URI: «Kreisel sind zu eng für Lastwagen»: Landrat rügt Regierung

Viele Urner Kreisel sind vor allem für Busse und den Schwerverkehr zu eng konzipiert. Diese Meinung vertritt der Landrat. Er fordert einen runden Tisch.

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Der Kreisel Rynächt in Schattdorf. (Archivbild UZ)

Der Kreisel Rynächt in Schattdorf. (Archivbild UZ)

Der Landrat hat am Mittwoch die Parlamentarische Empfehlung «Verkehrsgestaltung und Hindernisbauten auf Urner Strassen» von Hans Gisler (SVP, Schattdorf) mit 49 zu 7 Stimmen (3 Enthaltungen) überwiesen – gegen den Willen der Regierung. Gisler fordert, Kreisel so zu bauen, «dass sie für jedes zugelassene Fahrzeug normal und ohne Schaden passierbar sind». Uri brauche funktionierende, leistungsfähige und sichere Strasseninfrastrukturen.

Die Überweisung bedeutet: Die Regierung soll sich vor Ort ein Bild von der Befahrbarkeit der Urner Kreisel machen, anschliessend mit Transporteuren, Planern und Ingenieuren an einem runden Tisch zusammensitzen, die unterschiedlichen Ansprüche und Wünsche diskutieren, um danach die Erkenntnisse an die zuständigen Planer und Zeichner weiterzugeben. Zudem soll die Regierung aufzeigen, wie allfällige Engpässe an Kreisverkehrsanlagen behoben oder die Befahrbarkeit der Kreisel verbessert werden könne.

Urner Kreisel entsprechen Normen

Auf Urner Boden gibt es zwölf Kreisel mit Durchmessern von 19 bis 40 Metern. Drei weitere mit Durchmessern von 28 bis 30 Metern sind im Zusammenhang mit dem Bau der WOV und des A2-Halbanschlusses Altdorf geplant. Die Regierung hatte in ihrer Antwort argumentiert, dass die Kreisel in Uri den geltenden und anerkannten nationalen Normen entsprächen. Bei der Projektierung und Planung werde der Nachweis erbracht, dass die Kreisel mit Lastwagen und Bussen befahrbar seien.

Kanton Uri hat zwei Problemkreisel

«Die Kreisel berücksichtigen zudem die lokalen Platzverhältnisse sowie die Anforderungen der Verkehrssicherheit», betonte Baudirektor Roger Nager am Mittwoch. Er gestand allerdings ein, dass etwa der Kreisel beim Flüelertunnel ein Problem darstelle. «Dieser ist jedoch ein Provisorium.» Eine Überprüfung der Entflechtung von direkter Verbindung zwischen A4 und A2 sowie der Strasse von Flüelen nach Altdorf sei im Gange. Die Umsetzung könne aber nicht schon in naher Zukunft geschehen. Einen Problemkreisel habe auch Göschenen. Als Sofortmassnahme sei dort aber ein Rotlicht eingerichtet worden.

Anpassungen von Kreiseln müssten aber immer auch an Landerwerb oder an Normen geknüpft werden, so beispielsweise für Trottoirs. Grundsätzlich seien Kreisel dazu da, mit Fahrbahnverengungen die Fahrtgeschwindigkeit zu drosseln und damit den Verkehrsfluss zu gewähren, gab der Baudirektor zu bedenken. «Die Regierung sieht aber in den Kreisverkehrsanlagen grundsätzlich keine Hindernisbauten», betonte Nager. Er beantragte, den Vorstoss nicht zu überweisen.

Nager erhält nur wenig Unterstützung

Unterstützung erhielt Nager nur aus dem linken Lager. «Jetzt will man plötzlich Luxuslösungen», meinte Toni Moser (SP, Bürglen). «Je mehr Luxus, desto mehr Verkehr», warnte er gleichzeitig. Einschränkungen seien auch hier nötig. Wenn es um Verkehr und Strassen gehe, vergässen aber gerade bäuerliche Kreise offensichtlich immer wieder, dass dies immer auch mit Landverbrauch verbunden sei. Und Parteikollegin Sylvia Läubli zeigte sich – angesichts der Diskussionen um die Unterhaltsprogramme für die Kantonsstrassen – erstaunt, dass jetzt plötzlich keine finanziellen Argumente mehr zählen würden. «Wir müssen das Geld dort einsetzen, wo es sinnvoll ist. Hier handelt es sich aber um eine völlig sinnlose Verschleuderung von Steuergeldern.»

«Kreisel richtig bauen oder gar nicht!»

Nager und die Linken hatten aber keine Chance. «Ich habe eigentlich keine andere Antwort erwartet», sagte Hans Gisler. «Da aber weder ein Regierungsrat noch einer der Planer und Zeichner im Besitz eines LKW-Ausweises sein dürfte, verwundert dies nicht.» Gislers Fazit: «Kreisel richtig bauen oder gar nicht!»

Ruedy Zgraggen (CVP, Attinghausen) und Pascal Blöchlinger (SVP, Altdorf) kritisierten die Antwort der Regierung als «sehr knapp und nicht nachvollziehbar». Seit dem Bau des ersten Kreisels in Uri habe man nichts dazugelernt, was die Dimensionen und die Ausgestaltung angehe. Es werde noch immer minimalistisch geplant. «Immer wieder muss man feststellen, dass sich etwa Schwertransporte oder Anhängerfahrzeuge durch die Kreisel zwängen, mit den äusseren und inneren Randsteinen kollidieren und so beschädigt werden», so Zgraggen.

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch