URI: Lawinenschutz-Haus ist wieder bewohnbar

Es gibt auf der Göscheneralp nur ein lawinensicheres Gebäude. Doch der Schutzraum für die Dorfbevölkerung war kaum noch bewohnbar. Jetzt wurde er saniert.

Georg Epp
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Der Schutzraum im Weiler Gwüest: Hier finden die Bewohner der Göscheneralp bei Lawinengefahr Unterschlupf. (Bild Georg Epp)

Der Schutzraum im Weiler Gwüest: Hier finden die Bewohner der Göscheneralp bei Lawinengefahr Unterschlupf. (Bild Georg Epp)

In den Sommermonaten ist das Leben auf der 1700 Meter über Meer gelegenen Göscheneralp idyllisch und schön. Die rund 20 Bewohner des Weilers Gwüest, die alle Mattli heissen, geniessen die pure Natur. Doch genau diese Natur wird in den harten Wintermonaten zu einer echten Gefahr. Starke Schneefälle und Lawinen bedrohen im Winter das Leben der Göschener­älpler, die bereits mehrere Male komplett von der Aussenwelt abgeschnitten wurden.

«Vor allem moralisch wichtig»

Das veranlasste die Mattlis dazu, nach schweren Lawinenwintern in den Jahren 1950/51 und 1974/75 die Gwüest­genossenschaft zu gründen. Gemeinsam mit dem Kanton, dem Bund und der Gemeinde errichteten die Älpler 1975 einen Lawinenunterstand, der ihnen im Winter Schutz bieten sollte. Erster Präsident war Konrad Mattli. «Damals war es für die 42 Bewohner vor allem moralisch wichtig, über einen sicheren Lawinenunterstand zu verfügen, wenn es kritisch wurde», erinnert er sich. «Der spätere Regierungsrat und Landammann Carlo Dittli hat uns wesentlich geholfen, die Genossenschaft zu gründen und den Lawinenunterstand zu ermöglichen.»

Dorf hatte kein Geld für Sanierung

Rund 40 Jahre später war der Lawinenunterstand baufällig und marode geworden. Die bissige Kälte, eindringendes Wasser und die längst veraltete Einrichtung machten das Gebäude nahezu unbewohnbar. Eine Komplett­sanierung konnte sich die Gwüest­genossenschaft nicht leisten, deshalb wandten sie sich an den Kanton Uri. Gemeinsam mit der Koordinationsstelle Arbeitseinsätze im Berggebiet (KAB), der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) und der Schweizerischen Berghilfe nahmen die Bewohner der Göscheneralp die Planung des Projekts in Angriff. Als Unterstützung wurde die Firma Mapei Suisse SA an Bord geholt, die auf chemische Produkte für das Baugewerbe spezialisiert ist und sowohl fachliches Know-how als auch Manpower für die Sanierung des Unterstands zur Verfügung stellte.

In insgesamt mehr als 300 Arbeitsstunden dichteten die Mapei-Mitarbeiter Risse mit Betoninjektionen ab, verputzten die maroden Wände der Sanitäranlagen und Küchen und behoben Wasserschäden. In einem Ausbildungseinsatz leistete zudem die Schweizer Armee während einer Woche Hilfeleistung mit Transporten und Ausbrucharbeiten. Auch Bund, Kanton, Gemeinde, der Kiwanis Club Zürich und die einheimischen Handwerker und Sponsoren beteiligten sich am Projekt.

Vermietung an Schulen und Gruppen

Kürzlich konnten die Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Der Lawinenunterstand ist nun wieder sicher und bietet den Bewohnern von Gwüest im kommenden Winter bei Bedarf Schutz vor Naturgefahren. Der Lawinenunterstand kann zudem wieder wie früher an Schulen und Gruppen vermietet werden – die Bettenzahl wurde von 42 auf 32 reduziert und somit mehr Platz für die einzelnen Personen geschaffen.