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URI: Jetzt spricht Ignaz Walkers Schwester

Der Fall Walker hat den Kanton Uri verändert. Das hat auch die älteste Schwester des Erstfelders heftig gespürt – ihre Familie sei mittlerweile in zwei Lager gespalten, sagt sie.
Anian Heierli
Ignaz Walker am Montag auf dem Weg zur Urteilsverkündung im Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Ignaz Walker am Montag auf dem Weg zur Urteilsverkündung im Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Anian Heierli

In den vergangenen Monaten gab es an Urner Stammtischen oft nur ein Thema: Ignaz Walker. Der Gerichtsfall rund um den Erstfelder Barbetreiber teilte den Kanton in zwei Lager. Für die einen war Walker ein Opfer der Justiz, für die anderen ein eiskalter Kabarettbesitzer, der über Leichen geht.

Zur Vorgeschichte: Ignaz Walker (48) wurde im September 2013 vom Obergericht Uri wegen versuchter vorsätz­licher Tötung und versuchten Mordes in Mittäterschaft zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Dieses Urteil wurde am vergangenen Montag massiv gemildert. Vom Vorwurf eines Auftragsmordes an seiner Ex-Frau Nataliya K. wurde er freigesprochen. Für den Schuss auf einen Gast vor seinem Etablissement erhielt er 28 Monate Haft – eine Strafe, die er längst abgesessen hat. Seit November 2010 sass Walker während 4 Jahren, 7 Monaten und 22 Tagen im Gefängnis. Nun kann er auf freiem Fuss bleiben.

«Ignaz ist ein Schlitzohr»

Eine, die immer an Ignaz Walkers Unschuld geglaubt hat, ist seine älteste Schwester Martha (57), die nicht mit vollem Namen genannt werden möchte. «Ignaz war schon immer ein Schlitzohr», sagt Martha. «Im Kern ist mein Bruder aber ein guter Mensch. Er ist nicht der Typ, der jemandem nach dem Leben trachtet.»

Am Montag hat Martha die Urteilsverkündung vor dem Urner Obergericht vor Ort mitverfolgt. «Als ich das Urteil vernommen habe, ist mir ein grosse Stein vom Herzen gefallen», sagt sie. Denn trotz aller Beschuldigungen hielt sie immer zu ihrem Bruder. Dementsprechend nahe sei ihr das Verfahren in den vergangenen Jahren gegangen. «Als Ignaz 2013 zu 15 Jahren verurteilt wurde, ist für mich eine Welt zusammengebrochen», erinnert sich die Schwester. «Ich konnte meine Emotionen nicht mehr zurückhalten und war traurig.»

Verbaler Angriff auf Familienmitglied

Als jüngstes von sechs Kindern ist Ignaz Walker in Erstfeld aufgewachsen. Noch immer lebt ein Grossteil seiner Familie dort wie auch seine älteste Schwester Martha. Und im kleinen Kanton Uri können sich die Familienmitglieder dem Rummel, den Gesprächen sowie den Anfeindungen rund um den Fall Walker nicht entziehen. «Ich wurde zwar nie direkt angegriffen, weil ich seine Schwester bin», sagt Martha. «Aber hinter meinem Rücken wurde viel geredet. Es hat viele Personen gegeben, die mir ins Gesicht sagten: ‹Ignaz ist sicher unschuldig.› Wenn ich dann weg war, erzählten dieselben Leute: ‹Ignaz hat es getan.›» Eine ihrer Schwestern hätte hingegen direkte verbale Angriffe erleben müssen – unter anderem per Telefon.

«Mein Vertrauen hat stark gelitten»

Nicht nur im Kanton, sondern auch innerhalb der Familie Walker hat der ganze Prozess zu Spannungen geführt. «Das Verhältnis in unserer Familie ist heute ein anderes, als noch vor fünf Jahren», erzählt Martha etwas traurig. «Auch wir sind mittlerweile in zwei Lager gespalten.» Zurzeit würde sie aber vor allem Freude über das jüngste Urteil zu Gunsten ihres Bruders verspüren.

Es sei nicht Wut oder Hass, den sie gegenüber der Urner Justiz und der Polizei empfinde, betont die Schwester. «Mein Vertrauen in die Behörden hat aber stark gelitten.»

Was nicht überrascht, denn gemäss jüngstem Urteil sass ihr Bruder 2 Jahre und 3 Monate zu lange im Gefängnis. Ebenso stehen im Fall Walker gegen die Urner Justiz und Polizei Vorwürfe der Manipulation und der unsauberen Arbeit im Raum. Zum Beispiel hat der Urner Oberstaatsanwalt Thomas Imholz vor Gericht erklärt, man wisse nicht, wo sich der Hauptbelastungszeuge Johannes Peeters aufhalte. Wenig später haben Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau» das Gegenteil gezeigt. Und die Urner Polizei liess einen Kriminaltechniker im Fall Walker weiter ermitteln, obwohl dieser erklärte, er sei möglicherweise befangen. Eine entsprechende externe Untersuchung innerhalb der Urner Polizei soll aufgenommen werden. Zu welchem Zeitpunkt die Untersuchung startet, ist noch unklar.

«Jemand hat geschossen»

Für die Schwester ist der Fall Walker mit dem momentanen Urteil keineswegs abgeschlossen. Unter dem fallen gelassenen Anklagepunkt Mord in Mittäterschaft wurde Ignaz Walker beschuldigt, er hätte den Kroaten Sasa Sindelic mit dem Mord an seiner Ex-Frau Nathaliya K. beauftragt. Die gebürtige Ukrainerin wurde im November 2010 durch drei Schüsse verletzt. Sindelic streitet sowohl die Tat wie auch Walkers Beteiligung ab. «Irgendjemand hat geschossen», sagt Martha. «Ich hoffe, dass die wirklichen Täter noch gefunden werden.» Auch die von der «Rundschau» ins Spiel gebrachte Komplotttheorie von Nathaliya K. gegen Walker schliesse sie nicht aus. «Ausschlaggebend ist für mich aber: Ignaz war es nicht.»

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