Kanton Uri klärt über häusliche Gewalt auf

Gewalt in den eigenen vier Wänden gehört für viele Menschen zur Realität, wird aber dennoch totgeschwiegen. Der Kanton Uri setzt sich nun für die Enttabuisierung und den Schutz der Betroffenen ein.

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Neue Infokarten geben Einblick in verschiedene Hilfsangebote rund um das Thema Gewalt. (Bild: PD)

Neue Infokarten geben Einblick in verschiedene Hilfsangebote rund um das Thema Gewalt. (Bild: PD)

(pd/RIN) Rund 40 Polizeieinsätze pro Tag gingen im vergangenen Jahr schweizweit auf häusliche Gewalt zurück. Wie die Fachkonferenz des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) berichtet, sind dabei rund drei Viertel der Opfer Frauen. Rund 13 Prozent machen dabei Kinder oder Jugendliche aus. Erschreckend sei ebenfalls, dass bei über 50 Prozent der registrierten Polizeieinsätzen Kinder anwesend waren, wie es in einer Mitteilung der Gesundheits-, Sozial und Umweltdirektion Uri heisst.

Auch im Kanton Uri ist häusliche Gewalt für viele Menschen Realität. Die Polizei registrierte dazu im vergangenen Jahr 23 Straftatbestände. Dabei handelt es sich um die der Polizei bekannten Fälle. Auch bei der Opferhilfeberatungsstelle meldeten sich rund 20 Personen, die entweder direkt oder über ihr Umfeld von häuslicher Gewalt betroffen sind. Die Dunkelziffer von Gewalt betroffenen Personen im Kanton Uri wird jedoch deutlich höher liegen.

Vielfach ist Scham der Grund zur Schweigsamkeit

Die Einschätzungen der verschiedenen Fachpersonen zur Dunkelziffer der von häuslicher Gewalt betroffenen Menschen zeigen Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektorin Barbara Bär, dass im Kanton Uri häusliche Gewalt für viele immer noch ein Tabuthema darstellt. Die Opfer von häuslicher Gewalt verzichten vielfach auf Meldungen bei der Polizei oder auf Beratung der Opferhilfe. Die Gründe dafür liegen unter anderem im Schamgefühl, in der Angst vor weiteren Repressionen, in der Sorge um die Gesundheit der Kinder oder auch die Liebe zur Täterschaft, die ein Abhängigkeitsverhältnis schafft und die Wahrnehmung der betroffenen Person verzerrt.

Oft wissen auch die Familienangehörigen oder andere Personen im Umfeld nicht, wie sie mit dem Wissen oder dem Verdacht über häusliche Gewalt umgehen sollen. Für Barbara Bär ist klar, dass bei der Enttabuisierung des Themas der häuslichen Gewalt angesetzt werden muss.

Neue Infokarten liegen bei den Gemeinden auf

Die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion hat in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsdirektion die Infokarte für Gewaltbetroffene neu erstellt. Sie informiert über die verschiedenen Hilfsangebote rund um das Thema Gewalt. Die Informationskarte liegt in den Gemeinden sowie den Beratungsstellen auf. Ebenfalls ist sie unter www.ur.ch/dienstleistungen/3677 online abrufbar.

Zur weiteren Aufklärung über häusliche Gewalt wird sich die diesjährige Sozialkonferenz am 6. November ausführlich der Thematik widmen und dabei das Thema aus verschiedenen Betrachtungsweisen, wie der Opferhilfeberatung, der Täter- und Täterinnenberatung und der Präventionsarbeit, bearbeiten. Die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion möchte mit der Sozialkonferenz die Öffentlichkeit besser über das Thema sensibilisieren und den Betroffenen Mut machen, sich Hilfe zu holen. Weiter hat die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren kürzlich eine Homepage zu diesem Thema lanciert. Die Webseite dient den Betroffenen, deren Angehörigen und den Fachleuten als Informationsplattform zum Thema rund um die Opferhilfe. 

Auf der Website www.opferhilfe-schweiz.ch werden Betroffene kostenlos, vertraulich und anonym beraten.