Uri hat Aufholbedarf bei ökologischen Siedlungen

An der Mitgliederversammlung von Pro Natura kamen englische Gärten nicht gut weg.

Leza Aschwanden
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Beat Zgraggen (2. v. l.) informierte. (Bild: Leza Aschwanden (Altdorf, 24. September 2019)

Beat Zgraggen (2. v. l.) informierte. (Bild: Leza Aschwanden (Altdorf, 24. September 2019)

Natur- und Umweltschutz sind derzeit medial präsente Themen. Doch nicht erst seit kurzer Zeit setzen sich viele Personen – auch im Kanton Uri – dafür ein. Bereits zum 54. Mal kamen am vergangenen Dienstag die Mitglieder des Vereins Pro Natura Uri zu einer Jahresversammlung zusammen.

Die Sektion Uri setzt sich momentan besonders anhand von vier mehrjährigen Projekten für Natur und Umwelt ein. Besonders die Kulturhagsanierung im Meiental gab im letzten Vereinsjahr viel Arbeit. Dabei überzeugt das Projekt nicht nur ökologisch, sondern bietet auch etwas fürs Auge, indem dabei auf altes Handwerk und natürliche Materialien gesetzt wird. Der Schutzgebietsverantwortliche Beat Zgraggen berichtete über den Fortschritt der verschiedenen Projekte. So setzte sich Pro Natura im vergangenen Jahr auch für eine bessere Vernetzung mit anderen Akteuren ein.

Etwas Unordnung im eigenen Garten haben

Dies lasse sich auch am Projekt zur Förderung des Alpenbocks zeigen. Beim Alpenbock handelt es sich nicht – wie der Name vermuten lassen würde – um einen Verwandten des Steinbocks, sondern um einen kleinen, blau und schwarz gemusterten einheimischen Käfer. Dieser benötigt sehr spezifische Bedingungen, um überleben zu können. Bei der Umsetzung dieses Projekts arbeitet Pro Natura auch mit kantonalen Stellen zusammen.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung referierte Georges Eich, Vorsteher des Amts für Raumentwicklung über das Thema «Siedlungsökologie – ein Beitrag zur Biodiversität». Anhand lokaler Beispiele stellte er mögliche Lösungen für ökologischen Siedlungsbau vor. Dabei seien es teilweise kleine Aspekte im Siedlungsbau oder in der Ausgestaltung des eigenen Gartens, die einen wichtigen Unterschied machen können. Lebensräume für Insekten, Pflanzen und Tiere können laut Eich mit teilweise minimalem Aufwand geschaffen oder verbessert werden.

Stein- und Asthaufen bieten Verbesserung

So zum Beispiel im privaten Garten: Etwas Unordnung sei wichtig, dass Lebewesen einen geeigneten Lebensraum finden können. Stein- und Asthaufen bieten bereits wichtige Verbesserungen im Gegensatz zu einem kahlen Englischen Garten. Solchen Gärten konnte Eich in seinem Referat denn auch nicht viel abgewinnen. «Ein englischer Garten braucht ohne Eingriff etwa 20 Jahre, bis er wieder auf gutem Weg zur Magerwiese ist», so Eich. Dabei könne man mit wenig Aufwand bereits viel erreichen – und es sehe auch noch besser aus. Blumenwiesen, Gärten oder Obstbäume bieten den verschiedenen Lebewesen Raum zum überleben. «Kommen die Pflanzen, folgen bald schon die Insekten und danach die Vögel», so Eich.

Potenzial für Biodiversitätsfläche bestehe dabei nicht nur in der Landwirtschaft. Dass gerade Landwirte häufig ins Schussfeld geraten würden, wenn es um Biodiversität geht, findet Eich nicht gerechtfertigt. Er fände es nicht abwegig, auch von Privatpersonen zu verlangen, dass sie in ihrem Garten Biodiversitätsflächen schaffen müssen. Dabei reiche es schon, einen Obstbaum im privaten Garten zu pflanzen. Es zeigte sich aber im Laufe des Referats immer wieder, dass gerade nachbarschaftliche Konflikte häufig einer vernünftigen Lösung im Bezug auf die ökologische Gestaltung des privaten und öffentlichen Raums im Weg stehen. So ziehen Teiche und Tümpel Insekten an, die durch ihre Anwesenheit Lärm verursachen würden.

Zusammensitzen brachte gute Lösungen

Es gibt jedoch auch positive Beispiele für sinn- und massvolle Methoden des ökologischen Siedlungsbaus. Als Beispiel nennt Georges Eich das in Altdorf neu entstandene Siedlungsquartier Allenwinden. Dort sei man mit den Projektleitern zusammengesessen und habe für beide Seiten sehr gute Lösungen gefunden. Eich hielt zum Abschluss jedoch fest, dass der Kanton Uri in den nächsten Jahren viel im Bereich der Siedlungsökologie aufzuholen habe. Dabei sei auch eine bessere Kommunikation zwischen den involvierten kantonalen Ämtern nötig. Nach dem Vortrag gab es die Möglichkeit zu vertieften Gesprächen während des offerierten Apéros.