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Urner Handballer Lukas von Deschwanden kostet Profileben voll aus

Lukas von Deschwanden spielt seit Sommer in Deutschland. Er hat sich bereits bestens eingelebt. Seine Teamkollegen haben nur lobende Worte für ihn übrig – und schätzen seine Schweizer Mentalität. Dies zeigt ein Besuch in Stuttgart.
Philipp Zurfluh, Stuttgart
Lukas von Deschwanden im Spiel gegen Rhein-Neckar Löwen, im Hintergrund Nati-Teamkollege Andy Schmid. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport (Stuttgart, 30. August 2018)

Lukas von Deschwanden im Spiel gegen Rhein-Neckar Löwen, im Hintergrund Nati-Teamkollege Andy Schmid. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport (Stuttgart, 30. August 2018)

Die Stimmung ist gelöst. Im Training wird gelacht und geflachst. Die Spieler des TVB Stuttgart 1898 haben auch allen Grund dazu. Aus den Partien gegen die Füchse Berlin und die TSV Hannover-Burgdorf resultierten Siege – etwas unerwartet. «Diese Punkte haben wir nicht eingeplant, doch wir konnten mit viel Kampf und Leidenschaft die beiden Erfolge einfahren», resümiert Lukas von Deschwanden. Zwei Siege in Folge sind für Stuttgart fast historisch. Zuletzt gelang dies Ende Saison 2016/17. Die Mannschaft steht in der 18er-Liga auf dem 10. Platz mit neun Punkten aus zwölf Spielen.

Für den 29-Jährigen und seine Teamkollegen steht heute ein lockeres Handballtraining auf dem Programm. Nach einer halbstündigen Videoanalyse gibt es Fussball zum Aufwärmen. Auch beim Spiel mit dem Fuss macht der gebürtige Altdorfer eine gute Falle und reiht sich unter die Torschützen ein. Nach ein paar taktischen Übungen wird das Training mit einem Abschlussspiel beendet.

Von Deschwanden legt eindrücklichen Palmarès vor

«Uri» – den Spitznamen trägt von Deschwanden seit Jahren in Anlehnung an seinen Heimatkanton – ist glücklich, sehr sogar. «Ich glaube, es ist etwas vom Schönsten, sein Hobby zum Beruf machen zu dürfen.» Er sei sich bewusst, dass er als Profi ein grosses Privileg besitze.

Lukas von Deschwanden: «Die Mannschaft und das Umfeld haben mich prima aufgenommen.» (Bild: Philipp Zurfluh, Stuttgart, 6. November 2018)

Lukas von Deschwanden: «Die Mannschaft und das Umfeld haben mich prima aufgenommen.» (Bild: Philipp Zurfluh, Stuttgart, 6. November 2018)

Mittlerweile sind schon vier Monate vergangen, seitdem er zum ersten Mal das hellblaue Trikot der Schwaben überstreifte. «Ich habe mich bestens eingelebt.» 26 Mal hat er bislang für Stuttgart ins Schwarze getroffen. Er sei überrascht gewesen, wie wenig Angewöhnungszeit er brauchte. «Die Mannschaft und das Umfeld haben mich prima aufgenommen. Hier kann ich mein Leben als Profi voll auskosten.» Im Vergleich zu seiner «zweiten Heimat» Wacker Thun – wo der Altdorfer sich während neun Jahren zu einem Aushängeschild in der Nationalliga A entwickelte – sei alles professioneller und grösser. Der Palmarès des gebürtigen Altdorfers ist beeindruckend: Dreimal erhielt er die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Liga, zweimal avancierte er zum Torschützenkönig. In der Nationalliga A hat er knapp 1400 Tore geworfen.

«Ich glaube es ist etwas vom Schönsten, sein Hobby zum Beruf machen zu dürfen.»


Lukas von Deschwanden

Von Deschwanden wohnt mit seiner Freundin Jasmin, die für ein Startup-Unternehmen arbeitet, im Zentrum Stuttgarts. Obwohl er in der über 600’000-Einwohner-Grossstadt noch nicht alles besichtigen konnte, schwärmt er von der Stadt. Die Freizeit nutzt der Handballer, um sich beispielsweise auch mal ein Spiel des Fussballteams VfB Stuttgart anzusehen.

