dieser Leistungsvereinbarung zahlt der Kanton Uri somit an alle Projekte zwischen Zermatt und Disentis. Und zwar nach dem folgenden Verteilschlüssel: Bund 69,7 Prozent, Wallis 25,1 Prozent, Uri 3 Prozent und Graubünden 2,2 Prozent. Die Beteiligung hängt von der Bahnlänge sowie der Anzahl Abfahrten auf dem Kantonsgebiet ab.