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URI: Häusliche Gewalt: Auch Teenager sind betroffen

Immer häufiger muss die Polizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken – auch im Kanton Uri. Mittels Standaktion wurde am Freitag in Altdorf auf das Thema aufmerksam gemacht, mit einem überraschenden Fokus.
Eine Frau schützt sich vor ihrem gewalttätigen Mann (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Symbolbild))

Eine Frau schützt sich vor ihrem gewalttätigen Mann (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Symbolbild))

Sie geschieht hinter verschlossenen Türen und findet meist erst durch die Statistik Einzug ins Bewusstsein: häusliche Gewalt. Jede fünfte Frau in der Schweiz ist betroffen, 20000 Kinder leiden jährlich darunter, und alle zwei Wochen stirbt gar eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt.

Auch im Kanton Uri ist Gewalt in der Beziehung ein Thema. Und sie nimmt zu: Wurden 2014 noch 24 Fälle häuslicher Gewalt von der Kriminalstatistik erfasst, waren es zwei Jahre später deren 32. Dabei sind lediglich jene ­Fälle erfasst, die von der Polizei registriert wurden – die Dunkelziffer dürfte demnach hoch sein.

Es gibt sie, häusliche Gewalt. Auch in Uri. Und: Nicht nur in der Form, auf die man sie gemeinhin reduziert. Häusliche Gewalt fängt nicht erst dort an, wo blaue Flecken sichtbar werden. Sie beginnt bereits früher und subtiler. So sind immer öfter auch junge Mädchen betroffen.

Deshalb hat sich auch die dies­jährige internationale Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» speziell dem Thema «Gewalt an Mädchen und jungen Frauen» gewidmet. Mit einer Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

So auch am vergangenen Freitag, 15. Dezember, am Weihnachtsmarkt in Altdorf. Mittels Wackelkarten und Infomaterial suchte Regula Grünenfelder, Leiterin der Arbeitsgruppe gegen Gewalt an Frauen Zentralschweiz, zusammen mit Mitarbeiterinnen von Urner Anlaufstellen (siehe Kasten) das Gespräch mit Marktbesucherinnen und -besuchern, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Auch Gesundheits­direktorin Barbara Bär half am Stand der Kampagne mit, dem Thema Gehör zu verschaffen.

Expertin schult auch Urner Jugendliche

Eine Frau, die täglich mit Opfern von häuslicher Gewalt zu tun hat, ist Karin Vonwil. Die 51-jährige Luzernerin ist hauptberuflich in der Gewaltprävention tätig, arbeitet mit gewaltbetroffenen Frauen und Jugendlichen und gibt Selbstverteidigungs- und Präventionskurse in der ganzen Schweiz. Auch im Kanton Uri ist Vonwil regelmässig unterwegs: an acht bis zehn Nachmittagen im Brückenangebot in Altdorf sowie in jährlich vier Turnstunden an der Oberstufe in Schattdorf. Dort unterrichtet sie klassische Selbstbehauptung und Selbstverteidigung und thematisiert Grenzen und Chancen von ersten Liebesbeziehungen.

Vonwils Botschaft ist klar: «Gewalt beginnt nicht erst mit Schlägen, sondern dort, wo sich eine junge Frau von ihrem Partner in ihrer Freiheit einschränken lässt.» Der Freund, der seiner Freundin verbietet, sich mit Kolleginnen zu treffen, ihr Vorschriften macht, was sie anziehen darf, und so weiter – all das sind Beispiele subtiler Gewalt, die Vonwil aufzählt und in ihrer täglichen Arbeit erlebt. Gepaart mit einem meist schlechten Selbstbewusstsein festigen Frauen so bereits in jungen Jahren Verhaltensmuster, die unter Umständen immer tiefer in die Gewaltspirale führen. Umso wichtiger sei es deshalb, Jugendliche bereits früh darauf zu sensibilisieren, so Vonwil.

In ihrer Arbeit in Uri stellt die Expertin fest, dass sie hier meist länger braucht, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, als etwa in Zürich. Dies sei jedoch keineswegs negativ, sagt Vonwil. Im Gegensatz zu Zürich sei Gewalt bei Jugendlichen hier glücklicherweise noch nicht so selbstverständlich. (eca)

Opferhilfe-Beratungsstelle hilft weiter

Erste Anlaufstelle für Opfer von häuslicher Gewalt im Kanton Uri ist die Opferhilfe-Beratungsstelle Schwyz und Uri mit Sitz in Goldau (Telefon 0848 821 282). Diese bietet Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern sowie deren Angehörigen, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, seelischen und/oder sexuellen Integrität verletzt wurden, kostenlose psychologische, soziale und auch juristische Beratung an.

Daneben sind auch die Gesundheitsförderung Uri, Kontakt Uri, die Stiftung Papilio, der Sozialpsychiatrische Dienst und weitere Institutionen Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt im Kanton Uri. (eca)

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