URI: Kaum neue Stopps am Berg

In Uri findet die Idee, alte Bahnhöfe wieder in Betrieb zu nehmen, auch Anklang. Aus finanziellen Gründen ist dies aber kaum machbar – doch nicht nur deshalb.

Markus Zwyssig
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Auf der Gotthardstrecke werden künftig viel weniger Züge verkehren. Sie werden aber kaum zusätzliche Halte machen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Auf der Gotthardstrecke werden künftig viel weniger Züge verkehren. Sie werden aber kaum zusätzliche Halte machen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Markus Zwyssig

Die Idee eines Zürcher Verkehrsplaners sorgt für Diskussionen. Paul Stopper hatte im Rahmen der Versammlung des VCS Uri vorgeschlagen, die nicht mehr genutzten Bahnhöfe der SBB entlang der Bergstrecke wieder in Betrieb zu nehmen und den heutigen Busbetrieb zu ersetzen (siehe unsere Zeitung von Montag). «Die Idee ist visionär», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. Finanziell sei dies aber mindestens zurzeit nicht machbar. «Es gibt in den Gemeinden im Urner Oberland schlicht und einfach nicht so viele Nutzer des öffentlichen Verkehrs», begründet Camenzind die abwehrende Haltung.

Der Verkehrsplaner gehe von einer falschen Vorstellung aus, so Camenzind. «Die Bahnhöfe wieder in Betrieb zu nehmen, das würde viel zu viel kosten.» Neben den SBB müsste sich auch der Kanton finanziell wesentlich daran beteiligen. Die alten Bahnhöfe wieder zu reaktivieren könne nicht die Rettung für die Bergstrecke sein. «Die Auto AG Uri sorgt mit ihren Bussen heute für eine gute Erschliessung ins Oberland», gibt sich Camenzind überzeugt. Er findet zudem, dass das künftige Bahnangebot auf der Bergstrecke für den Tourismus als Ergänzung zu den Bussen der Auto AG Uri genüge.

Bus: Bessere Feinerschliessung?

Nicht unbedingt begeistert von der Idee ist man bei der Auto AG Uri, so Peter Aregger, Leiter Betrieb und Technik. «Mit dem Bus funktioniert die Erschliessung im Urner Oberland besser als mit dem Zug», so Areggers klares Verdikt. 1994 wurden die Bahnverbindungen ins Urner Oberland durch Busse der Auto AG Uri ersetzt. «Die Feinerschliessung mit dem Bus hat sich bewährt», sagt Aregger. Das biete für die Reisenden viele Vorteile. Und er nennt auch gleich ein paar Beispiele: «Die bei Wanderern beliebten Ein- und Aussteigeorte beim Pfaffensprung, im Fellital oder bei Meitschligen beispielsweise sind zu weit von der Schiene entfernt.» Da sei der Wanderer bei der Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln viel schneller am Ausgangsort für eine Wanderung oder einen Spaziergang. Zudem gibt er zu bedenken: «Der Bahnkilometer ist viel teurer als die selbe Strecke mit dem Bus.» Auch für den Schul- oder Arbeitsweg werde der Bus fleissig genutzt, so Aregger. Die Mädchen und Buben fahren beispielsweise zwischen Göschenen, Wassen und Gurtnellen mit den Bussen der Auto AG.

Nicht auf aktuellem Stand

«Eine Wiederinbetriebnahme der Bahnhöfe wäre mit sehr hohen Kosten verbunden», schreibt SBB-Mediensprecher Reto Schärli in seiner schriftlichen Antwort. «Die noch vorhandenen Perrons entsprechen nicht den aktuellen Standards.» Die Ortschaften im Kanton Uri könnten mit dem Bus besser erschlossen werden, weil sich die alten Bahnhöfe meist ausserhalb der Dörfer befinden würden. «Die SBB werden die Bergstrecke gemäss der bis Ende 2017 laufenden Fernverkehrskonzession stündlich bedienen.»

Für die Zukunft schlagen die SBB eine partnerschaftliche Finanzierung vor. Das heisst, der Kanton Uri muss ebenfalls seinen Beitrag leisten. «Die SBB sind bereit, sich auch langfristig finanziell an der Zukunft der Gotthard-Bergstrecke zu beteiligen», versichert Schärli. Die SBB engagierten sich im Kanton Uri. Als Beispiele erwähnt Schärli das neue Erhaltungs- und Interventionszentrum Erstfeld, das neue Depot für Lokführer in Erstfeld sowie den Kantonsbahnhof Altdorf.

Beim Bahnangebot gibt es allerdings eine Verschlechterung: Wer künftig mit dem Regio-Express auf der Gotthard-Bergstrecke unterwegs ist, muss in Erstfeld umsteigen. Dafür werden in Göschenen neu raschere Anschlüsse zur Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) geschaffen, welche die Umsteigezeit gegenüber heute verkürzen.

Neat-Halte: Noch brauchts Tests

Beim Entwurf für den neuen Fahrplan sind die Halte der Neat-Züge noch nicht aufgeführt. «Die SBB werden auf Grundlage der Ergebnisse der Testfahrten bis Ende August 2016 entscheiden, ob die Halte im Dezember 2016 eingeführt werden», schreibt Mediensprecherin Franziska Frey ebenfalls in einer schriftlichen Stellungnahme. Dies entspreche der Vereinbarung, welche das Bundesamt für Verkehr (BAV), der Kanton Uri und die SBB abgeschlossen hätten. «Die Halte in Flüelen sind nur machbar, wenn der Testbetrieb zeigt, dass mögliche technisch-betriebliche Risiken wie die Interaktion zwischen Fahrzeug und Strecke oder die Aerodynamik nicht eintreten würden und wenn die Pünktlichkeit zufriedenstellend sind.» Die Energie für die Wiederbeschleunigung sei aber kein Entscheidkriterium.