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URI: Landwirte malen den Wolf an die Wand

Der Bauernverband nimmt Stellung zur Debatte um den Wolf. Vielen sei durch die Raubtiere die Lust an der Landwirtschaft vergangen, so die düstere Ansage.
Schafe fallen immer mehr dem Wolf zum Opfer.

Schafe fallen immer mehr dem Wolf zum Opfer.

red. Am vergangenen Wochenende hat der Wolf im Kanton Uri wieder zugeschlagen. Am Samstag riss er im Gebiet Guggital und Geissberg in Erstfeld insgesamt acht Schafe. Bereits einen Tag später wütete er im Leutschachgebiet. «Hat dieses sinnlose Zerfetzen von Nutztieren einen Nutzen?», fragen der Bauernverband Uri und der Kleinviehzuchtverband Uri nun provokativ in einer gemeinsamen Medienmitteilung. «Vom ‹Jagen, um zu überleben› kann hier nicht die Rede sein.» Die Schafe würden auf brutalste Weise vom Wolf zerfetzt und müssten oft elend leiden.

Schafhalter sind Landschaftspfleger

Der Kanton Uri verfügt über viele Kleinviehhalter. Dank diesen werden auch steile und abgelegene Heimwesen und Alpen bewirtschaftet, dies verhilft den touristisch wertvollen Regionen zu einem gepflegten Erscheinungsbild. «Grundsätzlich fühlen sich Kleinwiederkäuer, wie Schafe und Ziegen es sind, am wohlsten, wenn sie den Sommer im Alpgebiet in den Bergen verbringen können», schreiben die beiden Verbände. «Doch nun tauchen regelmässig Grossraubtiere, in erster Linie der Wolf, im Kanton Uri sowie auch in den anliegenden Kantonen auf, reissen massenmordartig Nutztiere und wechseln schnell wieder ihr Territorium, wo das Töten weitergeht.» Jüngste Vorfälle widerspiegelten die folgenschweren Probleme, die mit diesem Raubtier entstünden.

Mit der Rückkehr von Raubtieren in den Kanton Uri sei ein gewaltiger Mehraufwand entstanden, zeitlich und finanziell. «Die Kleinviehhalter sind oft gezwungen, ihre Tiere von den Alpen abzutreiben, denn entsprechende Herdenschutzmassnahmen sind vielerorts wegen den sehr schwierigen geo- und topografischen Lagen nur theoretisch möglich oder wegen den kleinen Strukturen schlichtweg nicht finanzierbar.» Ganze Alpgebiete würden somit nicht mehr bestossen und drohten irgendwann zu verganden. «Doch nicht nur die Sömmerungsgebiete sind betroffen, bereits auf den Heimbetrieben sind Schafe und Ziegen vor den Raubtieren nicht mehr sicher.» Davon würden Wolfsrisse wie etwa im Isental zeugen.

Nach Meinung der beiden Verbände gibt es nur die Möglichkeit, die Tiere über Nacht einzustallen oder zu umzäunen. «Dieses Vorgehen stimmt nicht mit dem natürlichen Verhalten eines Schafes überein, denn grundsätzlich würden die Tiere gerne am Abend, sobald es kühler wird, oder während der Nacht ihre Nahrung auf den Weiden zu sich nehmen. Jetzt verunmöglichen die sich ausbreitenden Raubtiere zunehmend eine freie, artgerechte Haltung mit ständigem Zugang zu Wiesen und Weiden», so die klare Meinung.

Neben dem zeitlichen steige auch der finanzielle Aufwand bei der Stallhaltung, und dies nur, weil sich die Raubtiere ohne natürliche Feinde und mit enormer finanzieller Unterstützung des Steuerzahlers ausbreiten, obwohl es schlichtweg in diesen Gebieten keinen Platz für sie hat. Es sei paradox, dass der Tierhalter den effektiven Aufwand, die Zeit und einen Teil der Materialkosten für den Herdenschutz selber berappen müsse. Entschädigt werden nur gerissene Tiere. Auch die Folgekosten, die um ein x-Faches höher seien, interessierten niemanden. «Solche Mehraufwände bringen in der angespannten Marktlage das Fass zum Überlaufen!»

Tiere gehören zur Familie

Für die Verbände ist klar: «Viele Tierhalter wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll, und spielen mit dem Gedanken, die Landwirtschaft an den Nagel zu hängen.» Die Nachfolge sei erst recht gefährdet. «Vielen Betriebsnachfolgern verdirbt die Raubtierproblematik die Freude an der Landwirtschaft.» Nicht vergessen werden dürfe, dass vielen Kleinviehhaltern ihre Tiere sehr nahe stünden. «Oft kann fast von Tieren mit Familienanschluss gesprochen werden. Sie pflegen ihre Tiere während des ganzen Jahres.» Die Zuchtarbeit könne innert weniger Augenblicke zerstört werden.

«Vielleicht würden die Schafhalter von der nichtbäuerlichen Bevölkerung besser verstanden, wenn sich ein Wolf an Haustieren wie der Lieblingskatze einer Familie bedienen würde», geben die Verbände zu bedenken. «Am Ende ist es dasselbe.» Die Raubtiere zerstörten ganze Lebenswerke. «In dieser hilflosen Situation droht so manch einem Betrieb oder einer Region das Ende», so die düstere Prognose.

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