Lukas von Deschwanden. (Bild: Philipp Zurfluh)

Lukas von Deschwanden. (Bild: Philipp Zurfluh)

Die Mitspieler geizen nicht mit Lob

Dass der 1,92 Meter grosse und 92 Kilogramm schwere Modellathlet bei seinen Teamkollegen ein hohes Ansehen hat, wird schnell klar: Wer mit ihnen spricht, bekommt Lobeshymnen zu hören. «Es fühlt sich so an, als ob ‹Uri› schon zwei Jahre bei uns spielen würde», sagt Michael «Mimi» Kraus. Der 35-jährige Routinier und ehemalige Weltmeister, Champions League-Sieger und Deutscher Meister hält hohe Stücke auf den Neuzugang: «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Spieler in der besten Liga der Welt so schnell zurechtfindet.»

Was «Mimi» von Deschwanden besonders hoch anrechnet, sind dessen Ehrgeiz und Aggressivität. Aber nicht nur: «Lukas ist ein Allrounder, den man auf jeder Position einsetzen kann und er spielt überall gut.» Auch die Schweizer Mentalität streicht er hervor: «Er ist zuverlässig und überpünktlich. Das kommt hier in Deutschland gut an», scherzt Kraus. Er prophezeit ihm eine grosse Zukunft: «Mit seinem Spielwitz und seiner Schnelligkeit stehen vor ihm noch viele erfolgreiche Jahre, in denen er zu einer Leaderfigur heranwachsen wird. Er wird seinen Weg gehen», ist sein Mitspieler überzeugt.

«‹Uri› hat das Herz am richtigen Fleck.»

Johannes Bitter, Torhüter TVB Stuttgart 1898

Auch von Torhüter Johannes «Jogi» Bitter gibt’s nur lobende Worte: «Ich schätzte seine kommunikative Art. Mit ihm kann man auch neben dem Platz viel Spass haben. ‹Uri› hat das Herz am richtigen Fleck.» Der Torhüter ist beeindruckt von den handballerischen Fähigkeiten. «So ein guter Handballer gehört einfach in die Bundesliga. Man sieht, dass er Spass am Handball hat, und so spielt er auch.» Der Wechsel des Urners vergangenen Sommer zu Stuttgart sei mit einem positiven Nebeneffekt verbunden gewesen: «Dank ‹Uri› habe ich den Schnupftabak noch besser kennen gelernt. Das hat schon zu einigen lustigen Abenden geführt ...», scherzt der 36-jährige Torwart, der kürzlich sein 500. Bundesligaspiel bestritt.

Lukas von Deschwanden hat in dieser Saison bereits 25 Mal geskort. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport, Stuttgart, 30. August 2018)

Lukas von Deschwanden hat in dieser Saison bereits 25 Mal geskort. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport, Stuttgart, 30. August 2018)

Die EM 2020 im Visier

Eine wichtige Rolle hat von Deschwanden auch in der Schweizer Nationalmannschaft inne. Dort ist er zu einer Leaderfigur herangewachsen und wird innerhalb des Teams hoch geschätzt. Der Altdorfer spielte bis heute rund 50 Länderspiele und erzielte dabei über 180 Tore. Nun steht die Tür für die Qualifikation zur EM 2020 in Österreich, Schweden und Norwegen ganz weit offen. Es wäre für die Schweiz die erste Teilnahme an einem Grossanlass seit der Heim-EM 2006. «Unser Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft, wir können Grosses erreichen», sagt von Deschwanden.

Französische Liga reizt

Lukas von Deschwandens Vertrag in Stuttgart läuft noch bis im Juni 2019 mit Option auf eine Verlängerung um ein Jahr. Anfang 2019 muss er sich entscheiden, wo es ihn nächsten Sommer hinzieht. Momentan spreche viel dafür, dass er in Stuttgart bleibe. Dennoch: Ein Wechsel nach Frankreich habe ihn schon immer gereizt, gibt er unumwunden zu. Auch seine Freundin würde nicht Nein sagen. «Jasmin hat eine Zeit lang in Frankreich studiert und ein Flair für das Land entwickelt.» Doch das habe noch Zeit. «Ich habe ja noch einige Jahre als Handballer vor mir», meint von Deschwanden und lacht.

Sein Fokus richtet sich aber momentan voll auf seinen derzeitigen Verein. «Ich fühle mich wohl in Stuttgart und möchte mich in der Bundesliga etablieren.»

Lukas von Deschwanden posiert mit Handballfans aus dem Kanton Uri. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport, Stuttgart, 30. August 2018)

Lukas von Deschwanden posiert mit Handballfans aus dem Kanton Uri. (Bild: Jens Körner/Bildermacher-Sport, Stuttgart, 30. August 2018)

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