URI: In Andermatt soll sich die Elite der Dressurreiter treffen

Dressurreiter aus halb Europa sollen sich im nächsten Jahr im Urserntal messen. Anlocken will man mit dem Anlass vor allem prominente Gäste aus dem Ausland. Noch aber müssen der Tourismus und die Gemeinde Andermatt ins Boot geholt werden.

Markus Zwyssig
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Dressurreiterinnen am Pferdesporttag in Cham im Jahr 2015. (Bild: Werner Schelbert)

Dressurreiterinnen am Pferdesporttag in Cham im Jahr 2015. (Bild: Werner Schelbert)

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Reiter aus halb Europa sollen sich im Sommer 2018 im Urserntal treffen. Geplant ist, dass sie sich bei einem internationalen Turnier im Dressurreiten messen. Die Veranstalter wollen mit der grossen Kelle anrühren. Für die prominenten Gäste soll eine VIP-Loge aufgestellt werden. Einheimische könnten ebenfalls ihre Produkte anbieten. An einer Modeschau würden die neusten Trends für Reiter präsentiert.

Neben dem sportlichen Event soll auch klassische Musik geboten werden. In einem eigens erstellten Pavillon soll das Luzerner Sinfonieorchester aufspielen. Die Veranstalter müssen aber noch klären, ob die Musiker zur Ver­fügung stehen.

Kontakt mit Dressurreitern in mehreren Ländern

Hinter dem Projekt stehen Raphael Oswald, Präsident der Handelskammer Schweiz-Türkei, sowie Jörg Conrad und Danièle ­Florence Perrin, die Organisatoren des Klassik-Osterfestivals in Andermatt. Die Handelskammer der Schweiz-Türkei würde den Event mitorganisieren. Oswald und Conrad sprühen vor Ideen und haben bereits Kontakte zu Dressurreitern in verschiedenen Ländern aufgenommen. England, Schweden und Deutschland sind führend in dieser Disziplin.

Auch Conrad und Perrin bringen einiges an Erfahrung mit. So organisieren sie von Palmsonntag bis Ostermontag (9. bis 17. April 2017) zum dritten Mal das Klassik-Osterfestival von Swiss Chamber Music Circle in Andermatt. Beim Dressurreit-Event wären sie für den kulturellen Teil verantwortlich. «Eine Verbindung von Reitsport und klassischer Musik wäre einmalig und geradezu ideal», sagt Jörg Conrad. «Für uns wäre dies eine tolle Ergänzung zum Klassik-Osterfestival sowie zu den monatlichen Konzerten Andermatt Music Circle, die wir im Hotel The Chedi Andermatt organisieren», ergänzt Danièle Florence Perrin.

Der Reit-Event soll voraussichtlich im Juni oder Juli 2018 stattfinden. Zusammen mit dem Auf- und Abbau würde dieser rund drei Wochen dauern. «Eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, ist aufwendig», sagt Oswald. Daher können sich die Organisatoren vorstellen, dass die Infrastruktur nach dem Dressurreit-Turnier noch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann. «Möglich wäre es beispielsweise, auf dem Platz ein Poloturnier oder ähnliche Veranstaltungen durchzuführen», sagt Oswald. Klar ist: Das Dressurreiten soll in der Ebene des Urserntals stattfinden. «Land wäre genügend vorhanden. Verhandlungen mit Landbesitzern werden aber erst geführt, wenn der Tourismus, die Gemeinde Andermatt und allenfalls der Kanton Uri hinter dem Projekt stehen.»

Gemeinde weiss nichts von den Plänen

«Wir sind erstaunt, dass wir bisher noch nicht über das Grossprojekt informiert wurden», sagt die Andermatter Gemeindepräsidentin Yvonne Baumann auf Anfrage unserer Zeitung. «Die Gemeinde und auch der Tourismus müssen frühzeitig eingebunden werden.» Das sei sehr wichtig, so Baumann weiter. «Schliesslich ist es die Gemeinde, die für eine solche Grossveranstaltung das Okay geben muss.» Der Andermatter Tourismusdirektor Flurin Riedi wiederum findet das Projekt sehr spannend, wie er sagt.

«Wir haben grundsätzlich Interesse an einer solchen Grossveranstaltung.» Das Thema sei für Andermatt völlig neu, würde aber ins Tourismuskonzept im Urserntal passen. «Es muss aber noch genau abgeklärt werden, wie es mit den nötigen Platzverhältnissen und der Infrastruktur aussieht», so Riedi weiter.

Verband reagiert positiv und bietet Unterstützung an

Auch beim Schweizerischen Verband für Pferdesport reagiert man positiv auf die Pläne in Andermatt. «Wir freuen uns, wenn es Initianten gibt, die ein internationales Dressurturnier in der Schweiz auf die Beine stellen wollen – auch wenn wir noch keine genauen Informationen dazu haben», sagt Martin Wyss, Disziplinleiter Dressur des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport. In Genf fand Ende 2016 ein solches Turnier statt, aber sonst sind solche Veranstaltungen in der Schweiz selten. «Bei uns herrscht ein Mangel an internationalen Dressurturnieren.» Der Verband sei gerne behilflich und koordiniere die Daten, damit es keine Terminkollisionen mit anderen Veranstaltungen gäbe.

Die Schweiz hat eine grosse Tradition im Dressursport. In bester Erinnerung sind etwa die Erfolge von Christine Stückelberger. Doch diese liegen schon einige Jahrzehnte zurück. Die Disziplin Dressur des Schweizerischen Verbands für Pferdesport SVPS hat sich zum Ziel gesetzt, künftig wieder an die früheren Erfolge anzuknüpfen. «Dazu sind neue Impulse nötig, und dazu gehören auch internationale Turniere», sagt Wyss.