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URI: Gurtnellens Wandel auf 300 Seiten

Drei Jahre lang hat Ruedi Kunz die Geschichte seiner Wohngemeinde aufgearbeitet. Jetzt gibt der «dreifache Gurtneller» ein gut 300 Seiten dickes Buch mit über 400 Bildern heraus.
Sarah Kempf
Ruedi Kunz hat für sein Buch über Gurtnellen lange Zeit recherchiert. (Bild: Florian Arnold (Gurtnellen, 9. März 2018))

Ruedi Kunz hat für sein Buch über Gurtnellen lange Zeit recherchiert. (Bild: Florian Arnold (Gurtnellen, 9. März 2018))

Sarah Kempf

redaktion@urnerzeitung.ch

Im Heimwesen Miseli, zwei Strassenkehren oberhalb von Gurtnellen, winkt ein bärtiger Mann aus dem Fenster des frei stehenden Hauses. Das viele Holz innen und aussen am Haus strahlt Wärme aus, und vom Esszimmertisch geniesst Ruedi Kunz einen wunderbaren Ausblick ins Dorf Gurtnellen. «Ja, doch, ich bin ein richtiger Gurtneller», sagt der 67-Jährige, «sogar ein drei­facher.» Er muss schmunzeln und erklärt: «Kantons-, Gemeinde- und Korporationsbürger.»

Geboren ist der «richtige Gurtneller» jedoch in Uster. Aber bereits als Baby kam er in den Kanton Uri zu seinen Grosseltern, wo er zusammen mit 14 Onkeln und Tanten aufgewachsen ist. «Wir lebten noch ein realistisches Familienleben, haben das Beste gemacht aus dem, was wir hatten.» Er weiss aber auch von schwie­rigen Zeiten zu berichten, etwa wenn sich die unbändige Natur in happigen Wintern bemerkbar machte. Oder als er nach Wassen in die Schule musste, weil man für Gurtnellen keinen Lehrer fand. All diese Erfahrungen, die Kunz in der Berggemeinde gemacht hat, fliessen nun ein in das Buch «Äs het sich enorm veränderet», das der Gurtneller ab kommendem Samstag herausgibt. Er blickt darin auf die Geschichte seiner Wohngemeinde zurück.

Sein Umfeld hat ihn neu motiviert

Über drei Jahre lang hat Kunz ­recherchiert, stundenlang das Staatsarchiv und das Archiv der Korporation durchforscht, mit älteren Einheimischen Gespräche geführt, deren Aussagen mit­einander verglichen, erneut nachgehackt und alte Bilder gesucht. «Ja, den Aufwand habe ich unterschätzt», meint Kunz. «Ich erlebte immer wieder Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass alles zu viel wird und ich mein Vorhaben nicht realisieren kann.» Doch als «sturer Cheib» habe er nicht aufgeben wollen.

«Stüpfer» und Nachfragen sowie durchwegs positive Rückmeldungen von Einheimischen motivierten ihn zum Weiterschreiben. Stark gestützt beim Buchprojekt habe ihn die Zusammenarbeit mit dem Team Media, Sicher & Indergand, Gurtnellen. Entstanden ist ein über 300 Seiten dickes A4-Buch mit über 400 Bildern.

Erfahrungen werden weitergegeben

«Der Wandel, den Gurtnellen durchgemacht hat, ist eindrücklich», sagt Kunz. Es schmerze ihn zwar, dass alte Traditionen vom Aussterben bedroht seien. Trotzdem hadert er nicht mit der Modernisierung: «Manches musste sich eben verändern, weil man dazugelernt hat.» Wichtig sei ihm, festzuhalten, was früher war. Er erzähle gern von den damaligen Zeiten. «So kann ich meine Erfahrungen an Interessierte weitergeben.» Dies sei die treibende Kraft hinter seinem neuen Buch gewesen.

«Im Vergleich zu heute war Gurtnellen damals eine lebhafte Gemeinde.» Sprudelnd nennt er Themen wie die Steinbruch­industrie, die Karbid- und Korkfabrik, den Kraftwerkbau, die Zeit der Schmelzmetall AG, den Wandel des Gastgewerbes und des Detailhandels sowie schwere Naturereignisse.

Obwohl Kunz durch und durch ein Gurtneller ist, blieb er doch nicht sein ganzes Leben hier. Nach der Schulzeit kam er nach Altdorf, wo er bei der Dätwyler AG Arbeit fand, wo er eine Lehre als Mechaniker absolvierte. Einige Jahre arbeitete er im Talboden. «Doch die schönsten Plätze in Gurtnellen habe ich nie vergessen.» Vor gut vierzig Jahren ist er in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt und hat für seine Familie ein Haus gebaut. Er ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und hat mittlerweile drei Grosskinder.

«Äs het sich enorm verän­deret» ist nicht Kunz’ erstes Buch. 2010 gab er «Das Geissbuch» ­heraus, eine Geschichte über die Ziegenhaltung in Gurtnellen. «Damit hat es angefangen», erzählt er, als er das Buch aus einem mit Schnitzereien verzierten Holzrahmen nimmt.

«Früher bin ich lieber im Mittelpunkt gestanden.» So etwa beim Handorgel- oder Theaterspielen. «Noch heute gefällt mir die Geselligkeit, aber mit den Jahren ist es mir wichtiger geworden, realistisch zu leben.» Er nehme sich mehr zurück, lasse die ­Menschen leben und äussere weniger schnell und oberflächlich Kritik.

Eine Vitrine voller Schätze

Seine ruhigen Seiten lebt er auch bei seinem grössten Hobby aus, dem Strahlern. Die Glasvitrine seiner Stube ist voll von glitzernden Schätzen, schön geordnet und angeschrieben nach Fund­orten. «Schon als kleiner Junge nahm mich mein Onkel mit ins Intschitobel, nach Meitschlingen, ins Teif- oder Fellital und später auch ins Furkagebiet und zeigte mir das Handwerk.» Mit Dankbarkeit erinnert er sich an die Gespräche über Gott und die Welt mit seinen Strahler-Kollegen, aber auch an die Stille und Ruhe, die er in diesen Tagen spürte. Seit seiner Pension vor fünf Jahren geniesst er die Zeit besonders in der Natur.

Seine grösste Stärke sei die Be­obachtungsgabe. Als eines ­seiner Vorbilder nennt er seinen Schwiegervater. «Er hat Neues zwar immer hinterfragt und abgewogen, aber selten abgeschmettert», sagt Kunz. «Diese Lebensweise ist mein Credo. Und diese will auch ich meinen Nachkommen weitergeben.»

Hinweis

Das Buch «Äs het sich enorm verändert» ist ab 24. März erhältlich bei Ruedi Kunz, Tel. 041 885 13 29, kunz.miseli@bluewin.ch; Teammedia GmbH, Tel. 041 885 13 06, team@teammedia.ch sowie bei der Bido AG, Schmiedgasse 6, 6460 Altdorf.

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