URI: Grossevent erhält Geld aus Jugendkasse

Das Festival Andermatt Live wird von Subaru und einer professionellen Musikagentur unterstützt. Dennoch zahlt der Kanton einen Beitrag aus dem Kinder- und Jugendförderprogramm.

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Von links: Elena von Wyttenbach, Jenny Russi und Shane Lutomirski ziehen beim Festival Andermatt Live die Fäden. (Bild: Urs Hanhart)

Von links: Elena von Wyttenbach, Jenny Russi und Shane Lutomirski ziehen beim Festival Andermatt Live die Fäden. (Bild: Urs Hanhart)

Anian Heierli

Dieses Line-up macht Eindruck: 16 Acts spielen am 20. und 21. März am Musikfestival Andermatt Live darunter sind gewichtige Namen wie Rival Sons (US), To Kill A King (UK), William White (CH) oder Carrousel (CH). Erwartet werden 1600 Gäste. Wer alle Konzerte sehen will, braucht zwei Tagespässe, die zusammen 140 Franken kosten. Bei diesen Dimensionen ist es umso beeindruckender, dass sich der Vorstand des Vereins Andermatt Live, der hinter dem Grossevent steckt, aus drei jungen Frauen Anfang 20 zusammensetzt. Shane Lutomirski, Jenny Russi, die Tochter von Skilegende Bernhard Russi, und Elena von Wyttenbach ziehen beim Festival die Fäden. Zu ihren Partnern zählen grosse internationale Firmen wie Subaru und der Schweizer Fernsehsender Joiz.

Booking-Firma eingeschaltet

Die drei Initiantinnen erhalten auch Unterstützung von der Zürcher Musikagentur Junkyard Sound AG, die von Shane Lutomirskis Vater Simon Evans geleitet wird. Weiter zeigen Recherchen unserer Zeitung, dass einzelne Acts wie etwa To Kill A King über die Booking-Firma Radicalis gebucht worden sind. Es sorgt deshalb in Uri für Gesprächsstoff, dass die Initiantinnen trotz namhafter Sponsoren wie beispielsweise Subaru und professionellen Unternehmen im Rücken einen A-fonds-perdu-Beitrag von 6000 Franken aus dem kantonalen Programm für Kinder- und Jugendförderung (siehe Box) erhalten. Die Frage drängt sich auf: Könnte dieses Geld andernorts nicht dringender gebraucht werden? «Nein. Der Beitrag ist gerechtfertigt», sagt Josef Schuler, Vorsteher des kantonalen Amts für Kultur und Sport. «Die Ini-tiantinnen haben mir und Frau Landammann Heidi Z’graggen ihr Konzept für ‹Andermatt Live› persönlich vorgestellt. Sie zeigten dabei einen Fehlbetrag von 25 000 Franken auf.» Auch Simon Evans von der Musikagentur Junkyards Sound AG nahm am Gespräch mit Z’graggen und Schuler teil. Die Verantwortlichen des Kantons wussten also von der professionellen Unterstützung und den grossen privaten Sponsoren, bevor sie die 6000 Franken aus dem kantonalen Programm für Kinder- und Jugendförderung sprachen.

Jugendliche wirken aktiv mit

«Wir haben bei der Sache ein gutes Gefühl», so Schuler. «Die Initiantinnen sind bestens vorbereitet gewesen. Das ist wichtig, da ihre grosse Eigenleistung die Erfolgschancen erhöht und wir nur ungern in ein unsicheres Projekt investieren möchten.» Als das Konzept vorgestellt wurde, hatten bereits mehrere Sponsoren Gelder zugesagt. Zudem erfüllt das Projekt zwei wichtige Punkte des kantonalen Programms: Zum einen wirken Jugendliche aktiv in der Projektumsetzung mit, zum anderen zeigen die Initiantinnen konkret, wie man Jugendkultur mit wirtschaftlicher Regionalentwicklung verbindet. Schuler ist auch von den internationalen Bands beeindruckt, die am Festival spielen. Ausschlaggebend für den positiven Beitragsentscheid war zudem, dass viele Konzerte in einheimischen Lokalen stattfinden und mehrere regionale Sponsoren mitmachen.

147000 Franken Budget

Noch einen Aspekt streicht Schuler hervor: «Die Initiantinnen wollen an ‹Andermatt Live› nichts verdienen.» Die Organisatoren rechnen mit 800 Konzertbesuchen pro Abend. Das Budget sieht Ausgaben von 147 000 Franken und Einnahmen aus dem Ticketverkauf von 64 000 Franken vor. «Wenn etwas übrig bleibt, soll es in eine nächste Produktion fliessen», erklärt Schuler. Das sei so abgemacht. Falls die jungen Frauen künftig erneut finanzielle Unterstützung vom Kanton wollen, müssen sie die Abrechnung des ersten Festivals liefern.

«Wir wollen das Musikschaffen in ganz Uri fördern. Dazu gehört neben Altdorf auch Andermatt, das auch kulturell wichtiger wird. Und ‹Andermatt Live› ist ein innovatives Beispiel für die Berggemeinde», so Schuler.